Von Ysyk-Köl nach Kasachstan

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht am Ysyk-Köl See war es an der Zeit uns von Kirgistan zu verabschieden. Unsere Route führte ostwärts durch das Tüp-Tal hoch Richtung kasachische Grenze. Noch ein letztes Mal durchquerten wir malerische Bergtäler wie sie schöner in der Schweiz nicht zu finden wären. Grüne Wiesen mit Kühen und Jurten, Förenwälder an den Hängen und weisse Berggipfel dahinter. Wir fühlten uns fast wie zu Hause. Nur der Kontrollposten einige Kilometer vor der Grenze war dann ganz und gar unschweizerisch. Ein jüngerer Herr in Kampfanzug jedoch ohne Waffe nahm uns in Empfang. Die Art wie er den Kampfanzug trug, liess uns stark daran zweifeln, ob wir uns hier an einem echten Kontrollposten befanden. Er verwies Christian zu „Customs“, einem Auto unweit der Schranke. Das Zollhäuschen selbst war nämlich gar kein Zollhäuschen, sondern ein kleiner Laden.  Im Auto sass ein rundlicher Herr mit bekleckerter Uniform. Christian überreichte im die Papiere, die er nach genauer Musterung für fehlerhaft hielt und mehrmals „Problem“ wiederholte. Auf dem Formular stand kein Vatersname. Da in meinem Pass auch kein Vatersname steht war das auch nicht weiter verwunderlich… Der Zöllner im Kampfanzug stellte sich neben mich und zeigte mir eine Zündholzschachtel. Als er die Schachtel aufschob stand auf dem Boden der Schachtel 20 $. Ah, jetzt war definitiv klar, worauf die beiden hinaus wollten. Christians Russischkenntnisse beschränkten sich von nun an auf „нет“; Bakschisch haben wir bis jetzt nicht bezahlt und werden wir auch in Zukunft nicht. Als nächstes Stand die Durchsuchung des Büsslis an. Eigentlich suchten sie weder nach Drogen oder anderen illegalen Gütern, sondern einfach nach etwas, das ihnen gefiel. Nach einigen Minuten begnügten sie sich mit zwei Büchsen Red Bull (die wir sogar in Kasachstan gekauft hatten – also nichts Spezielles eigentlich) und liessen uns passieren. Ob wir wirklich einen offiziellen Kontrollposten passiert haben oder nicht, haben wir nicht herausgefunden. Nach weiteren 30 Kilometern sind wir dann am richtigen Zoll angekommen.

L1070489

Die Ausreise aus Kirgistan war sehr unkompliziert. Natürlich wurde wieder unser Büssli inspiziert, aber wie immer mehr aus Neugierde an der Technik. Die Zollpapiere waren natürlich korrekt, auch ohne Vatersnamen… und zum Schluss benötigten wir noch den Ausreisestempel. Leider war der Einreisestempel in Christians Pass nur sehr schwach sichtbar, was den Zöllner ein wenig misstrauisch machte. Mit Lupe und Lampe fanden wir dann jedoch den Stempel auf der letzten Seite und der Zöllner war zufrieden und auch vermutlich auch erleichtert (Fehlende Stempel bedeuten auch für Zöllner viel Arbeit). Den Ausreisestempel testete er dann extra auf einem Stück Papier – vermutlich wollte er zeigen, dass die kirgisischen Zollstationen auch schöne Stempel machen können. Trotzdem wurde der Stempel im Pass wieder schlecht sichtbar, was der Zöllner mit einem Grinsen und „паспорт не работает“ („Pass funktioniert nicht“) kommentierte.

Dann ging es an die Einreise nach Kasachstan. Hier trafen wir bei den Zöllnern auf wahre Fussballfans. Wir erfuhren, dass Murat Yakin bald Spartak Moskau trainieren und die Schweiz gegen Argentinien verlieren würde und dass man sogar in der hintersten Ecke von Kasachstan schweizerische Mannschaften wie FCB, FCZ oder Grasshoppers (klingt sehr lustig auf Russisch) kennt. Nachdem unser Büssli auch noch von unten angeschaut wurde und wir im Besitz aller notwenigen Dokumente waren, durften wir nach Kasachstan einreisen.

