Albanien

Wir hatten von anderen Reisenden schon viel Gutes über Albanien gehört. Jetzt wollten wir uns selbst davon überzeugen.

Unser erste Ziel war Ksamil auf einer Halbinsel direkt hinter der Grenze. Die Insel ist nur im Norden mit dem Festland verbunden, so dass wir uns von Süden kommend mit einer kleinen „Fähre“ übersetzen lassen mussten.

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Auf dem kleinen Campingplatz Ksamil Caravan Camping wurden wir sehr herzlich mit Getränken und Bonbons empfangen. Der Platz liegt zwar nicht direkt am Meer, aber die wunderschöne Bucht ist in wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen. Um den Campingplatz herum liefen ein paar streunende Hunde, die aber zu ängstlich waren, um sich füttern zu lassen. Stattdessen hat sich ein kleines, mageres Kätzchen über unser Hundefutter hergemacht und es sich bei uns gemütlich eingerichtet.

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Nach drei gemütlichen Tagen und Nächten in Ksamil fuhren wir weiter nach Himarë. Auf dem Weg dorthin schauten wir uns die 200 Jahre alte Festung von Porto Palermo an. Gegenüber der Festung gibt es noch eine kleine Kirche. Der damalige Bauherr hat dessen Qualität angeblich dadurch getestet hat, dass er den Bauingenieur und den Architekten in die Kirche setze und mit einer Kanone auf das Gemäuer schoss. Alle Drei haben den Test überstanden.

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Himarë war ein wenig trostlos, der Campingplatz voll von österreichischen und deutschen Rentnern und keine streunenden Tiere weit und breit. Somit sind wir schon nach einer Nacht weiter nach Norden gefahren; bergauf, bergab der Küste nach durch idyllische Dörfchen mit spektakulärer Aussicht über das türkisblaue Meer. Etwa 25 km hinter Himarë erhob sich ein hoher Berg vor uns, den wir über eine langgestreckte Serpentinenstrasse überqueren sollten. Der Wind entlang der Küstenstrasse war recht stark und wurde auf der Passstrasse noch stärker. Unser Büssli kämpfte sich eine Steigung nach der nächsten hinauf. Wir hofften, dass wir es bis oben schaffen würden, denn wir hörten ein verdächtiges Klappern aus dem Motorenraum. Plötzlich zum was-weiss-ich-wievielten Mal ein rotes Warnlämpchen: Zu wenig Wasser. Pfff… einem 25-jährigen Büssli gesteht man ja eine gewisse Inkontinenz zu, aber bitte… irgendwann ist auch mal gut!
Wir hielten in einer Haltebucht an. Zu allem Überfluss war es auch noch so stürmisch, dass wir kaum die Büsslitür aufbekamen. Wir haben also gar nicht erst versucht, in den Motorraum zu schauen, sondern sind vorsichtig noch ein Stückchen weiter gefahren, um etwas Windschatten zu finden. Das Warnlämpchen blinkte wieder frenetisch und keine Haltebucht war in Sicht. Es blieb uns also nichts anderes übrig als auf der Strasse zu halten. Kurze Zeit später hielt ein Campingurlauber nach dem anderen neben uns an, um uns ihre Hilfe anzubieten. Aber wozu hat man denn den TCS :). Glücklicherweise war der Verkehr auf der Passstrasse gering, denn am Ende haben wir dann doch geschlagene 1,5 Stunden auf den Abschleppwagen warten müssen. Unser Büssli wurde auf dem Abschlepper festgezurrt und wir in die Fahrerkabine verfrachtet.

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Mit Tempo 20 ging es auf den Pass hoch, um dann mit viel Schwung ins Tal und sogar noch etwa 30 km weiter bis nach Vlorë hinabzudüsen. Der Abschleppwagen hielt bei einer Art Schrottplatz und wir haben schon gedacht, der TCS hätte die Nase voll von uns oder irgendein Missverständnis liege vor. In der hinteren Ecke des Schrottplatzes entdeckten wir dann aber doch etwas, das einer Werkstatt ähnelte. Der Schrottplatz war wohl mehr so etwas wie ein Ersatzteillager. Und trotz des chaotischen Äusseren und anfänglicher Bedenken unsererseits, entpuppte sich die Werkstatt später als kompetent und hilfsbereit. Sofort nach unserer Ankunft nahm sich einer der Mechaniker Zeit für uns und schaute in den Motorraum. Christian hatte bereits die Kühlwasserpumpe im Verdacht. Der Mechaniker baute sie aus. Und tatsächlich – das Lager der Pumpe war hinüber.

