Die Heimreise

Um unsere Blaue Rakete ein wenig zu schonen haben wir uns entschlossen, von Durrës mit der Fähre nach Ancona zu fahren. Von Ancona aus sind es nur noch etwa 700 km bis in die Schweiz und die sollten doch – so hofften wir – ohne grosse Probleme zu schaffen sein. Auf der Fähre waren vor allem Lastwagenfahrer und Albaner, die auf der Rückreise von ihrem Heimaturlab waren. Im Aufenthaltsraum wurden laute und hitzige Diskussionen über Fussball geführt – eine Leidenschaft, die wohl so ziemlich alle Völker der Erde gemeinsam haben.

Mit viel Verspätung haben wir in Durrës abgelegt und sind rund 18 Stunden später in den Hafen von Ancona eingefahren. Schon beim Starten des Büsslis merkten wir, dass der Motor wieder mal gar nicht gut lief. Fehlzündungen und viel schwarzer Rauch zogen die Blicke der umstehenden Personen auf uns. Wir steuerten den nächstgelegenen Campingplatz an und starrten mal wieder in den Motorraum. Mit Hilfe der „Telefonseesorge“ unserer Werkstatt in Winterthur wurde uns klar, dass unser Motor wohl zu viel Benzin verbrannte. Und das könnte an einer defekten Lambdasonde liegen. Also, Lambdasonde ausgezogen und siehe da, der Motor lief wieder normal! Am nächsten Tag versuchten wir, in einer nahegelegenen VW-Werkstatt eine neue Sonde zu kaufen. Leider hatten sie keine, da es in Italien angeblich nur Diesel-Büssli gäbe. Naja, nicht so schlimm, denn den Katalysator hatten wir vor der Reise ausgebaut (nicht alles Benzin im Osten ist bleifrei) und somit war die Lambdasonde eh nicht so wichtig.

So allmählich freuten wir uns auf unser Zuhause. Die vielen Pannen im Hinterkopf und vor uns die Schweiz, die mit Chääs und Schoggi lockte… Wir steuerten im direkten Kurs auf die Schweizer Grenze zu und fuhren nach einer Nacht in der Nähe von Rimini bis ins Tessin durch. Erstaunlich, wie schnell man in Italien vorankommt! In Russland hätten wir für die gleiche Strecke fast doppelt so lang gebraucht. Hinter der Grenze schrien unsere Mägen erfreut auf („Olma-Bratwurst, Raclette-Käse, Rivella, Gruyère-Käse, dunkles Brot…!“ 🙂 ) und wir hielten beim ersten Migros nach dem Schweizer Zoll. Am Abend gab es dann auf dem Campingplatz ein kleines Festmahl mit Raclette und Bratwurst – mmmh…!

Auf der weiteren Rückfahrt nahmen wir es gemütlich und verbrachten noch eine Nacht auf einem Campingplatz bei Luzern bevor wir am nächsten Vormittag bei unserer Garage – dem Zuhause unseres Büsslis – eintrudelten. Hier begann das Auspacken, Aufräumen und Putzen. Es war ein bisschen wie Ausziehen… ein komisches, etwas wehmütiges Gefühl.

Naja, nun ist unsere Reise leider vorüber, aber es ist auch schön wieder zu Hause zu sein. Jetzt freuen wir uns darauf, uns an all die tollen Abenteuer, Menschen und Erlebnisse auf unsere Reise zu erinnern. Dieser „Film“ bleibt uns ein Leben lang!

Albanien

Wir hatten von anderen Reisenden schon viel Gutes über Albanien gehört. Jetzt wollten wir uns selbst davon überzeugen.

Unser erste Ziel war Ksamil auf einer Halbinsel direkt hinter der Grenze. Die Insel ist nur im Norden mit dem Festland verbunden, so dass wir uns von Süden kommend mit einer kleinen „Fähre“ übersetzen lassen mussten.

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Auf dem kleinen Campingplatz Ksamil Caravan Camping wurden wir sehr herzlich mit Getränken und Bonbons empfangen. Der Platz liegt zwar nicht direkt am Meer, aber die wunderschöne Bucht ist in wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen. Um den Campingplatz herum liefen ein paar streunende Hunde, die aber zu ängstlich waren, um sich füttern zu lassen. Stattdessen hat sich ein kleines, mageres Kätzchen über unser Hundefutter hergemacht und es sich bei uns gemütlich eingerichtet.

