Irkutsk

Nach unserem Ausflug nach Olchon wollten wir uns Zeit nehmen, um Irkutsk anzuschauen. Die Altstadt von Irkutsk ist nicht besonders gross und somit gut in ein paar Stunden abzulaufen. Da Irkutsk auch zu Sowjetzeiten für Besucher offen war, ist es recht gut auf Touristen eingestellt. In vielen Restaurants gibt es englische Speisekarten, es gibt touristische Wegweiser auf Englisch und sogar einen mit einer grünen Linie markierten Stadtrundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Vor den Sehenswürdigkeiten stehen Schilder mit Infos auf Russisch und auf Englisch. Soviel Englisch haben wir noch in keiner russischen Stadt gesehen!

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Wenn Lenin das wüsste, er würd sich im Grab umdrehen…

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Typisches sibirisches Holzhaus.

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Ohne Worte

 

Unsere Hostel-Mama im „Mama Hostel“ sprach sogar Deutsch. Das Hostel war klein, gemütlich, zentral, aber trotzdem ruhig, in einem typisch sibirischen, alten Holzhaus; es gab eine verschmuste Katze und Hostel-Mama Galina hat uns verwöhnt und unsere Wäsche gewaschen. Am Morgen kamen acht deutsche Trans-Sib-Reisende an und Galina füllte uns alle mit Blinis ab, während wir lustig plauderten.

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Mama Hostel

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Schmusekatze vom Hostel

 

Novosibirsk

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Angeblich der geografische Mittelpunkt von Russland (berechnet ohne die Krim)

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Lenin ist auch ein Skater

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Die Freiheitsstatue von Novosibirsk. Für mehr Freiheit hat es damals nicht gereicht 😉

 

 

Die unendliche Geschichte mit TNT hält uns seit einer Woche in Novosibirsk fest. Wir hatten gehofft, mehr vom Altai sehen zu können, aber das kränkelnde Büssli liess uns auf der gut befahrbaren Hauptstrasse bleiben und die Schwerfälligkeit von TNT rief uns zurück nach Novosibirsk. Wir haben glücklicherweise – über Beziehungen 😉 – ein hübsches Hostel (Hostel Provence) im Zentrum gefunden, von wo aus wir jeden Werktag zu TNT Novosibirsk spazieren, damit wir dort nicht in Vergessenheit geraten. Nebenbei versuchen wir aber auch, ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Wenn Novosibirsk auch nicht gerade vor Sehenswürdigkeiten strotzt, so kann man sich doch mit kleineren Ausflügen die Zeit vertreiben. Wir sind zum Beispiel im grössten Einkaufszentrum der Stadt (Aura) shoppen und günstig essen gegangen, haben das kleine CCCP-(UdSSR-)Museum angeschaut und den Zoo besucht. Das Museum ist herzerfrischend. Es befindet sich in einem Kellerraum, in dem der Geruch an Omas Kleiderschrank erinnert und alles etwas chaotisch aussieht. Der Kühlschrank von 1962 läuft sogar noch und kühlt fleissig die Klappstullen der Angestellten. Das Tolle ist: Man darf alles anfassen und fotografieren. Die Angestellten bemühen sich sehr und bieten auch Führungen an. Da leider alle ausschliesslich russisch sprechen, haben wir jedoch auf eine Führung verzichtet.

Vor dem Zoo in Novosibirsk muss man im Gegensatz zu anderen Zoos in Russland keine Angst haben. Die Bedingungen, unter denen die Tiere dort eingesperrt sind, scheinen relativ anständig, wenn auch manche Käfige zu klein sind (aber das sind sie ja eigentlich in jedem Zoo). Für die Besucher ist bestens gesorgt: Die ganze Anlage ist gross, grün und durch die vielen Bäume recht schattig, was bei den sommerlichen Temperaturen hier (~30°C) super ist.

 

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Muntere Erdmännchen im Zoo

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Knutovski von Novosibirsk

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CCCP Museum

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Komisch die gleichen Plakate kann man unseren alten Bunkern sehen 😉

 

 

Reise nach Bischkek

Nach Natur-Pur im Aksu-Jabagly Naturreservat ging es zurück auf die Strasse, weiter in Richtung kirgisische Grenze. Unser Kasachstan-Visum erlaubt uns zwei Einreisen mit jeweils einem Aufenthalt von maximal 30 Tagen. Die ersten 30 Tagen waren nun fast um und somit rückte die „Zwangspause“ von Kasachstan näher. Wir haben ein letztes Mal in Kasachstan idyllisch am Feldrand übernachtet, bevor es über die Grenze und in den dicht besiedelten Norden Kirgistans ging. Auch dort haben wir für unsere erste Nacht ein einigermassen ruhiges Plätzchen gefunden, wenn auch mit Kuhherden, die abends und morgens an unserem Büssli vorbeizogen.