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Die Werkstatt versuchte, in Vlorë und Umgebung eine Ersatzpumpe zu finden; leider ohne Erfolg. Plan B war, am nächsten Tag in Tirana nach einer Pumpe zu suchen. Der Werkstattchef hat uns erlaubt, die folgende Nacht im Büssli zu verbringen. Er meinte, sein Bruder – der Nachtwächter – und die Wachhunde würden uns beschützen. Vor was auch immer. Der Nachtwächter-Bruder entpuppte sich als sehr gesprächsfreudig und unterhielt sich mit uns auf Albanisch. Wir verstanden nicht alles, aber das Wichtigste lässt sich ja immer irgendwie mit Händen, Füssen und Geduld vermitteln. Wir teilten unsere Dosen-Kartoffelsuppe mit ihm im Büssli, da er uns erzählte, dass er in seinem Wachhäuschen (ein Schrottauto, das auf einen Stapel rostiger Container gestellt wurde) oft nachts friere. Anschliessend zog er sich in seinen Wachturm zurück und wir machten es uns im Büssli gemütlich. Das ist das Tolle am Büssli: Egal, wo man steht (in diesem Fall ein Werkstatt-Schrottplatz mit dicken Ratten und Wachhundegebell), drinnen ist es immer schön und heimelig.

Die Ersatzteilsuche in Tirana am nächsten Tag war leider auch erfolglos und so machten sich die Mechaniker daran zu versuchen, unsere alte Wasserpumpe zu reparieren. Und sie haben es wirklich hinbekommen! Nach der 101ten Entlüftung des Kühlwasserkreislaufs auf dieser Reise konnten wir am späten Nachmittag weiterfahren. Wir kamen erst im Dunkeln auf dem nächsten Campingplatz bei Kavajë an, aber wir kamen an.
Nicht weit nördlich von Kavajë liegt Durrës, von wo aus viele Fähren nach Italien ablegen. Da das Büssli auch mit reparierter Wasserpumpe immer noch nicht wieder ganz normal fuhr, buchten wir ein Ticket für die Fähre nach Ancona, um uns und dem Büssli den Weg durch Kroatien zu ersparen. Bis zum Abfahrtstermin blieben uns vier Tage auf dem Campingplatz bei Kavajë. Dann hiess es „Tung, Shqipëria!“ (wir kommen sicher wieder) und „Ciao, Italia!“.

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Im Osten der Türkei

Nach unserem kurzen Georgien-Abenteuer haben wir uns auf die Türkei gefreut. Mit Vollgas fuhren wir auf der türkischen Autobahn am Schwarzen Meer entlang Richtung Westen. Die Besiedlungsdichte hat sich in der Türkei nochmals erhöht und wenn die Landschaft nicht mit Strassen oder Häusern verbaut war, wurde sie für den Anbau von allerlei Getreide und Gemüse genutzt. Teilweise sind die Felder sogar von Zäunen umgegeben und werden vom Bauer persönlich bewacht. So ist es natürlich schwierig einen guten Stellplatz für die Übernachtung zu finden. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Art Campingplatz. Die uns bekannten Campingführer im Internet hatten leider keine Informationen über Campingplätze so weit im Osten der Türkei. Obwohl es eigentlich schon ein paar gibt, wie wir später festgestellt haben; die meisten entsprechen einfach nicht den Vorstellungen der europäischen Camper. Aber wir waren ja schon einiges gewöhnt und hatten auch keine grossen Erwartungen. Bei Trabzon bogen wir links ab und fuhren hinauf in die Berge. Unser Ziel war das Sumela Kloster. Ein Kloster, das 385 n. C. gegründet wurde und sowohl von den orthodoxen als auch von den islamischen Gläubigen sehr rege besucht wird. Auf dem Weg zum Kloster fanden wir eine Übernachtungsmöglichkeit auf einem Mini-Campingplatz bei einem Fischrestaurant. Sogar Dusche mit Warmwasser gab es! Der erste Campingplatz seit langer Zeit. Und dazu noch ein ganz nettes Plätzchen. Am Abend wurde uns dann bewusst, dass wir jetzt wohl im Orient angekommen sind. Kaum war es dunkel, erklang aus den Lautsprechern des nahegelegenen Minaretts der Ruf des Muezzins, der durch das enge Tal schallte. Durch das Echo im Tal hatte das Ganze etwas eher Surreales. Das Klicken und Piepsen des Mikrofons am Ende der „Durchsage“ holte uns dann aber wieder in die Realität zurück.