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Nach drei gemütlichen Tagen und Nächten in Ksamil fuhren wir weiter nach Himarë. Auf dem Weg dorthin schauten wir uns die 200 Jahre alte Festung von Porto Palermo an. Gegenüber der Festung gibt es noch eine kleine Kirche. Der damalige Bauherr hat dessen Qualität angeblich dadurch getestet hat, dass er den Bauingenieur und den Architekten in die Kirche setze und mit einer Kanone auf das Gemäuer schoss. Alle Drei haben den Test überstanden.

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Himarë war ein wenig trostlos, der Campingplatz voll von österreichischen und deutschen Rentnern und keine streunenden Tiere weit und breit. Somit sind wir schon nach einer Nacht weiter nach Norden gefahren; bergauf, bergab der Küste nach durch idyllische Dörfchen mit spektakulärer Aussicht über das türkisblaue Meer. Etwa 25 km hinter Himarë erhob sich ein hoher Berg vor uns, den wir über eine langgestreckte Serpentinenstrasse überqueren sollten. Der Wind entlang der Küstenstrasse war recht stark und wurde auf der Passstrasse noch stärker. Unser Büssli kämpfte sich eine Steigung nach der nächsten hinauf. Wir hofften, dass wir es bis oben schaffen würden, denn wir hörten ein verdächtiges Klappern aus dem Motorenraum. Plötzlich zum was-weiss-ich-wievielten Mal ein rotes Warnlämpchen: Zu wenig Wasser. Pfff… einem 25-jährigen Büssli gesteht man ja eine gewisse Inkontinenz zu, aber bitte… irgendwann ist auch mal gut!
Wir hielten in einer Haltebucht an. Zu allem Überfluss war es auch noch so stürmisch, dass wir kaum die Büsslitür aufbekamen. Wir haben also gar nicht erst versucht, in den Motorraum zu schauen, sondern sind vorsichtig noch ein Stückchen weiter gefahren, um etwas Windschatten zu finden. Das Warnlämpchen blinkte wieder frenetisch und keine Haltebucht war in Sicht. Es blieb uns also nichts anderes übrig als auf der Strasse zu halten. Kurze Zeit später hielt ein Campingurlauber nach dem anderen neben uns an, um uns ihre Hilfe anzubieten. Aber wozu hat man denn den TCS :). Glücklicherweise war der Verkehr auf der Passstrasse gering, denn am Ende haben wir dann doch geschlagene 1,5 Stunden auf den Abschleppwagen warten müssen. Unser Büssli wurde auf dem Abschlepper festgezurrt und wir in die Fahrerkabine verfrachtet.

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Mit Tempo 20 ging es auf den Pass hoch, um dann mit viel Schwung ins Tal und sogar noch etwa 30 km weiter bis nach Vlorë hinabzudüsen. Der Abschleppwagen hielt bei einer Art Schrottplatz und wir haben schon gedacht, der TCS hätte die Nase voll von uns oder irgendein Missverständnis liege vor. In der hinteren Ecke des Schrottplatzes entdeckten wir dann aber doch etwas, das einer Werkstatt ähnelte. Der Schrottplatz war wohl mehr so etwas wie ein Ersatzteillager. Und trotz des chaotischen Äusseren und anfänglicher Bedenken unsererseits, entpuppte sich die Werkstatt später als kompetent und hilfsbereit. Sofort nach unserer Ankunft nahm sich einer der Mechaniker Zeit für uns und schaute in den Motorraum. Christian hatte bereits die Kühlwasserpumpe im Verdacht. Der Mechaniker baute sie aus. Und tatsächlich – das Lager der Pumpe war hinüber.

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Die Werkstatt versuchte, in Vlorë und Umgebung eine Ersatzpumpe zu finden; leider ohne Erfolg. Plan B war, am nächsten Tag in Tirana nach einer Pumpe zu suchen. Der Werkstattchef hat uns erlaubt, die folgende Nacht im Büssli zu verbringen. Er meinte, sein Bruder – der Nachtwächter – und die Wachhunde würden uns beschützen. Vor was auch immer. Der Nachtwächter-Bruder entpuppte sich als sehr gesprächsfreudig und unterhielt sich mit uns auf Albanisch. Wir verstanden nicht alles, aber das Wichtigste lässt sich ja immer irgendwie mit Händen, Füssen und Geduld vermitteln. Wir teilten unsere Dosen-Kartoffelsuppe mit ihm im Büssli, da er uns erzählte, dass er in seinem Wachhäuschen (ein Schrottauto, das auf einen Stapel rostiger Container gestellt wurde) oft nachts friere. Anschliessend zog er sich in seinen Wachturm zurück und wir machten es uns im Büssli gemütlich. Das ist das Tolle am Büssli: Egal, wo man steht (in diesem Fall ein Werkstatt-Schrottplatz mit dicken Ratten und Wachhundegebell), drinnen ist es immer schön und heimelig.