GW0B0831

 

 

Reise nach Bischkek

Nach Natur-Pur im Aksu-Jabagly Naturreservat ging es zurück auf die Strasse, weiter in Richtung kirgisische Grenze. Unser Kasachstan-Visum erlaubt uns zwei Einreisen mit jeweils einem Aufenthalt von maximal 30 Tagen. Die ersten 30 Tagen waren nun fast um und somit rückte die „Zwangspause“ von Kasachstan näher. Wir haben ein letztes Mal in Kasachstan idyllisch am Feldrand übernachtet, bevor es über die Grenze und in den dicht besiedelten Norden Kirgistans ging. Auch dort haben wir für unsere erste Nacht ein einigermassen ruhiges Plätzchen gefunden, wenn auch mit Kuhherden, die abends und morgens an unserem Büssli vorbeizogen.

Der Grenzübergang verlief ein wenig anders als wir es bisher kannten. An der Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan werden Fahrer und Beifahrer getrennt durch die Grenze geschleust. Der Beifahrer läuft und muss lediglich seinen Pass vorzeigen, während der Fahrer zusätzlich noch die ganze Fahrzeugverzollung erledigen muss. Die Ausreise aus Kasachstan ging sehr flott, die kasachischen Zöllner waren freundlich und korrekt. Spannend wurde es erst auf der kirgisischen Seite. Als erstes wurde Christian (als Fahrer) von einem Soldaten mit umgehängter Kalaschnikow begrüsst. Neugierig fragte er mich nach meiner Herkunft und meinem Ziel, danach liess er sich das Büssli erklären und war sichtlich beeindruckt. Bei der Durchsuchung fand er eine Taschenlampe, die ihm sehr gefiel. Christian solle ihm sie schenken, fand er. Christian dachte nicht mal daran und zeigte ihm eine kleine Taschenlampe, auf die wir hätten verzichten können. Diese lehnte er jedoch mit dem Hinweis „Made in China“ ab. Schlussendlich konnte Christian passieren und kam somit endlich in den kirgisischen Zollbereich. Sofort wurde er von drei Herren der Zolldeklaration abgefangen. Es war direkt klar, dass diese Herren gerne ihr Gehalt ein bisschen aufgebessert hätten oder zumindest ein „Souvenir“ aus der Schweiz haben wollten. Aber Christian blieb hart und verstand nur das Nötigste oder das Falsche, so dass sie bald aufgaben. Die Zolldeklaration selbst fand dann in einem Haus neben dem Zoll statt. Eine nette Dame in Kampfhose und Strickpulli füllte die Formulare gleich selber aus. Durch das Schalterfenster blickte man nicht etwa in ein Büro, sondern in ein gemütliches Wohnzimmer. Grosse Sofas, schöne Teppiche, Teekocher und was ein Zöllner sich sonst noch so wünscht für gemütliche Tage auf der Arbeit. Ein grosser Fernseher lief im Hintergrund. Nach einigen Minuten kam ein weiterer Zöllner ins Wohnzimmer, zog seine Schuhe aus, machte es sich auf dem Sofa bequem und zappte durch die Fernsehkanäle. Kurz darauf erhielt ich meine ausgefüllten Formulare und konnte wieder zurück zum Büssli. Noch eine Kontrolle des Fahrzeuges durch neugierige Zöllner und dann wurde die letzte Schranke geöffnet. Wir waren in Kirgistan!