Am folgenden Tag machten wir uns auf zum Kloster. Durch ein wunderschönes Tal gelangten wir zum Parkplatz unterhalb des Klosters. Das  Kloster selbst ist nochmal 250 Meter höher in eine Felswand gebaut und trohnt wie ein Adlerhorst über dem Tal. Zu Fuss nahmen wir den steilen Weg hinauf zum Kloster in Angriff. Schweissnass kamen wir eine halbe Stunde später beim Eingang des Klosters an. Der Eintrittspreis war recht happig und da wir aus unserem Reiseführer wussten, dass das Innere des Klosters nicht gut erhalten (das Kloster brannte bei einem Gefecht zwischen Russen und Türken aus, wobei die meisten Einrichtungsgegenstände vernichtet wurden) und somit nicht sehr spannend sein sollte, sparten wir uns den Besuch. Wir begnügten uns mit der Aussicht auf das grüne Tal und die eindrücklichen, äusseren Klostermauern (wenn man denn mal einen Platz gefunden hat, von dem aus die Sicht nicht von Bäumen versperrt war).

Wieder zurück in Trabzon machten wir uns auf die Suche nach einem Lenovo-Vertreter. Unser Laptop liess sich seit Tbilisi nicht mehr laden und ohne ihn konnten wir weder Fotos hochladen noch Berichte schreiben. Mit einer Adresse aus dem Internet und etwas Suchen in den engen Gassen von Trabzon fanden wir dann den kleinen Lenovo Store. Da keiner der beiden Herren im Laden Deutsch oder Englisch konnte, war es schwierig, unser Problem zu erklären.  Mit Händen und Füssen und schlussendlich auch mit Hilfe von Google konnten wir uns dann doch irgendwie verständigen. Sie fragten uns, ob wir denn ein anderes Ladegerät probiert hätten. Klar hatten wir das – noch in Tbilisi im Hostel. Trotzdem bestanden sie darauf, es noch mit einem von ihren Ladegeräten zu versuchen. Und siehe da, es klappte tatsächlich. Problem gelöst!

Nach einem Einkauf im MMM Migros Supermarkt (unsere Cumulus-Karte hat leider nicht funktioniert) fuhren wir weiter entlang des Schwarzen Meeres Richtung Samsun. Wir kamen ganz flott voran und hofften vor Einbruch der Dunkelheit auf dem Campingplatz in Ünye anzukommen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne unser Büssli gemacht: Etwa 40 km vor dem Campingplatz blinkte es im Armaturenbrett – Kühlwasseralarm! Sofort fuhren wir rechts ran. Die Wasserspur hinter dem Büssli bedeutete nichts Gutes. Also, Kofferraum auf und Fehlersuche. Unter dem Luftfilter wurden wir fündig: Der S-Schlauch, der schon drei Mal mit Gebastel geflickt wurde, war gerissen. Immerhin hatte das letzte Modell, das in Ulaanbaatar designt wurde, einige tausend Kilometer gehalten. Aber was nu? Wieder das Vorgängermodell einbauen und hoffen, dass es noch ein wenig hält oder uns in eine Werkstatt abschleppen lassen und hoffen, dass sie Modell Nummer 4 bauen kann? Da wir ja jetzt wieder innerhalb des TCS-Abdeckungsbereichs waren, entschieden wir uns für die Werkstatt und liessen uns von einem über den TCS organisierten Abschleppwagen abholen. Der Herr vom Abschleppdienst hatte viel Freude an uns und machte auch gleich noch ein paar Fotos von dem Schmuckstück auf seiner Ladefläche. Als Glückbringer schenkte er uns so eine typisch türkische Perlenkette, die wir um den Steuerknüppel unseres Büsslis legen sollten. In der Werkstatt warteten bereits drei junge Türken mit viel Tatendrang. Kaum war das Büssli in die Werkstatt geschoben, wollte der eine schon den Motor starten, um das Problem zu finden. Leider konnten die Jungs kein Wort Englisch oder Deutsch. Also demontierte Christian den Luftfilter selbst und zeigte ihnen, wo das Problem lag. Einer der Jungs schraubte den defekten Schlauch ab und mit einem „No Problem“ verschwand er damit. Bald darauf kam er mit einem halbwegs passenden Schlauch in den Händen zurück. Nach der Montage versuchte Christian den Jungs zu erklären, wie man einen Wasserboxer entlüftet. Nach einer Weile und mit viel Geplansche war auch das erledigt, so dass wir wieder aus eigener Kraft aus der Garage fahren konnten. Gekostet hat das Ganze nicht mal 15 CHF und das Abschleppen wird ja vom TCS übernommen. Unterdessen war es dunkel geworden und wir fuhren zum Campingplatz am Strand von Ünye.