Die Ersatzteilsuche in Tirana am nächsten Tag war leider auch erfolglos und so machten sich die Mechaniker daran zu versuchen, unsere alte Wasserpumpe zu reparieren. Und sie haben es wirklich hinbekommen! Nach der 101ten Entlüftung des Kühlwasserkreislaufs auf dieser Reise konnten wir am späten Nachmittag weiterfahren. Wir kamen erst im Dunkeln auf dem nächsten Campingplatz bei Kavajë an, aber wir kamen an.
Nicht weit nördlich von Kavajë liegt Durrës, von wo aus viele Fähren nach Italien ablegen. Da das Büssli auch mit reparierter Wasserpumpe immer noch nicht wieder ganz normal fuhr, buchten wir ein Ticket für die Fähre nach Ancona, um uns und dem Büssli den Weg durch Kroatien zu ersparen. Bis zum Abfahrtstermin blieben uns vier Tage auf dem Campingplatz bei Kavajë. Dann hiess es „Tung, Shqipëria!“ (wir kommen sicher wieder) und „Ciao, Italia!“.

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Im Osten der Türkei

Nach unserem kurzen Georgien-Abenteuer haben wir uns auf die Türkei gefreut. Mit Vollgas fuhren wir auf der türkischen Autobahn am Schwarzen Meer entlang Richtung Westen. Die Besiedlungsdichte hat sich in der Türkei nochmals erhöht und wenn die Landschaft nicht mit Strassen oder Häusern verbaut war, wurde sie für den Anbau von allerlei Getreide und Gemüse genutzt. Teilweise sind die Felder sogar von Zäunen umgegeben und werden vom Bauer persönlich bewacht. So ist es natürlich schwierig einen guten Stellplatz für die Übernachtung zu finden. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Art Campingplatz. Die uns bekannten Campingführer im Internet hatten leider keine Informationen über Campingplätze so weit im Osten der Türkei. Obwohl es eigentlich schon ein paar gibt, wie wir später festgestellt haben; die meisten entsprechen einfach nicht den Vorstellungen der europäischen Camper. Aber wir waren ja schon einiges gewöhnt und hatten auch keine grossen Erwartungen. Bei Trabzon bogen wir links ab und fuhren hinauf in die Berge. Unser Ziel war das Sumela Kloster. Ein Kloster, das 385 n. C. gegründet wurde und sowohl von den orthodoxen als auch von den islamischen Gläubigen sehr rege besucht wird. Auf dem Weg zum Kloster fanden wir eine Übernachtungsmöglichkeit auf einem Mini-Campingplatz bei einem Fischrestaurant. Sogar Dusche mit Warmwasser gab es! Der erste Campingplatz seit langer Zeit. Und dazu noch ein ganz nettes Plätzchen. Am Abend wurde uns dann bewusst, dass wir jetzt wohl im Orient angekommen sind. Kaum war es dunkel, erklang aus den Lautsprechern des nahegelegenen Minaretts der Ruf des Muezzins, der durch das enge Tal schallte. Durch das Echo im Tal hatte das Ganze etwas eher Surreales. Das Klicken und Piepsen des Mikrofons am Ende der „Durchsage“ holte uns dann aber wieder in die Realität zurück.

Am folgenden Tag machten wir uns auf zum Kloster. Durch ein wunderschönes Tal gelangten wir zum Parkplatz unterhalb des Klosters. Das  Kloster selbst ist nochmal 250 Meter höher in eine Felswand gebaut und trohnt wie ein Adlerhorst über dem Tal. Zu Fuss nahmen wir den steilen Weg hinauf zum Kloster in Angriff. Schweissnass kamen wir eine halbe Stunde später beim Eingang des Klosters an. Der Eintrittspreis war recht happig und da wir aus unserem Reiseführer wussten, dass das Innere des Klosters nicht gut erhalten (das Kloster brannte bei einem Gefecht zwischen Russen und Türken aus, wobei die meisten Einrichtungsgegenstände vernichtet wurden) und somit nicht sehr spannend sein sollte, sparten wir uns den Besuch. Wir begnügten uns mit der Aussicht auf das grüne Tal und die eindrücklichen, äusseren Klostermauern (wenn man denn mal einen Platz gefunden hat, von dem aus die Sicht nicht von Bäumen versperrt war).