Auf dem Weg in Richtung Bischkek gab es die Eingewöhnung mit den kirgisischen Polizeikontrollen. Die erste direkt nach der Grenze, in der es hiess, dass wir eine Art Strassengebühr zahlen müssten. Komisch nur, dass wir die einzigen zu sein schienen, die diese Gebühr abgeben sollten… Nööö, machen wir nicht… Christian hat sich mal wieder standhaft geweigert und nach einer Weile durften wir weiterziehen. Nur einige Kilometer die Strasse entlang kam die nächste Kontrolle. Angeblich sei es ein Vergehen, dass unsere Autonummer nicht auch oben am Heck angeschrieben ist. Blödsinn… Auch hier wieder: Geduld zahlt sich aus. Und weiter ging’s – letztendlich wieder ohne „Schdrafff“.

Am Tag nach der Einreise sind wir in Bischkek angekommen und haben uns mal wieder durch den chaotischen Stadtverkehr an unser Ziel manövriert: eine kleine, hübsche und sehr freundliche Pension; ruhig und doch nicht weit weg von der Innenstadt. Das Personal hier weiss extrem viel über Kirgistan, seine Kultur und Geschichte und alles, was einen Touristen so interessiert. Und sie erzählen alles sehr geduldig und ausführlich. Vielleicht ist das ein Vorteil von Vor-Saison-Reisenden!?
Dabei haben wir auch erfahren, dass sich viele Beamte ihren Job „kaufen“ müssen. Sie müssen ein rechtes Sümmchen zahlen, damit sie nicht gefeuert werden, und dieses Geld müssen sie irgendwie wieder reinholen. Das erklärt einiges…

Bezüglich Sehenswürdigkeiten hat Bischkek nicht wahnsinnig viel zu bieten. Der trubelige und sehr verwinkelte Osh-Basar ist sicher ein Erlebnis. Es gibt (fast) alles – man muss nur wissen, wo. Ansonsten ist der zentrale Ala-Too-Platz noch recht eindrücklich. Auf dem Weg durch die Stadt haben wir Maksym (säuerliches Getränk aus fermentiertem Getreide) und Chalap (wie Maksym, aber mit Ayram – also Naturjoghurt – gemischt) probiert. Es war für unseren Geschmack doch sehr speziell… Chalap war ein bisschen besser als Maksym (schon allein von der Ästhetik her). Wir bleiben dann doch lieber bei den auch für den europäischen Geschmack leckeren Dingen wie den kleinen süssen oder salzigen Gebäckstücken, die es oft am Strassenrand zu kaufen gibt.

IMG_6607

IMG_6589

IMG_6649

 

 

Oral – Aktobe – Aral

Die Wüste lag hinter uns und vor uns wieder die bis an den Horizont reichende Steppe. Kein Hügel, kein Baum. Aber dann – doch: Auf dem Weg von Atyrau in den Norden wurde es immer grüner, denn dort schlängelt sich der Fluss Ural von Russland kommend bis ins Kaspische Meer bei Atyrau. Sogar ein paar Bäume wuchsen entlang des Flusses und bunt-schillernde Vögel flogen um unseren Übernachtungsplatz am Fluss. Ein paar Pferde badeten ein paar Meter weiter. Die perfekte Idylle – wären da nicht all die Mücken!

Bild

Am darauffolgenden Tag fuhren wir bis hinter Oral, wo es laut Reiseführer einen Campingplatz (!) geben sollte. Er entpuppte sich als „russischer“ Campingplatz, wo man nur in Hütten, aber nicht im Büssli übernachten konnte; Duschen gab es auch nicht. Da wir von der Hitze und der langen Fahrt recht erschlagen waren, haben wir uns nach einer Dusche (unserer Dachdusche) gesehnt und brauchten dafür nur noch eine hübschen, ungestörten Ort. Den fanden wir an der nächsten Schlaufe des Urals, wenn auch wieder mit Schwärmen von Mücken.

