Die Seidenstrasse von Turkistan nach Shymkent

Turkistan. Eine Stadt, die an sich anderen südkasachischen Städten ähnelt. Was sie aber von den anderen unterscheidet, ist das Hodscha Ahmad Yasawi Mausoleum. Es ist gigantisch!! Wahnsinn, was man Ende des 14. Jahrhunderts schon bauen konnte! Das Mausoleum wurde zum Gedenken an Hodscha Ahmad Yasawi gebaut. Yasawi lebte und wirkte in Turkistan. Er hat im 12. Jahrhundert den Koran für das „einfache Volk“ in Zentralasien verständlich übersetzt und gelehrt und somit den Islam verbreitet. Einen grossen Teil seines Lebens verbrachte er in einer halb unterirdischen Moschee neben dem heutigen Mausoleum. Heute ist das Mausoleum eine wichtige Pilgerstätte für Muslims – drei Pilgerreisen zum Mausoleum sind angeblich genauso viel wert wie eine Reise nach Mekka. Aus dem 14. Jahrhundert gibt es auf dem Gelände auch noch ein Badehaus bzw. Hamam für die damaligen Pilger. Mit Bodenheizung und Dampfbad!
Das Mausoleum und auch alle anderen Gebäude auf dem Gelände kann man sich von englischsprachigen, sehr kompetenten weiblichen Guides zeigen und erklären lassen. Nur zu empfehlen, wenn man sich für die Details interessiert!

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Auf unserer Weiterreise nach Shymkent haben wir noch einen kleinen Schlenker südlich der Hauptroute gemacht, um das Arystan Bab Mausoleum anzuschauen. Arystan Baba war der Lehrer von Yasawi. Wenn man allerdings vorher das Yassawi Mausoleum gesehen hat, wirkt das Arystan Bab Mausoleum recht unscheinbar. Man sollte die Besichtigungsreihenfolge wohl tauschen.

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Wir haben uns also nicht lange in der sengenden Nachmittagshitze aufgehalten (ein weitere mögliche Sehenswürdigkeit, die Ruinen von Otrar, war zu dieser Zeit für Besichtigungen geschlossen) und sind, nach einer Übernachtung am Feldrand, weiter nach Shymkent gefahren.

 

 

 

Von Qamystybas nach Turkistan

Nach der vergeblichen Suche nach dem Aralsee wollten wir doch noch ein wenig Wasser sehen. Zum Glück gibt es nicht weit von Aral einen grossen Süsswassersee, den See Qamystybas. Am Ufer dieses Sees haben wir für die nächste Nacht unser Lager aufgeschlagen. Links und rechts von uns standen traditionelle Jurten. Uns war erst nicht ganz klar, ob diese Jurten bewohnt waren oder nicht. Auch hatten wir ein wenig Zweifel, ob wir hier wirklich baden sollten und vor allem in welchem Outfit – schliesslich befanden wir uns ja im südlichen und somit verstärkt muslimischen Teil Kasachstans. Bald aber kam ein Kleinbus voller Kinder angefahren und nach kurzer Zeit plantschten sie im See. Somit wagten auch wir uns in den See. Das Wasser war angenehm kühl, erfrischend und sah erstaunlich sauber aus. Zur Feierabendzeit kam dann irgendwie das ganze Dorf an den Strand. Es wurden noch mehr Jurten aufgestellt, und der Strand wurde gereinigt („Reinigen“ heisst in Kasachstan: Alles Brennbare wird direkt an Ort und Stelle abgefackelt). Einer der Jurtenbesitzer lud uns in eine Jurte ein. Wie sich dabei herausstellte, wurden die Jurten extra für Touristen aufgestellt und sollten zum Übernachten vermietet werden. Wir lehnten dankend ab, denn unser Büssli schien uns komfortabler (trotz dem im Mietpreis enthaltenen knuddeligen Wachhund). 
Nach leckerer Pasta zum Abendessen spendierte uns die Natur einen wunderschönen Sonnenuntergang überm See. Vielleicht Dank des ständigen starken Winds war kein Mückenflugwetter und wir konnten draussen vorm Büssli essen.

Die Einheimischen zogen sich langsam wieder in ihr Dorf zurück. Einer von ihnen hatte einen Platten am Auto und bat uns um Hilfe. Klar doch, wir haben ja alles dabei. Über unsere 12V-Pumpe staunte der „Platten-Besitzer“ nicht schlecht. Das Rad war schnell wieder aufgepumpt und der Kasache verabschiedete sich hupend und winkend.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter südöstlich Richtung Kyzylorda. Rund um Kyzylorda wird mit viel Wasser aus dem Fluss Syr Darya Reis angebaut. Wasser, welches übrigens dann im Aralsee fehlt… Beidseits der Strasse waren riesige grüne Flächen zu sehen, viele davon bereits geflutet. Wir befürchteten Schlimmes: Mückenüberpopulation…, Büssli-Invasion…, Aufwachen als ein riesiger Mückenstich! Da es langsam dunkel wurde, mussten wir uns aber wohl oder übel einen Schlafplatz suchen. Irgendwo zwischen Reisfeldern und Eisenbahnlinie wurden wir fündig. Erstaunlicherweise gab es keine einzige Mücke! Sie schienen hier noch nicht Saison zu haben. Dafür gab es aber ganz lästige Fliegen, die einem immer tief in die Augen oder Ohren schauen wollten.

Apropos „Blutsauger“, eine Spezies gab es doch: Die auf der Strasse mit Uniform. Auf der Fahrt von Aralsk nach Turkistan wurden wir ganze SECHS Mal von der Polizei gestoppt (fünf Mal allein zwischen dem „Bett im Reisfeld“ und Turkistan – an einem einzigen Tag!). Einmal wollten sie uns wegen fehlenden Schmutzfängern büssen und das andere Mal, weil wir als Touristen nicht die Transitstrasse genommen hätten. Klar, sie wollten Geld sehen, und zwar am liebsten Dollar oder Euro. Aber wir haben unsere Prinzipien und zahlen kein Schmiergeld! Es kann richtig Spass machen mit einem Polizist zu diskutieren und immer nur so viel zu verstehen wie man gerade will. Nach 15 Minuten geben sie immer auf, oder lassen sich im Notfall mit einer Flasche Bier oder etwas Schokolade loswerden.