Wieder zurück in Trabzon machten wir uns auf die Suche nach einem Lenovo-Vertreter. Unser Laptop liess sich seit Tbilisi nicht mehr laden und ohne ihn konnten wir weder Fotos hochladen noch Berichte schreiben. Mit einer Adresse aus dem Internet und etwas Suchen in den engen Gassen von Trabzon fanden wir dann den kleinen Lenovo Store. Da keiner der beiden Herren im Laden Deutsch oder Englisch konnte, war es schwierig, unser Problem zu erklären.  Mit Händen und Füssen und schlussendlich auch mit Hilfe von Google konnten wir uns dann doch irgendwie verständigen. Sie fragten uns, ob wir denn ein anderes Ladegerät probiert hätten. Klar hatten wir das – noch in Tbilisi im Hostel. Trotzdem bestanden sie darauf, es noch mit einem von ihren Ladegeräten zu versuchen. Und siehe da, es klappte tatsächlich. Problem gelöst!

Nach einem Einkauf im MMM Migros Supermarkt (unsere Cumulus-Karte hat leider nicht funktioniert) fuhren wir weiter entlang des Schwarzen Meeres Richtung Samsun. Wir kamen ganz flott voran und hofften vor Einbruch der Dunkelheit auf dem Campingplatz in Ünye anzukommen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne unser Büssli gemacht: Etwa 40 km vor dem Campingplatz blinkte es im Armaturenbrett – Kühlwasseralarm! Sofort fuhren wir rechts ran. Die Wasserspur hinter dem Büssli bedeutete nichts Gutes. Also, Kofferraum auf und Fehlersuche. Unter dem Luftfilter wurden wir fündig: Der S-Schlauch, der schon drei Mal mit Gebastel geflickt wurde, war gerissen. Immerhin hatte das letzte Modell, das in Ulaanbaatar designt wurde, einige tausend Kilometer gehalten. Aber was nu? Wieder das Vorgängermodell einbauen und hoffen, dass es noch ein wenig hält oder uns in eine Werkstatt abschleppen lassen und hoffen, dass sie Modell Nummer 4 bauen kann? Da wir ja jetzt wieder innerhalb des TCS-Abdeckungsbereichs waren, entschieden wir uns für die Werkstatt und liessen uns von einem über den TCS organisierten Abschleppwagen abholen. Der Herr vom Abschleppdienst hatte viel Freude an uns und machte auch gleich noch ein paar Fotos von dem Schmuckstück auf seiner Ladefläche. Als Glückbringer schenkte er uns so eine typisch türkische Perlenkette, die wir um den Steuerknüppel unseres Büsslis legen sollten. In der Werkstatt warteten bereits drei junge Türken mit viel Tatendrang. Kaum war das Büssli in die Werkstatt geschoben, wollte der eine schon den Motor starten, um das Problem zu finden. Leider konnten die Jungs kein Wort Englisch oder Deutsch. Also demontierte Christian den Luftfilter selbst und zeigte ihnen, wo das Problem lag. Einer der Jungs schraubte den defekten Schlauch ab und mit einem „No Problem“ verschwand er damit. Bald darauf kam er mit einem halbwegs passenden Schlauch in den Händen zurück. Nach der Montage versuchte Christian den Jungs zu erklären, wie man einen Wasserboxer entlüftet. Nach einer Weile und mit viel Geplansche war auch das erledigt, so dass wir wieder aus eigener Kraft aus der Garage fahren konnten. Gekostet hat das Ganze nicht mal 15 CHF und das Abschleppen wird ja vom TCS übernommen. Unterdessen war es dunkel geworden und wir fuhren zum Campingplatz am Strand von Ünye.

Am nächsten Tag ging es weiter in das Landesinnere, unser Ziel war Hattuša, eine Ruinenstadt mit einer sehr langen Geschichte. Bereits 6000 Jahre vor Christus begannen sich hier die ersten Menschen niederzulassen und bauten den Ort nach und nach zu einer riesigen Stadt aus, deren Blütezeit 1700 vor Christus durch ein riesiges Feuer beendet wurde. Da wir erst spät in Boğazkale, dem kleinen Örtchen neben der Ruinenstadt, ankamen, verschoben wir den Besuch der Ruinenstadt auf den nächsten Tag und fuhren direkt auf den Campingplatz. Dort wurden wir auch gleich vom Dorfoberhaupt zu einer Hochzeit eingeladen. Das Brautpaar war gerade eingetroffen und die Band spielte zum Tanz. Wir dachten schon, das wir eine laute Nacht vor uns haben, aber nach 2 Stunden zog die Hochzeitsgesellschaft weiter und es wurde ruhig auf dem Campingplatz.

