Von Bischkek zum Song-Köl

Nach einer wunderbaren Nacht in den Bergen südlich von Bischkek sind wir nochmal kurz zurück in die Stadt, wo wir unser repariertes Steuergerät abholen wollten. Smail von der Pension, in der wir die Nächte zuvor übernachtet hatten, hat alles für uns organisiert. Leider hat die Werkstatt aber doch keinen passenden Mikrochip finden können und das ganze Warten war umsonst. So sind wir dann eben ohne Ersatz-Steuergerät Richtung Töö-Ashuu Pass (südwestlich von Bischkek) losgefahren. Rund 2000 Höhenmeter lagen vor uns. Auf einer gut ausgebauten und auch sehr befahrenen Strasse haben wir nach einigen Stunden den Tunnel auf 3300 m erreicht. Die Fahrzeuge stauten sich bereits mehrspurig vor dem Tunnel, der scheinbar kurzzeitig geschlossen war, und wir stellten uns ganz anständig an das Ende einer der Schlangen. Rund eine halbe Stunde mussten wir warten. In dieser Zeit konnten wir das kreative „Aufkollonieren“ der Kirgisen beobachten. Einige Male wurden wir von den anderen wartenden Autofahrern mit dem typischen „atkuda, kuda“ (woher, wohin) angesprochen. Endlich wurde der Tunnel freigegeben und mit einigem Gedrängel haben es dann auch wir in den Tunnel geschafft: Ein dunkles Loch; die Luft geschwängert von Abgasen; Gegenverkehr, von dem man kaum die Scheinwerfer sah. Nach einigen Metern schon hat unser Gasmelder Alarm geschlagen, trotz ausgeschalteter Lüftung und geschlossenen Fenstern… Zum Glück sahen wir nach wenigen Minuten ein helles Licht am Ende des Tunnels.

IMG_6681

Belohnt wurden wir hinter dem Tunnel mit der Aussicht auf ein grosses weites Tal. In Haarnadelkurven schlängelte sich die Strasse hinunter auf den Talboden auf rund 2000 m. Kurz nach der Abzweigung Richtung Suusamyr haben wir am Wegrand unser Nachtlager aufgeschlagen.

IMG_6694

Am nächsten Tag fuhren wir weiter über Kyzyl-Oy und Chaek, wo wir unterwegs Jacob, einen englischen Touristen und Alpinisten, aufgabelten. Zu dritt fuhren wir die immer schmaler werdende Strasse über Kara-Keche Richtung Song-Köl. Vorbei an Kohlenbergwerken und über Schneefelder kämpfte sich unser Büssli über einen rund 3330 m hohen Pass. Auf dem Pass erhofften wir uns einen Blick auf den Song-Köl, doch vor uns lagen noch einige Kilometer über Stock und Stein. Sogar eine Umleitung mit Flussdurchfahrt mussten wir überwinden, bevor wir den Song-Köl zu sehen bekamen. Doch die Strapazen lohnten sich. Der Song-Köl ist ein riesiger See auf rund 3000 m Höhe, umgeben von wunderschönen schneebedeckten Bergen und grünen Alpwiesen. Der Uferbereich des Sees ist recht sumpfig, so dass wir nicht direkt am See stehen konnten. Wir platzierten und in Sichtweite zwischen zwei Jurten-„Siedlungen“. Leider war uns das Wetter nicht so gnädig und der Regen vertrieb uns nach dem Abendessen ins Büssli. Kein Sternenhimmel in dieser Nacht…

GW0B0635

 

 

