Von Bischkek zum Song-Köl

Nach einer wunderbaren Nacht in den Bergen südlich von Bischkek sind wir nochmal kurz zurück in die Stadt, wo wir unser repariertes Steuergerät abholen wollten. Smail von der Pension, in der wir die Nächte zuvor übernachtet hatten, hat alles für uns organisiert. Leider hat die Werkstatt aber doch keinen passenden Mikrochip finden können und das ganze Warten war umsonst. So sind wir dann eben ohne Ersatz-Steuergerät Richtung Töö-Ashuu Pass (südwestlich von Bischkek) losgefahren. Rund 2000 Höhenmeter lagen vor uns. Auf einer gut ausgebauten und auch sehr befahrenen Strasse haben wir nach einigen Stunden den Tunnel auf 3300 m erreicht. Die Fahrzeuge stauten sich bereits mehrspurig vor dem Tunnel, der scheinbar kurzzeitig geschlossen war, und wir stellten uns ganz anständig an das Ende einer der Schlangen. Rund eine halbe Stunde mussten wir warten. In dieser Zeit konnten wir das kreative „Aufkollonieren“ der Kirgisen beobachten. Einige Male wurden wir von den anderen wartenden Autofahrern mit dem typischen „atkuda, kuda“ (woher, wohin) angesprochen. Endlich wurde der Tunnel freigegeben und mit einigem Gedrängel haben es dann auch wir in den Tunnel geschafft: Ein dunkles Loch; die Luft geschwängert von Abgasen; Gegenverkehr, von dem man kaum die Scheinwerfer sah. Nach einigen Metern schon hat unser Gasmelder Alarm geschlagen, trotz ausgeschalteter Lüftung und geschlossenen Fenstern… Zum Glück sahen wir nach wenigen Minuten ein helles Licht am Ende des Tunnels.

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Belohnt wurden wir hinter dem Tunnel mit der Aussicht auf ein grosses weites Tal. In Haarnadelkurven schlängelte sich die Strasse hinunter auf den Talboden auf rund 2000 m. Kurz nach der Abzweigung Richtung Suusamyr haben wir am Wegrand unser Nachtlager aufgeschlagen.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter über Kyzyl-Oy und Chaek, wo wir unterwegs Jacob, einen englischen Touristen und Alpinisten, aufgabelten. Zu dritt fuhren wir die immer schmaler werdende Strasse über Kara-Keche Richtung Song-Köl. Vorbei an Kohlenbergwerken und über Schneefelder kämpfte sich unser Büssli über einen rund 3330 m hohen Pass. Auf dem Pass erhofften wir uns einen Blick auf den Song-Köl, doch vor uns lagen noch einige Kilometer über Stock und Stein. Sogar eine Umleitung mit Flussdurchfahrt mussten wir überwinden, bevor wir den Song-Köl zu sehen bekamen. Doch die Strapazen lohnten sich. Der Song-Köl ist ein riesiger See auf rund 3000 m Höhe, umgeben von wunderschönen schneebedeckten Bergen und grünen Alpwiesen. Der Uferbereich des Sees ist recht sumpfig, so dass wir nicht direkt am See stehen konnten. Wir platzierten und in Sichtweite zwischen zwei Jurten-„Siedlungen“. Leider war uns das Wetter nicht so gnädig und der Regen vertrieb uns nach dem Abendessen ins Büssli. Kein Sternenhimmel in dieser Nacht…

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Reise nach Bischkek

Nach Natur-Pur im Aksu-Jabagly Naturreservat ging es zurück auf die Strasse, weiter in Richtung kirgisische Grenze. Unser Kasachstan-Visum erlaubt uns zwei Einreisen mit jeweils einem Aufenthalt von maximal 30 Tagen. Die ersten 30 Tagen waren nun fast um und somit rückte die „Zwangspause“ von Kasachstan näher. Wir haben ein letztes Mal in Kasachstan idyllisch am Feldrand übernachtet, bevor es über die Grenze und in den dicht besiedelten Norden Kirgistans ging. Auch dort haben wir für unsere erste Nacht ein einigermassen ruhiges Plätzchen gefunden, wenn auch mit Kuhherden, die abends und morgens an unserem Büssli vorbeizogen.