Nach einer kühlen Nacht und etwa 30 Mückenstichen mehr pro Person ging die Reise weiter nach Aktobe. Dort gönnten wir uns ein Hotel mit sowjetischem Ambiente. Die Zimmer waren günstig, dafür gab’s aber nur Einzelbetten und keine Klimaanlage. Egal, Hauptsache keine Mücken. So schmorrten wir den Rest des Nachmittags im Hotelzimmer vor uns hin und planten unsere Weiterreise. Die Stadt Aktobe erkundeten wir am Abend und am nächsten Tag. Aktobe ist recht übersichtlich in seiner Grösse, entlang der Hauptstrasse aber sehr lebhaft. Direkt neben unserem Hotel gab es ein Shopping Center inklusive Mini-Zoo vor der Tür und Moschee hinten dran. Ein Shopping Center in Kasachstan ist etwas anders aufgebaut als man es in Europa kennt. Die Läden, die alle eine Hausnummer haben, sind sehr klein und haben somit ein sehr beschränktes Sortiment. Der eine Laden verkauft Pelzmäntel, der nächste Abendkleider, der nächste Sommerkleider, etc. Von den meisten Teilen gibt es nur eine Grösse und Männerkleidung findet man selten. Eigentlich ist es wie ein überdachter, mehrstöckiger Bazar.
In der ersten Nacht in Aktobe zogen nach dem schwül-heissen Tag Gewitterwolken auf. Das Gewitter näherte sich nicht langsam, sondern begann mit einem laut krachendem Einschlag in eines der nebenstehenden Häuser. Daraufhin begannen etwa 20 Autoalarmanlagen auf dem Parkplatz im Hinterhof zu heulen. Kurz nachdem der Alarm wieder gestoppt hatte, kam ein neuer Blitz und Donner und das Geheul fing von vorne an. Starker Regen platzte aus den Wolken. Es dauerte allerdings nicht lange und das Gewitter war vorbeigezogen. Aber es hat gereicht: Endlich Abkühlung!

Bild Bild, Bild

Von Aktobe aus fuhren wir weiter süd-östlich nach Aral (bzw. Aralsk). Entlang der Strasse sollte laut Reiseführer und Internetrecherche ein ca. 1 Mio. Jahre alter Meteoritenkrater (Zhamanschin) mit ca. 14 km Durchmesser und 700 m Tiefe liegen. Auf eigene Faust fanden wir lediglich Steine, die aussahen, wie sprödes Glas. Dies sollte beim Aufprall des Meteoriten durch die hohe Hitze und den Druck entstanden sein. Um zum Krater zu kommen, fragten wir bei mehreren kleinen „Raststätten“ entlang der Strasse nach, aber keiner wusste irgendwas oder wenn doch, dann nichts Genaues. Den Krater haben wir somit leider nicht gefunden, aber ein paar schöne Einblicke in die kasachischen Einkehrmöglichkeiten entlang der Hauptstrasse.

Bild

Manchmal sah es so aus, als liege der Aralsee direkt vor uns. Aber wir sind nicht auf die zahlreichen Fatamorganas reingefallen und immer schön auf der Strasse geblieben.

Bild

In Aral machten wir uns auf die Suche nach dem Aralsee. Der nördliche Aralsee sollte ja aufgrund des gebauten Damms schon wieder angewachsen sein. Wir fuhren die einzige Strasse (Schotterpiste), die in Richtung der Aralsee-Küste führte, und kamen bis zu einem Dorf (Zhalangash), wo laut Reiseführer Schiffswracks zu sehen sein sollten. Diese sind aber wohl mittlerweile von Schrotthändlern zerlegt und verscherbelt worden. Der weitere Weg zum See bestand aus einer sandigen Fahrrinne. Unschlüssig, was wir nun machen sollten, standen wir am Rand des Dorfes zwischen blökenden Kamelen. Nach und nach scharrten sich immer mehr Kinder (Jungs) um uns herum. Der Mutigste fragte uns, wie wir heissen und sagte seinen Namen, währendem der Frechste heimlich die Ventilkappen von unseren Reifen schraubte!
Wir beschlossen, keine weiteren 30 km über eine Sandpiste mit ungewissem Ziel zu fahren und kehrten um, zurück nach Aral. Dort durchquerten wir das ehemalige Hafenbecken (jetzt teilweise Müllkippe) und stellten uns einfach vor, im Aralsee zu schwimmen.