Reparatur in Atyrau

Nach einer ruhigen Nacht in der kasachischen Steppe sind wir wohlbehalten in Atyrau eingetroffen und haben uns ein Hotel gesucht. Auch in Kasachstan mussten wir uns nach dem Grenzübertritt registrieren lassen und das geht (normalerweise) am einfachsten im Hotel. Wir haben uns auf der asiatischen Seite der Stadt (Atyrau ist das kasachische Tor zu Asien) ein schönes Hotel ausgesucht und sind mit unserer Rakete auf den Parkplatz gefahren. Genau beim Einparken ging der Motor von selbst aus und hat anschliessend keinen Wank mehr gemacht. Wir waren froh, dass sich unsere erste Panne einen so idealen Platz „ausgesucht“ hat. Ein Schlafplatz im Hotel und eine gute Internetverbindung zu unserem „Mechaniker des Vertrauens“ war uns sicher. Nach einem kurzen Check war klar, dass irgendwas mit der Zündung nicht funktionierte. Kein Zündfunke in der Kerze und auch keiner am Verteiler. Während wir am Büssli nach dem Problem suchten, gesellten sich zwei Kasachen zu uns und waren sehr interessiert am Motor des Büsslis und an dem, was wir da machten. Da sie als Fahrer beim Hotel arbeiteten, kannten sie sich mit Autos aus und gaben uns Tipps (Wir haben schon mehrmals festgestellt, dass Kasachen generell recht freundliche, neugierige und hilfsbereite Menschen sind. Und sehr geschäftstüchtig – dazu jedoch später mehr). Schnell waren alle der Meinung, dass die Zündspule defekt sein muss. Aber ausgerechnet eine Zündspule hatten wir leider nicht in unserem grossen Ersatzteilpaket dabei! Woher also eine neue Zündspule bekommen? Die VW-Vertretung war wegen des Feiertags geschlossen (in Russland und Kasachstan ist irgendwie alles Feiertag zwischen dem 1. und 9. Mai). Einer der Kasachen meinte, dass wir auf dem Basar eine Zündspule bekommen könnten. Also fuhr er mit Christian los. Auf dem Basar schien es alles zu geben! Der kasachische Fahrer führte Christian zielstrebig zu einer Baracke, in der verschiedenste Autoersatzteile angeboten wurden. Es gab zwar keine original VW Zündspule, aber zumindest ein chinesisches Replikat für 4000 Tenge (20 CHF). Nach der Rückfahrt erklärte der freundliche Kasache dann, dass seine Dienstleistung auch noch 3000 Tenge (15 CHF) kosten würde. Gemäss Reiseführer kostet eine Taxifahrt quer durch Atyrau maximal 1000 Tenge (5 CHF), aber da wir keine Diskussionen wollten, gaben wir ihm, was er wollte.

Bild

Reparatur mit kasachischer Unterstützung

 

Nach dem Einbau der neuen Zündspule passierte genau – nichts… Der Raketenmotor wollte einfach nicht starten. Immer noch kein Zündfunke am Verteiler. Nach kurzem Überlegen haben wir das Steuergerät ausgetauscht. Gemäss Aussage unseres Mechanikers in der Schweiz würde das Steuergerät zwar NIE kaputtgehen, aber ein Versuch war es wert. Und siehe da… die Rakete funktionierte wieder einwandfrei!

Beim Einchecken im Hotel hatten wir gefragt, ob wir uns über das Hotel registrieren lassen könnten. Die Dame an der Rezeption sagte, dass es möglich sei und kopierte unsere Pässe. Beim Auschecken am nächsten Tag fragten wir nach, ob mit unserer Registrierung alles geklappt hätte. Da wurde uns gesagt, dass das Hotel diese Dienstleistung gar nicht erbringen würde! Hmm… naja, das war dann wohl ein Missverständnis. Also machten wir uns auf zum Migrationsamt, um uns selbst um die Registrierung zu kümmern. Erstaunlicherweise (entgegen aller Horrorgeschichten aus dem Reiseführer) ging die Registrierung schnell und die Beamten waren sehr freundlich. Sie betonten zwar, dass heute eigentlich Feiertag sei, aber schliesslich waren ja trotzdem alle im Büro. Nach rund 30 Minuten hatten wir die notwendigen Stempel und konnten unsere Fahrt Richtung Aktau beginnen.

Bild

Brücke zwischen Europa und Asien (Blick auf die europäische Seite)