Die Ruinenstadt selbst war sehr beeindruckend. Vor allem die Dimensionen: Eine Umrundung der Stadtmauer dauert zu Fuss mehr als 5 Stunden! Zum Glück gibt es eine gut ausgebaute Strasse, die durch die ganze Anlage führt und befahren werden darf. Leider ist nicht mehr allzu viel von der damaligen Stadt erhalten. Nur die aus Stein gemauerten Grundfundamente der zahlreichen Tempel sowie ein Teil des imposanten Befestigungswalls sind noch vorhanden.

Nach der Besichtigung fuhren wir weiter Richtung Ankara, wo wir einen längst fälligen Ölwechsel durchführen wollten. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz eines Hotels in der Nähe des Flughafens von Ankara fuhren wir in die Stadt zu einer Volkswagen-Niederlassung. Anfänglich verstand uns so ziemlich keiner. Niemand konnte Englisch oder Deutsch. Nachdem sie anfingen, uns Prospekte von neuen Autos vorzulegen, erklärten wir dann mit Hilfe von Google, dass wir nicht das ganze Auto, sondern lediglich das Öl tauschen wollten :-).
Irgendwann stellten wir fest, dass einer der Angestellten perfekt Französisch sprach und das Ganze wurde ein wenig einfacher. Zuerst erhielten wir eine Absage, sie hätten die Werkstatt voll und frühestens am nächsten Tag Zeit. So lange wollten wir nicht warten und wären schon fast aufgestanden, um zu gehen, als dann doch ganz plötzlich ein Hebebühnchen in der Werkstatt frei wurde. Sie nutzten einfach die Mittagspause, um bei unserem Büssli kurz das Öl zu wechseln. Nach dann doch gut zwei Stunden – inklusive Wartezeit – waren wir wieder auf der Autobahn und die Blaue Rakete zeigte seine Freude über das frische Öl mit einem seidenweichen Schnurren des Motors. Mit voller Fahrt fuhren wir Richtung Istanbul. Und dann plötzlich… haben wir ihn gesehen – einen wilden Bären!!! Nicht in den unbewohnten Weiten Russlands, nein, …in der Türkei, wo wir überhaupt keine Bären erwartet haben. Und dann auch noch auf einem Hang direkt neben der Autobahn nicht weit hinter Ankara! Ein braunes Bärchen. Leider waren wir zu schnell unterwegs, um ein Foto zu machen. Aber gesehen ist gesehen 🙂

 

Infos Kirgistan

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Camping in Kirgistan

Campingplätze wie man sie in Europa kennt, gibt es in Kirgistan nicht.

Wild zu campieren ist jedoch in Kirgistan kein Problem. Es gibt genügend schöne Plätze, an denen man für sich ist (vielleicht abgesehen von ein paar Pferden o.ä.). Am besten entfernt man sich dafür von der Hauptstrasse entlang einer Nebenstrasse und stellt sich dann irgendwo auf die Wiese; z.B. geschützt hinter einen Hügel oder in einiger Entfernung zum nächsten Dorf. Oft kann auch in Nationalparks oder bei Sehenswürdigkeiten übernachtet werden. Dort gibt es meist Plumps-Hock-Klos, die benutzt werden können. Da Kirgistan grösstenteils aus Hochgebirge besteht, kann es auch im Sommer und vor allem in den Nächten empfindlich kalt werden und sogar schneien.

Strassenverhältnisse

Die wenigsten kirgisischen Strassen sind asphaltiert. Meist handelt es sich um Pisten, deren Zustand stark variiert. Auf kleinen Nebenstrassen in den Bergen ist teilweise ein 4WD-Fahrzeug notwendig. Es lohnt sich, Einheimische über den Strassenzustand oder die beste Route zu einem Ziel zu befragen. Der direkte Weg ist nicht immer der schnellste. Zudem sind einige Strassen nur saisonal geöffnet. Viele Strassen führen über hohe Pässe (>3000 m), die nur im Sommer geöffnet sind. Mit tiefen Schlaglöchern und Tieren auf der Strasse (Pferde, Kühe, Schafe) muss man überall rechnen.

Menschen

Die Kirgisen sind ein sehr freundliches und neugieriges Volk. Beim Autofahren sind sie recht ungeduldig und es wird viel gehupt. Die meisten Kirgisen sprechen Russisch. Die jüngeren Leute können teilweise ein paar Brocken Englisch.