Während in Zürich noch über einen unnützen Hafenkran diskutiert wird, hat Aral (unfreiwillig) bereits zwei davon…

 

Bild 

Bild

 

 

 

 

 

 

Infos Kasachstan

kasachstan2

 

Camping in Kasachstan

Campingplätze wie man sie in Europa kennt, gibt es in Kasachstan nicht. Manchmal kann man am Strassenrand eine blaue Tafel mit einem Zelt sehen; diese führen zu bewachten Rastplätzen (автостоянка, in Kasachstan verwirrenderweise auch manchmal кемпинг genannt), auf welchen gegen eine kleine Gebühr (100 – 400 Tenge) übernachtet werden kann. Komfort und Idylle sollte man nicht erwarten. Falls man doch mal einen Campingplatz im Grünen findet (manche Reiseführer haben da „Geheimtipps“), handelt es sich um Campingplätze im „russischen Stil“, d.h. kleine Hüttensiedlungen (Cabins), in denen man übernachten kann; jedoch keine Stellplätze für Wohnmobile. Für die Benutzung der eventuell vorhandenen Duschen oder Toiletten muss man eine Hütte mieten.

Wild zu campieren ist jedoch in Kasachstan kein Problem. Es gibt genügend schöne Plätze in den weiten unbesiedelten Gebieten, an denen man für sich ist. Am besten entfernt man sich dafür von der Hauptstrasse entlang einer Nebenstrasse für 1-2 km und stellt sich dann irgendwo auf die Wiese. Achtung: Der Untergrund ist teilweise sehr sandig und ein Offroad-Fahrzeug ist empfehlenswert. Am besten ist es, schon vorgefahrenen Spuren zu folgen und immer dort zu fahren, wo es am Grünsten (also viel Gras) ist. Besonders in der Nähe von Seen und Flüssen ist ein zuverlässiger Mückenschutz wichtig.

Strassenverhältnisse

Die kasachischen Strassen sind teilweise in einem abenteuerlichen Zustand und es muss mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von unter 50 km/h gerechnet werden. Es wird aber fleissig gebaut, um zumindest die grösseren Städte mit guten Strassen zu verbinden. Aktuelle Informationen zu den Strassenverhältnissen in Kasachstan findet ihr unter www.caravanistas.com/transport/driving/kazakhstan. Vor allem auf den neu gebauten Strassen ist mit mangelhafter Beschilderung zu rechnen. Die super neue Strasse kann ohne Vorwarnung abrupt mit einem 10 cm hohen Absatz enden. Mit tiefen Schlaglöchern und Tieren auf der Strasse (Kamele, Dromedare, Pferde, Kühe, Erdmännchen, Schildkröten) muss man überall rechnen.

Orientierung

In Aktau gibt es keine Strassennamen, sondern nur Mikro-Rayone (микро-район), die chronologisch nummeriert sind, und Hausnummern, die an der obersten Ecke auf die Häuser gepinselt wurden. Sucht man ein bestimmtes Hotel o.ä. ist eine Strassenkarte, in der die Mikro-Rayons- und Hausnummern eingetragen sind, unerlässlich. Am besten vorher im Internet eine Karte suchen und runterladen.

Menschen

Die Kasachen sind ein sehr freundliches und neugieriges Volk. Beim Autofahren sind sie recht ungeduldig und es wird viel gehupt. Die meisten Kasachen sprechen Russisch, wenn auch im Süden weniger als im Norden. Die jüngeren Leute können teilweise ein paar Brocken Englisch. In den meisten Hotels spricht man an der Rezeption mittleres bis gutes Englisch.

