Vom Song-Köl nach Tasch Rabat

Nach einer regnerischen Nacht auf 3000 m haben wir uns von Jacob, der ins Tal zurück wandern wollte, verabschiedet und sind in Richtung Naryn losgefahren. Entlang dem Song-Köl fuhren wir ostwärts, wo gemäss Karte ein Weg ins Tal führen sollte. Doch unsere Fahrt wurde nach rund einer Stunde durch eine steil ansteigende schlammige Passage gestoppt. Auch mit Diff-Sperre war die Steigung nicht zu schaffen. Das Büssli konnte auf rund 3200 m nicht mehr genügend Kraft entwickeln und so mussten wir in einem waghalsigen Manöver wenden und die gleiche Strecke zurück fahren. Zwei Routen belieben nun noch offen: 1) der gleiche Weg, den wir zum Song-Köl gekommen sind oder 2) über den Moldo Ashuu, einen weiteren Pass auf 3346 m. Von einer Rückfahrt auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg waren wir nicht begeistert, da wir nicht nochmal durch den Fluss und seine sumpfigen Ufer fahren wollten – erst recht nicht, nachdem es die Nacht zuvor so viel geregnet hatte. Beim Weg über den Moldo Ashuu waren wir nicht sicher, ob die Passage nach Naryn schon geöffnet ist (laut Reiseführer sollte die Strecke Naryn – Jalal-Abad erst Ende Juni öffnen). Ein Schäfer versicherte und aber, dass der Weg offen sei. Somit haben wir uns für den Moldo Ashuu entschieden. Die Fahrt über die in eine steile Bergwand gebaute Passstrasse (Serpentinen) war abenteuerlich und zeitraubend, aber mit einer spektakulären Aussicht. Nach rund drei Stunden sind wir mit der nun „Braunen Rakete“ in Naryn eingetroffen.

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Von Naryn aus fuhren wir weiter nach Südwesten Richtung chinesische Grenze. Unser Ziel: „Tasch Rabat“ – der südlichste Punkt unserer Reise. Gemäss unserer Informationen sollte die Strasse in einem sehr guten Zustand sein. Doch kurz nach Naryn wurde aus der Strasse ein einziger Schlammpfad. Bergauf spulten die Lastwagen und Autos lehmige Rampen hoch und bergab rutschten sie in den Schlammspuren. Was auf einer solchen Piste alles passieren kann, sollten wir am nächsten Tag noch erfahren…
Kurz hinter der Schlammpassage kam dann jedoch die versprochene perfekte Teer-Strasse und wir konnten endlich wieder mal den 4 und 5 Gang unserer Blauen Rakete nutzen. Die Kulisse war phänomenal. Die Strasse führte über ein riesiges, flaches Tal; rechts von uns rot-sandige Berge, die über die Jahre hinweg von Wind und Wetter geformt worden waren; links von uns in Gewitterwolken verborgene 4000er. Blitze entluden sich an den Bergflanken und graue Regenschauer verschleierten die Hänge.
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Über einen kleinen Pfad, der von der Hauptstrasse abbog, erreichten wir Tasch Rabat auf rund 3000 m Höhe. Für 200 Som Eintritt durften wir auf das Gelände fahren und die 500 – 1000 Jahre alte (man ist sich wohl nicht so einig…) Karawanserei besichtigen. Ein grosser Bau aus Stein mit einer zentralen Kuppel. Leider war nirgends beschrieben, wozu die verschiedenen Räume damals verwendet wurden. Es gab auch niemanden, den wir hätten fragen können. Und so liessen wir unserer Phantasie freien Lauf und stellten uns vor, wie hier die Händler der Karawanen auf Teppichen lagen, Beschbarmak assen und dazu Kymys tranken.
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Am Abend wurde unser Büssli einmal mehr von Pferden, Schafen und Kühen belagert und aus der Ferne pfiffen die übergrossen kirgisischen Murmeltiere.

Von Bischkek zum Song-Köl

Nach einer wunderbaren Nacht in den Bergen südlich von Bischkek sind wir nochmal kurz zurück in die Stadt, wo wir unser repariertes Steuergerät abholen wollten. Smail von der Pension, in der wir die Nächte zuvor übernachtet hatten, hat alles für uns organisiert. Leider hat die Werkstatt aber doch keinen passenden Mikrochip finden können und das ganze Warten war umsonst. So sind wir dann eben ohne Ersatz-Steuergerät Richtung Töö-Ashuu Pass (südwestlich von Bischkek) losgefahren. Rund 2000 Höhenmeter lagen vor uns. Auf einer gut ausgebauten und auch sehr befahrenen Strasse haben wir nach einigen Stunden den Tunnel auf 3300 m erreicht. Die Fahrzeuge stauten sich bereits mehrspurig vor dem Tunnel, der scheinbar kurzzeitig geschlossen war, und wir stellten uns ganz anständig an das Ende einer der Schlangen. Rund eine halbe Stunde mussten wir warten. In dieser Zeit konnten wir das kreative „Aufkollonieren“ der Kirgisen beobachten. Einige Male wurden wir von den anderen wartenden Autofahrern mit dem typischen „atkuda, kuda“ (woher, wohin) angesprochen. Endlich wurde der Tunnel freigegeben und mit einigem Gedrängel haben es dann auch wir in den Tunnel geschafft: Ein dunkles Loch; die Luft geschwängert von Abgasen; Gegenverkehr, von dem man kaum die Scheinwerfer sah. Nach einigen Metern schon hat unser Gasmelder Alarm geschlagen, trotz ausgeschalteter Lüftung und geschlossenen Fenstern… Zum Glück sahen wir nach wenigen Minuten ein helles Licht am Ende des Tunnels.

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Belohnt wurden wir hinter dem Tunnel mit der Aussicht auf ein grosses weites Tal. In Haarnadelkurven schlängelte sich die Strasse hinunter auf den Talboden auf rund 2000 m. Kurz nach der Abzweigung Richtung Suusamyr haben wir am Wegrand unser Nachtlager aufgeschlagen.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter über Kyzyl-Oy und Chaek, wo wir unterwegs Jacob, einen englischen Touristen und Alpinisten, aufgabelten. Zu dritt fuhren wir die immer schmaler werdende Strasse über Kara-Keche Richtung Song-Köl. Vorbei an Kohlenbergwerken und über Schneefelder kämpfte sich unser Büssli über einen rund 3330 m hohen Pass. Auf dem Pass erhofften wir uns einen Blick auf den Song-Köl, doch vor uns lagen noch einige Kilometer über Stock und Stein. Sogar eine Umleitung mit Flussdurchfahrt mussten wir überwinden, bevor wir den Song-Köl zu sehen bekamen. Doch die Strapazen lohnten sich. Der Song-Köl ist ein riesiger See auf rund 3000 m Höhe, umgeben von wunderschönen schneebedeckten Bergen und grünen Alpwiesen. Der Uferbereich des Sees ist recht sumpfig, so dass wir nicht direkt am See stehen konnten. Wir platzierten und in Sichtweite zwischen zwei Jurten-„Siedlungen“. Leider war uns das Wetter nicht so gnädig und der Regen vertrieb uns nach dem Abendessen ins Büssli. Kein Sternenhimmel in dieser Nacht…

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