Der Grenzübergang verlief ein wenig anders als wir es bisher kannten. An der Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan werden Fahrer und Beifahrer getrennt durch die Grenze geschleust. Der Beifahrer läuft und muss lediglich seinen Pass vorzeigen, während der Fahrer zusätzlich noch die ganze Fahrzeugverzollung erledigen muss. Die Ausreise aus Kasachstan ging sehr flott, die kasachischen Zöllner waren freundlich und korrekt. Spannend wurde es erst auf der kirgisischen Seite. Als erstes wurde Christian (als Fahrer) von einem Soldaten mit umgehängter Kalaschnikow begrüsst. Neugierig fragte er mich nach meiner Herkunft und meinem Ziel, danach liess er sich das Büssli erklären und war sichtlich beeindruckt. Bei der Durchsuchung fand er eine Taschenlampe, die ihm sehr gefiel. Christian solle ihm sie schenken, fand er. Christian dachte nicht mal daran und zeigte ihm eine kleine Taschenlampe, auf die wir hätten verzichten können. Diese lehnte er jedoch mit dem Hinweis „Made in China“ ab. Schlussendlich konnte Christian passieren und kam somit endlich in den kirgisischen Zollbereich. Sofort wurde er von drei Herren der Zolldeklaration abgefangen. Es war direkt klar, dass diese Herren gerne ihr Gehalt ein bisschen aufgebessert hätten oder zumindest ein „Souvenir“ aus der Schweiz haben wollten. Aber Christian blieb hart und verstand nur das Nötigste oder das Falsche, so dass sie bald aufgaben. Die Zolldeklaration selbst fand dann in einem Haus neben dem Zoll statt. Eine nette Dame in Kampfhose und Strickpulli füllte die Formulare gleich selber aus. Durch das Schalterfenster blickte man nicht etwa in ein Büro, sondern in ein gemütliches Wohnzimmer. Grosse Sofas, schöne Teppiche, Teekocher und was ein Zöllner sich sonst noch so wünscht für gemütliche Tage auf der Arbeit. Ein grosser Fernseher lief im Hintergrund. Nach einigen Minuten kam ein weiterer Zöllner ins Wohnzimmer, zog seine Schuhe aus, machte es sich auf dem Sofa bequem und zappte durch die Fernsehkanäle. Kurz darauf erhielt ich meine ausgefüllten Formulare und konnte wieder zurück zum Büssli. Noch eine Kontrolle des Fahrzeuges durch neugierige Zöllner und dann wurde die letzte Schranke geöffnet. Wir waren in Kirgistan!

Auf dem Weg in Richtung Bischkek gab es die Eingewöhnung mit den kirgisischen Polizeikontrollen. Die erste direkt nach der Grenze, in der es hiess, dass wir eine Art Strassengebühr zahlen müssten. Komisch nur, dass wir die einzigen zu sein schienen, die diese Gebühr abgeben sollten… Nööö, machen wir nicht… Christian hat sich mal wieder standhaft geweigert und nach einer Weile durften wir weiterziehen. Nur einige Kilometer die Strasse entlang kam die nächste Kontrolle. Angeblich sei es ein Vergehen, dass unsere Autonummer nicht auch oben am Heck angeschrieben ist. Blödsinn… Auch hier wieder: Geduld zahlt sich aus. Und weiter ging’s – letztendlich wieder ohne „Schdrafff“.

Am Tag nach der Einreise sind wir in Bischkek angekommen und haben uns mal wieder durch den chaotischen Stadtverkehr an unser Ziel manövriert: eine kleine, hübsche und sehr freundliche Pension; ruhig und doch nicht weit weg von der Innenstadt. Das Personal hier weiss extrem viel über Kirgistan, seine Kultur und Geschichte und alles, was einen Touristen so interessiert. Und sie erzählen alles sehr geduldig und ausführlich. Vielleicht ist das ein Vorteil von Vor-Saison-Reisenden!?
Dabei haben wir auch erfahren, dass sich viele Beamte ihren Job „kaufen“ müssen. Sie müssen ein rechtes Sümmchen zahlen, damit sie nicht gefeuert werden, und dieses Geld müssen sie irgendwie wieder reinholen. Das erklärt einiges…

Bezüglich Sehenswürdigkeiten hat Bischkek nicht wahnsinnig viel zu bieten. Der trubelige und sehr verwinkelte Osh-Basar ist sicher ein Erlebnis. Es gibt (fast) alles – man muss nur wissen, wo. Ansonsten ist der zentrale Ala-Too-Platz noch recht eindrücklich. Auf dem Weg durch die Stadt haben wir Maksym (säuerliches Getränk aus fermentiertem Getreide) und Chalap (wie Maksym, aber mit Ayram – also Naturjoghurt – gemischt) probiert. Es war für unseren Geschmack doch sehr speziell… Chalap war ein bisschen besser als Maksym (schon allein von der Ästhetik her). Wir bleiben dann doch lieber bei den auch für den europäischen Geschmack leckeren Dingen wie den kleinen süssen oder salzigen Gebäckstücken, die es oft am Strassenrand zu kaufen gibt.

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