Tankstellen

Das kasachische Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Es gibt jedoch einige Strecken (auch die dick rot gemalten Fernstrassen in der Karte!), an denen zwischen zwei Tankstellen 300 km vergehen. Also vorher gut informieren und am besten eine Notration Kraftstoff mitnehmen. In grösseren Ortschaften direkt an den Fernstrassen, gibt es normalerweise mindestens eine Tankstelle. Benzin ist mit 80, 92 und 95 Oktan verfügbar, höhere Oktanzahlen (98) sieht man nur in den Städten. Es wird empfohlen, nur bei Tankstellenketten zu tanken. Die Reinheit des Benzins der kleinen Betreiber kann nicht garantiert werden…

Beim Tanken wird zuerst der Zapfhahn eingesteckt, dann bezahlt (unter Angabe des Kraftstoffes, der Zapfsäule und der Literanzahl an Kraftstoff, die man tanken möchte) und anschliessend getankt.

Autowäsche

Wir haben schon mehrmals gehört, dass es in Kasachstan ein Gesetz gibt, welches verbietet, mit schmutzigen Autos rumzufahren. Wir können es immer noch nicht ganz glauben, aber tatsächlich sind die meisten Autos hier sehr sauber (trotz Wüstenstaub). Es gibt auch sehr viele Autowaschanlagen (Автомойка), in denen man sich sein Auto für 1200 – 1700 Tenge waschen lassen kann – natürlich alles manuell! Ein preiswertes Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Polizeikontrollen

Wie in Russland gibt es auch in Kasachstan immer wieder Strassenkontrollposten. Sie sind schon weit im Voraus signalisiert, beginnend mit Geschwindigkeitsreduktion und schlussendlich mit einem Stoppschild. An diesem Schild unbedingt anhalten, auch wenn weit und breit niemand zu sehen ist.

Wenn man irgendwo angehalten wird, Pässe und Fahrzeugpapiere vorzeigen, immer freundlich sein und nur gerade das Notwendigste verstehen (nicht, dass wir mehr verstehen könnten). Meist fragen sie, woher man kommt und wohin man will. Diese Fragen kann man ohne Bedenken beantworten. Schmiergeld haben wir bis jetzt nie bezahlt (es gab auch noch nie einen Anlass dazu) und werden wir aus Prinzip auch in Zukunft nicht machen. Einfach Geduld haben (am besten mehr als der Beamte), höflich bleiben und falls es doch Probleme geben sollte, den Vorgesetzten verlangen. Meist verleidet es den Polizisten eh nach einigen Minuten Kommunikationsschwierigkeiten. Anders sieht es aus, wenn ihr tatsächlich gegen eine Verkehrsregel verstossen habt; dann solltet ihr natürlich dafür geradestehen.

Einreise / Registrierung

Für die Einreise wird ein Visum benötigt, das ihr am besten schon in eurem Heimatland organisiert (spart Zeit während der Reise). Für Touristen gibt es ein 30-Tages-Visum oder ein 60-Tages-Visum (zweimalige Einreise) mit maximal zwei Mal 30 Tagen Aufenthalt in Kasachstan. Nach (je)dem Grenzübertritt muss man sich in Kasachstan für die Aufenthaltsdauer im Land registrieren lassen. Wir haben dies zuerst über ein Hotel versucht, was nicht geklappt hat (es sind nur ganz bestimmte Hotels, die die Registrierung organisieren können). So sind wir tags darauf zum Migrationsamt in Atyrau und haben die Registrierung selber machen lassen. Geht man selbst zum Amt, kostet die Registrierung nichts und hat bei uns etwa 30 Minuten gedauert. Der ganze Vorgang war extrem spannend anzuschauen und gab einen Einblick in den kasachischen Behördenalltag, der doch etwas anders aussieht als bei uns…

 

 

 

 

 

Kasachische Steppe

Nach einem unkomplizierten Grenzübertritt von Russland nach Kasachstan veränderten sich Strassen und Landschaft sehr schnell. Die Strasse nach dem Grenzübergang war eigentlich eher ein dichter Schlaglochteppich und um die wenigen Flecken intakten Teers musste man sich sogar mit dem Gegenverkehr streiten. Wenn die andere Strassenseite weniger Löcher hat, kann es schon mal sein, dass einem die Autos direkt entgegenkommen. Im Reiseführer steht: „Auf Kasachstans Strassen gilt das Recht des Stärkeren…“ Wir haben uns dem gefügt und sind immer schön brav ausgewichen.