Der Grenzübergang verlief ein wenig anders als wir es bisher kannten. An der Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan werden Fahrer und Beifahrer getrennt durch die Grenze geschleust. Der Beifahrer läuft und muss lediglich seinen Pass vorzeigen, während der Fahrer zusätzlich noch die ganze Fahrzeugverzollung erledigen muss. Die Ausreise aus Kasachstan ging sehr flott, die kasachischen Zöllner waren freundlich und korrekt. Spannend wurde es erst auf der kirgisischen Seite. Als erstes wurde Christian (als Fahrer) von einem Soldaten mit umgehängter Kalaschnikow begrüsst. Neugierig fragte er mich nach meiner Herkunft und meinem Ziel, danach liess er sich das Büssli erklären und war sichtlich beeindruckt. Bei der Durchsuchung fand er eine Taschenlampe, die ihm sehr gefiel. Christian solle ihm sie schenken, fand er. Christian dachte nicht mal daran und zeigte ihm eine kleine Taschenlampe, auf die wir hätten verzichten können. Diese lehnte er jedoch mit dem Hinweis „Made in China“ ab. Schlussendlich konnte Christian passieren und kam somit endlich in den kirgisischen Zollbereich. Sofort wurde er von drei Herren der Zolldeklaration abgefangen. Es war direkt klar, dass diese Herren gerne ihr Gehalt ein bisschen aufgebessert hätten oder zumindest ein „Souvenir“ aus der Schweiz haben wollten. Aber Christian blieb hart und verstand nur das Nötigste oder das Falsche, so dass sie bald aufgaben. Die Zolldeklaration selbst fand dann in einem Haus neben dem Zoll statt. Eine nette Dame in Kampfhose und Strickpulli füllte die Formulare gleich selber aus. Durch das Schalterfenster blickte man nicht etwa in ein Büro, sondern in ein gemütliches Wohnzimmer. Grosse Sofas, schöne Teppiche, Teekocher und was ein Zöllner sich sonst noch so wünscht für gemütliche Tage auf der Arbeit. Ein grosser Fernseher lief im Hintergrund. Nach einigen Minuten kam ein weiterer Zöllner ins Wohnzimmer, zog seine Schuhe aus, machte es sich auf dem Sofa bequem und zappte durch die Fernsehkanäle. Kurz darauf erhielt ich meine ausgefüllten Formulare und konnte wieder zurück zum Büssli. Noch eine Kontrolle des Fahrzeuges durch neugierige Zöllner und dann wurde die letzte Schranke geöffnet. Wir waren in Kirgistan!

Auf dem Weg in Richtung Bischkek gab es die Eingewöhnung mit den kirgisischen Polizeikontrollen. Die erste direkt nach der Grenze, in der es hiess, dass wir eine Art Strassengebühr zahlen müssten. Komisch nur, dass wir die einzigen zu sein schienen, die diese Gebühr abgeben sollten… Nööö, machen wir nicht… Christian hat sich mal wieder standhaft geweigert und nach einer Weile durften wir weiterziehen. Nur einige Kilometer die Strasse entlang kam die nächste Kontrolle. Angeblich sei es ein Vergehen, dass unsere Autonummer nicht auch oben am Heck angeschrieben ist. Blödsinn… Auch hier wieder: Geduld zahlt sich aus. Und weiter ging’s – letztendlich wieder ohne „Schdrafff“.

Am Tag nach der Einreise sind wir in Bischkek angekommen und haben uns mal wieder durch den chaotischen Stadtverkehr an unser Ziel manövriert: eine kleine, hübsche und sehr freundliche Pension; ruhig und doch nicht weit weg von der Innenstadt. Das Personal hier weiss extrem viel über Kirgistan, seine Kultur und Geschichte und alles, was einen Touristen so interessiert. Und sie erzählen alles sehr geduldig und ausführlich. Vielleicht ist das ein Vorteil von Vor-Saison-Reisenden!?
Dabei haben wir auch erfahren, dass sich viele Beamte ihren Job „kaufen“ müssen. Sie müssen ein rechtes Sümmchen zahlen, damit sie nicht gefeuert werden, und dieses Geld müssen sie irgendwie wieder reinholen. Das erklärt einiges…

Bezüglich Sehenswürdigkeiten hat Bischkek nicht wahnsinnig viel zu bieten. Der trubelige und sehr verwinkelte Osh-Basar ist sicher ein Erlebnis. Es gibt (fast) alles – man muss nur wissen, wo. Ansonsten ist der zentrale Ala-Too-Platz noch recht eindrücklich. Auf dem Weg durch die Stadt haben wir Maksym (säuerliches Getränk aus fermentiertem Getreide) und Chalap (wie Maksym, aber mit Ayram – also Naturjoghurt – gemischt) probiert. Es war für unseren Geschmack doch sehr speziell… Chalap war ein bisschen besser als Maksym (schon allein von der Ästhetik her). Wir bleiben dann doch lieber bei den auch für den europäischen Geschmack leckeren Dingen wie den kleinen süssen oder salzigen Gebäckstücken, die es oft am Strassenrand zu kaufen gibt.

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