Am nächsten Tag ging es weiter in das Landesinnere, unser Ziel war Hattuša, eine Ruinenstadt mit einer sehr langen Geschichte. Bereits 6000 Jahre vor Christus begannen sich hier die ersten Menschen niederzulassen und bauten den Ort nach und nach zu einer riesigen Stadt aus, deren Blütezeit 1700 vor Christus durch ein riesiges Feuer beendet wurde. Da wir erst spät in Boğazkale, dem kleinen Örtchen neben der Ruinenstadt, ankamen, verschoben wir den Besuch der Ruinenstadt auf den nächsten Tag und fuhren direkt auf den Campingplatz. Dort wurden wir auch gleich vom Dorfoberhaupt zu einer Hochzeit eingeladen. Das Brautpaar war gerade eingetroffen und die Band spielte zum Tanz. Wir dachten schon, das wir eine laute Nacht vor uns haben, aber nach 2 Stunden zog die Hochzeitsgesellschaft weiter und es wurde ruhig auf dem Campingplatz.

Die Ruinenstadt selbst war sehr beeindruckend. Vor allem die Dimensionen: Eine Umrundung der Stadtmauer dauert zu Fuss mehr als 5 Stunden! Zum Glück gibt es eine gut ausgebaute Strasse, die durch die ganze Anlage führt und befahren werden darf. Leider ist nicht mehr allzu viel von der damaligen Stadt erhalten. Nur die aus Stein gemauerten Grundfundamente der zahlreichen Tempel sowie ein Teil des imposanten Befestigungswalls sind noch vorhanden.

Nach der Besichtigung fuhren wir weiter Richtung Ankara, wo wir einen längst fälligen Ölwechsel durchführen wollten. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz eines Hotels in der Nähe des Flughafens von Ankara fuhren wir in die Stadt zu einer Volkswagen-Niederlassung. Anfänglich verstand uns so ziemlich keiner. Niemand konnte Englisch oder Deutsch. Nachdem sie anfingen, uns Prospekte von neuen Autos vorzulegen, erklärten wir dann mit Hilfe von Google, dass wir nicht das ganze Auto, sondern lediglich das Öl tauschen wollten :-).
Irgendwann stellten wir fest, dass einer der Angestellten perfekt Französisch sprach und das Ganze wurde ein wenig einfacher. Zuerst erhielten wir eine Absage, sie hätten die Werkstatt voll und frühestens am nächsten Tag Zeit. So lange wollten wir nicht warten und wären schon fast aufgestanden, um zu gehen, als dann doch ganz plötzlich ein Hebebühnchen in der Werkstatt frei wurde. Sie nutzten einfach die Mittagspause, um bei unserem Büssli kurz das Öl zu wechseln. Nach dann doch gut zwei Stunden – inklusive Wartezeit – waren wir wieder auf der Autobahn und die Blaue Rakete zeigte seine Freude über das frische Öl mit einem seidenweichen Schnurren des Motors. Mit voller Fahrt fuhren wir Richtung Istanbul. Und dann plötzlich… haben wir ihn gesehen – einen wilden Bären!!! Nicht in den unbewohnten Weiten Russlands, nein, …in der Türkei, wo wir überhaupt keine Bären erwartet haben. Und dann auch noch auf einem Hang direkt neben der Autobahn nicht weit hinter Ankara! Ein braunes Bärchen. Leider waren wir zu schnell unterwegs, um ein Foto zu machen. Aber gesehen ist gesehen 🙂