L1060278

Im ersten Ort nach dem Grenzübergang haben wir als erstes einen Bankomaten gesucht. Scheinbar wird in Kasachstan am 6. des Monats der Lohn ausbezahlt, anders konnten wir uns die langen Schlangen vor den Automaten nicht erklären. Beim Anstehen musste man sich ganz dicht an den Vordermann drängen, sonst wäre man von den Einheimischen „überholt“ worden. Lustig war auch, dass sich teilweise bis zu fünf Personen um den Bankomat geschart hatten und sich dann gegenseitig beim Geldabheben zuschauten und eventuell noch hilfreiche Tipps gaben. Es wirkte so, als wäre der Bankomat die neueste Errungenschaft des Dorfes und alle wollten schauen, wie es funktioniert. Als wir dann endlich an der Reihe waren, haben wir den Grund der Aufregung gesehen: Nach der PIN-Eingabe blieb der Bildschirm schwarz und nach ein paar Sekunden kam die Meldung „Timeout“ – Transaktion abgebrochen. Neuer Versuch mit anderer Karte, gleiche Meldung. Nach dem vierten Versuch hat uns dann der Wachmann der Bank darauf hingewiesen, dass man beim schwarzen Bildschirm die zweitoberste Taste drücken muss… Aaach so, ja klar! Mit dieser Info hat dann doch noch alles geklappt :).

Die Felder und Überschwemmungsgebiete, die in Russland das Landschaftsbild hauptsächlich bestimmt hatten, verschwanden und die karge Steppe breitete sich vor uns aus. Die Ortschaften wurden immer kleiner und der Abstand zwischen ihnen immer grösser. Das würde unsere erste Nacht in der Wildnis werden. Es wäre schade gewesen, die Nacht nicht in dieser beeindruckenden Landschaft zu verbringen. Hier gab es genug Platz, um ein wenig abseits von der Strasse sein Lager aufzubauen. Anfangs waren wir noch ein wenig misstrauisch, wie weit der Untergrund es zulassen würde, von der Strasse wegzufahren. Aber nachdem wir immer wieder Autospuren gesehen haben, die im rechten Winkel von der Strasse abbogen und sich im Nichts verloren, haben wir uns getraut und sind einfach einer solchen Spur gefolgt. Am Horizont haben wir ein paar Büsche erspäht, hinter welche wir uns stellen wollten. Vorsorglich hatten wir schon zu Beginn gleich die Differential-Sperre angeschaltet. Nach und nach wurden wir mutiger, verliessen die Spur, suchten unseren eigenen Weg. Bis… wir die Grenzen unseres Büsslis kennenlernten: Die Fahrt durch eine Sandmulde war dann doch zu viel! Beide Räder drehten durch und das Büssli sank immer tiefer in den Sand. Kein Wunder: Nach den Muschelteilen im Sand zu urteilen, reichte das Kaspische Meer mal bis hierher. Wir waren also quasi am Strand. Nach einer kurzen Lagebeurteilung haben wir die Sandbleche vom Dach geholt und etwas Luft aus den Hinterreifen abgelassen. Nach mehreren Anläufen funktionierte es endlich und das Büssli rollte rückwärts über die Sandbleche aus dem Sandloch… in den dahinter liegenden Sandhügel hinein. Schön! Also, die gleiche Aktion nochmals. Und dann waren wir endlich frei. Vorsichtshalber fuhren wir dann noch ein paar Meter weiter zurück auf dem festeren Boden und stellten dort unser Nachtcamp auf. Sogar unsere Dusche konnten wir das erste Mal in Betrieb nehmen; zumindest, um unsere Hände zu waschen. Nach feinen Älplermakkaroni und einem wunderschönen Sonnenuntergang hatten wir eine erholsame Nacht mitten in der bis zum Horizont reichenden Steppe West-Kasachstans.

 

L1060290 L1060305 GW0B9338