Tankstellen

Viele kleine kirgisische Tankstellen verkaufen minderwertiges oder verdünntes Benzin. Es empfiehlt sich, wenn möglich, nur bei Gazprom zu tanken. Zur Sicherheit sollte immer eine Notration Kraftstoff mitgeführt werden (Im Notfall bekommt man in kleineren Dörfern Benzin aus Kanistern – Qualität unbekannt). Richtige Tankstellen gibt es in grösseren Ortschaften direkt an den Fernstrassen. Benzin ist meist mit 80 und 92 Oktan verfügbar. 95/96 Oktan ist etwas seltener, Gazprom bietet es aber an (wenn es nicht gerade ausgegangen ist).

Beim Tanken wird zuerst der Zapfhahn eingesteckt, dann bezahlt (unter Angabe des Kraftstoffes, der Zapfsäule und der Literanzahl an Kraftstoff, die man tanken möchte) und anschliessend getankt. Man kann auch versuchen „polna“ (voll) zu tanken. Dazu einfach eine grössere Summe an der Kasse abgeben, nach dem Tanken erhält man das Rückgeld. Die wenigsten Tankstellen akzeptieren Kreditkarten.

Autowäsche

Es gibt viele Autowaschanlagen (Автомойка), in denen man sein Auto für etwa 400 Som waschen lassen kann – natürlich alles manuell.

Polizeikontrollen

Die Polizisten (Stöckchenschwinger) in Kirgistan sind eine Plage. Natürlich wollen sie immer etwas haben und meist erfinden sie irgendein Vergehen um zu kassieren. Wir haben uns ähnlich wie in Kasachstan verhalten. Nichts verstehen und klar zu erkennen geben, dass man nichts zahlt (ausser es ist einem bewusst, dass man etwas „verbrochen“ hat). Irgendwann geht allen Polizisten die Geduld aus und sie lassen einem mit einem freundlichen Schulterklopfen fahren.

Einreise / Registrierung

Die Einreise in Kirgistan ist für die meisten Europäer visumfrei. Für einen Aufenthalt bis zu 60 Tagen braucht es keine weiteren Dokumente ausser einen noch mehrere Monate über den Aufenthalt hinaus gültigen Reisepass. Sicherstellen, dass man bei der Einreise einen Stempel in den Pass bekommen hat! Eine Registrierung nach der Einreise ist nicht notwendig.
Bei der Einreise werden Fahrer und Beifahrer separat abgefertigt. Der Fahrer muss sich auch um die Zollabfertigung des Fahrzeugs kümmern, während der/die Beifahrer auf der anderen Seite der Grenze warten.

 

 

 

 

 

Infos Kasachstan

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Camping in Kasachstan

Campingplätze wie man sie in Europa kennt, gibt es in Kasachstan nicht. Manchmal kann man am Strassenrand eine blaue Tafel mit einem Zelt sehen; diese führen zu bewachten Rastplätzen (автостоянка, in Kasachstan verwirrenderweise auch manchmal кемпинг genannt), auf welchen gegen eine kleine Gebühr (100 – 400 Tenge) übernachtet werden kann. Komfort und Idylle sollte man nicht erwarten. Falls man doch mal einen Campingplatz im Grünen findet (manche Reiseführer haben da „Geheimtipps“), handelt es sich um Campingplätze im „russischen Stil“, d.h. kleine Hüttensiedlungen (Cabins), in denen man übernachten kann; jedoch keine Stellplätze für Wohnmobile. Für die Benutzung der eventuell vorhandenen Duschen oder Toiletten muss man eine Hütte mieten.

Wild zu campieren ist jedoch in Kasachstan kein Problem. Es gibt genügend schöne Plätze in den weiten unbesiedelten Gebieten, an denen man für sich ist. Am besten entfernt man sich dafür von der Hauptstrasse entlang einer Nebenstrasse für 1-2 km und stellt sich dann irgendwo auf die Wiese. Achtung: Der Untergrund ist teilweise sehr sandig und ein Offroad-Fahrzeug ist empfehlenswert. Am besten ist es, schon vorgefahrenen Spuren zu folgen und immer dort zu fahren, wo es am Grünsten (also viel Gras) ist. Besonders in der Nähe von Seen und Flüssen ist ein zuverlässiger Mückenschutz wichtig.

Strassenverhältnisse

Die kasachischen Strassen sind teilweise in einem abenteuerlichen Zustand und es muss mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von unter 50 km/h gerechnet werden. Es wird aber fleissig gebaut, um zumindest die grösseren Städte mit guten Strassen zu verbinden. Aktuelle Informationen zu den Strassenverhältnissen in Kasachstan findet ihr unter www.caravanistas.com/transport/driving/kazakhstan. Vor allem auf den neu gebauten Strassen ist mit mangelhafter Beschilderung zu rechnen. Die super neue Strasse kann ohne Vorwarnung abrupt mit einem 10 cm hohen Absatz enden. Mit tiefen Schlaglöchern und Tieren auf der Strasse (Kamele, Dromedare, Pferde, Kühe, Erdmännchen, Schildkröten) muss man überall rechnen.

Orientierung

In Aktau gibt es keine Strassennamen, sondern nur Mikro-Rayone (микро-район), die chronologisch nummeriert sind, und Hausnummern, die an der obersten Ecke auf die Häuser gepinselt wurden. Sucht man ein bestimmtes Hotel o.ä. ist eine Strassenkarte, in der die Mikro-Rayons- und Hausnummern eingetragen sind, unerlässlich. Am besten vorher im Internet eine Karte suchen und runterladen.

Menschen

Die Kasachen sind ein sehr freundliches und neugieriges Volk. Beim Autofahren sind sie recht ungeduldig und es wird viel gehupt. Die meisten Kasachen sprechen Russisch, wenn auch im Süden weniger als im Norden. Die jüngeren Leute können teilweise ein paar Brocken Englisch. In den meisten Hotels spricht man an der Rezeption mittleres bis gutes Englisch.

Tankstellen

Das kasachische Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Es gibt jedoch einige Strecken (auch die dick rot gemalten Fernstrassen in der Karte!), an denen zwischen zwei Tankstellen 300 km vergehen. Also vorher gut informieren und am besten eine Notration Kraftstoff mitnehmen. In grösseren Ortschaften direkt an den Fernstrassen, gibt es normalerweise mindestens eine Tankstelle. Benzin ist mit 80, 92 und 95 Oktan verfügbar, höhere Oktanzahlen (98) sieht man nur in den Städten. Es wird empfohlen, nur bei Tankstellenketten zu tanken. Die Reinheit des Benzins der kleinen Betreiber kann nicht garantiert werden…

Beim Tanken wird zuerst der Zapfhahn eingesteckt, dann bezahlt (unter Angabe des Kraftstoffes, der Zapfsäule und der Literanzahl an Kraftstoff, die man tanken möchte) und anschliessend getankt.

Autowäsche

Wir haben schon mehrmals gehört, dass es in Kasachstan ein Gesetz gibt, welches verbietet, mit schmutzigen Autos rumzufahren. Wir können es immer noch nicht ganz glauben, aber tatsächlich sind die meisten Autos hier sehr sauber (trotz Wüstenstaub). Es gibt auch sehr viele Autowaschanlagen (Автомойка), in denen man sich sein Auto für 1200 – 1700 Tenge waschen lassen kann – natürlich alles manuell! Ein preiswertes Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Polizeikontrollen

Wie in Russland gibt es auch in Kasachstan immer wieder Strassenkontrollposten. Sie sind schon weit im Voraus signalisiert, beginnend mit Geschwindigkeitsreduktion und schlussendlich mit einem Stoppschild. An diesem Schild unbedingt anhalten, auch wenn weit und breit niemand zu sehen ist.

Wenn man irgendwo angehalten wird, Pässe und Fahrzeugpapiere vorzeigen, immer freundlich sein und nur gerade das Notwendigste verstehen (nicht, dass wir mehr verstehen könnten). Meist fragen sie, woher man kommt und wohin man will. Diese Fragen kann man ohne Bedenken beantworten. Schmiergeld haben wir bis jetzt nie bezahlt (es gab auch noch nie einen Anlass dazu) und werden wir aus Prinzip auch in Zukunft nicht machen. Einfach Geduld haben (am besten mehr als der Beamte), höflich bleiben und falls es doch Probleme geben sollte, den Vorgesetzten verlangen. Meist verleidet es den Polizisten eh nach einigen Minuten Kommunikationsschwierigkeiten. Anders sieht es aus, wenn ihr tatsächlich gegen eine Verkehrsregel verstossen habt; dann solltet ihr natürlich dafür geradestehen.

Einreise / Registrierung

Für die Einreise wird ein Visum benötigt, das ihr am besten schon in eurem Heimatland organisiert (spart Zeit während der Reise). Für Touristen gibt es ein 30-Tages-Visum oder ein 60-Tages-Visum (zweimalige Einreise) mit maximal zwei Mal 30 Tagen Aufenthalt in Kasachstan. Nach (je)dem Grenzübertritt muss man sich in Kasachstan für die Aufenthaltsdauer im Land registrieren lassen. Wir haben dies zuerst über ein Hotel versucht, was nicht geklappt hat (es sind nur ganz bestimmte Hotels, die die Registrierung organisieren können). So sind wir tags darauf zum Migrationsamt in Atyrau und haben die Registrierung selber machen lassen. Geht man selbst zum Amt, kostet die Registrierung nichts und hat bei uns etwa 30 Minuten gedauert. Der ganze Vorgang war extrem spannend anzuschauen und gab einen Einblick in den kasachischen Behördenalltag, der doch etwas anders aussieht als bei uns…

 

 

 

 

 

Der Weg nach Moskau

Weiter ging’s stramm gen Osten nach Moskau…
Der Strassenbelag wechselte zwischen Flickenteppich und aalglatt. Es wird viel an den Strassen gebaut. In der Nähe der Baustellen ist der Belag oft super – bis die Kante zur alten Strassen kommt.
Je näher wir an Moskau kamen, desto extremer wurde der Verkehr. Ausserhalb der grossen Städte wird „nur“ in den Gegenverkehr hinein überholt (glücklicherweise gibt es meist Standspuren zum Ausweichen und es herrscht nicht viel Verkehr), aber auf den Ringautobahnen von Moskau geht es echt chaotisch zu: Auf einem ca. 5- oder 6-spurigen Autobahnabschnitt fehlten die Fahrbahnmarkierungen komplett (Landebahn-Feeling); Rechts-Überholen ist Standard; Rückwärtsfahren bei verpassten Ausfahrten; auf dem linken Standstreifen (ja, auch links gibt’s einen kleinen Streifen, da der rechte eh als Fahrspur verwendet wird) drängten sich immer mal wieder Motorräder, Polizei- und Krankenwagen vorbei. Und Stau ohne Ende! Mittendrin immer mal wieder ein liegengebliebener LKW, an dem der Fahrer zwischen all den fahrenden Autos etwas zu reparieren versuchte (z.B. Reifenwechsel). Und hier und da natürlich auch mal wieder eine Baustelle.

Im Navi hatten wir die Koordinaten des Campingplatzes eingegeben. Da unser Navi allerdings nur die grossen Autobahnen in Moskau kennt und wir keine Karte von Moskau dabei haben, konnten wir uns nur an der recht ungenauen Beschreibung im Campingführer und an dem im Navi im Nirvana eingezeichneten Zielpunkt orientieren. Unglücklicherweise lag der Campingplatz auch noch direkt an einem Autobahnknäul. Jedes Mal, wenn wir von der Autobahn abfuhren, um in Richtung des Campingplatzes zu kommen, landeten wir auf einer anderen Autobahn, die uns wieder wegführte. Am Ende hatten wir auch ein Knäul aufm Navi. Aber wir haben ihn gefunden: Den Campingplatz… äh, naja, Parkplatz… beim RUSHOTEL. Der teuerste Campingplatz aller Zeiten, aber eben auch der einzige an unserer Route. Toiletten für die Camper gibt’s versteckt im zweiten Stock (über den Personalaufzug); leider keine Duschen. Dafür Strom, WLAN und die Geräuschkulisse der Groooossstadt Moskau. …Und eine wunderbar laue Sommernacht, die für eine tolle Atmosphäre sorgt.

Polen – Litauen

Nach einer ruhigen Nacht am See sind wir Richtung Litauen aufgebrochen. Dank unserem Navi haben wir schon die ersten paar Kilometer Sandpiste hinter uns und das Heck der Rakete ist schon ganz schön eingestaubt. Wunderbar!

Die Autobahnen sind hier eher rar und so schlagen wir uns mehrheitlich über Landstrassen Richtung Norden durch. Unser veralteter Campingführer (2012) hat uns an einen wunderschönen See mit zwei geschlossenen Campingplätzen gelotst. Schade… Somit sind wir weiter Richtung Norden und haben uns nach den Schildern am Strassenrand gerichtet. Nach kurzer Zeit wurden wir fündig und haben uns bei einem netten älteren Herrn auf seinem kleinen Campingplatz am See eingerichtet. Englisch konnte nur seine Tochter, dafür haben wir uns dann mit unseren paar Brocken Russisch ein wenig unterhalten können. Da wir die einzigen Gäste (vermutlich auch die ersten in diesem Jahr) auf seinem Campingplatz waren, hat er uns sehr viel Zeit gewidmet und sogar noch eine Führung durch sein Anwesen gegeben.

Anschliessend gab es ein super feines Waldzwergen-Risotto (vielen Dank Anna und Thomas) und ein Sonnenuntergang über dem See.

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