Olchon im Baikalsee

Wir hatten keine Ahnung, wann und wie oft die Fähre vom Festland nach Olchon fährt. Also machten wir uns auf gut Glück zum Fähranleger auf und reihten uns in die Schlange der wartenden Autos ein. Etwa 75 hatten wir vor uns. Doch leider passten immer nur etwa zwölf Autos auf die Fähre und sie fuhr nur einmal die Stunde. Naja, wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass die Uhren in Mittelasien langsamer ticken als in Mitteleuropa und ertrugen somit die sechs Stunden Wartezeit ohne grössere Ungeduldsanfälle. Die Überfahrt war umsonst und dauerte keine zehn Minuten.

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Schon von weitem haben wir gesehen, dass Olchon landschaftlich recht speziell ist. Es regnet nur wenig und dementsprechend karg ist die Landschaft. Auf der Westseite der Insel gibt es so gut wie keine Bäume und Sträucher, nur niedriges Gras und Schotter- bzw. Sandpisten. Dafür ist aber das Wasser auf dieser Seite „wärmer“, so dass auch Warmduscher wie wir sich – wenn auch fröstelnd – in den See begeben können. Ach ja, selbst für ein bisschen Wasserballett hat’s gereicht.

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Die vielen Touristen, die mit uns auf die Insel übergesetzt hatten, verteilten sich recht gut auf der Insel, so dass wir beim Übernachtungsplatz eher die Qual der Wahl hatten. Allerdings war es nicht so einfach, einen Platz zu finden, der einen Zugang zum Wasser und ein nicht einsehbares „stilles Örtchen“ bot… Aber letztendlich hatten wir einen guten Platz mit einer phänomenalen Aussicht.

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Wir sind knapp drei Tage auf Olchon geblieben. Es war schön, mal wieder eine längere Langstrecken-Fahrpause zu haben und sich für andere Dinge mehr Zeit zu nehmen. Zum Beispiel fürs Kochen (es gab Kaiserschmarrn mit von Hand geschlagenem Eischnee).

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Von Kochkor zum Ysyk-Köl See – eine sandige Angelegenheit

Mittlerweile waren es fünf Tage ohne Dusche. Unsere Dusche auf dem Dach war zwar gefüllt, aber die Kälte und/oder der Regen liessen keine Freiluft-Duschstimmung aufkommen. Wonach wir uns sehnten, war ein ruhiges Plätzchen an sauberem und nicht allzu kaltem Gewässer mit Sonnenschein. Wir beschlossen, an einen Salzsee, der uns als Übernachtungsplatz empfohlen worden war, zu fahren. Er lag ganz in der Nähe vom Südufer des Ysyk-Köl Sees und war über eine Sandpiste, die von der Hauptstrasse abzweigte, zu erreichen. Am Anfang der Sandpiste stand mitten auf dem Strässchen ein Schild „Anreise verboten“, vor dem wir unschlüssig stehenblieben. Kurz darauf überholte uns ein Audi und schlängelte sich am Verbotsschild vorbei. Na dann – hinterher. Die Piste war ein wenig holprig, aber schien ansonsten ganz solide. Bis zum Salzsee sollten es noch ca. 8 km sein. Wir fuhren hinter dem Audi bis er vor einem sandigen, aufgewühlten Strassenabschnitt stehenblieb. Bauarbeiten. Der Audifahrer stellte fest, dass der Baggerfahrer der Baustelle gerade Mittagspause machte, aber anschliessend den Strassenabschnitt plattfahren würde, so dass wir passieren könnten. So war es dann auch. Die Passage war allerdings trotz Bagger-Plättung immer noch recht sandig und bracht das Büssli zum Schlingern. Aber wir kamen durch und fuhren weiter. Ein Stück weiter wurden 250 Som (ca. 5 CHF) für die Zufahrt zum See von uns einkassiert und der Kassierer beteuerte, dass die Strasse jetzt besser werden würde. Pustekuchen! (oder besser „Sandkuchen!“) Etwa 50 m weiter kam wieder ein sandiger Abschnitt. Diesmal schlingerte das Büssli nicht nur, sondern blieb vollends stecken. So’n Mist… Zum Glück waren nicht weit vom Kassenhäuschen entfernt, so dass wir Verstärkung holen konnten. Fünf Männer bewaffnet mit Schaufeln kamen zur Hilfe. Sie legten Steine an die Reifen und gemeinsam schoben wir das Büssli „aus dem Dreck“. Noch heute Nacht werde der Abschnitt vom Bagger befestigt, hiess es. Also gut, wir hofften das Beste für die Rückfahrt am nächsten Tag. Heute aber ging es erstmal zum Salzsee. Nach weiteren 3 km auf steiniger, fester Piste waren wir angekommen. Die Besatzung des Audis planschte schon im Wasser. Also rein in die Badesachen, ab in den See und dann unter der Büsslidusche endlich wieder richtig sauber werden. Schööön! Nach der Dusche liefen wir zum Süsswassersee Ysyk-Köl rüber und wuschen ein paar unserer Klamotten.

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Die Nacht am Salzsee war ruhig und friedlich. Am Morgen wurden wir von der Sonne und dem Geschnatter von Enten und ihren Küken geweckt. Am liebsten wären wir an diesem schönen Ort geblieben, aber die sandige Rückfahrt lag uns im Magen und wir wollten sie hinter uns bringen. Wir fuhren zum Sandkistenabschnitt und versuchten es mit Schwung hindurch. Aber das Büssli schaffte nur einige Meter und steckte dann wieder fest. Wir holten die Sandbleche vom Dach. Da kam aber schon ein Kirgise mit zwei Brettern angelaufen und wollte uns helfen. Er hielt nichts von den Sandblechen und schob die Bretter an die Büssliräder. Doch trotz Bretter und Anschieben grub sich das Büssli nur noch weiter ein. Der Kirgise schlug vor, das Büssli mit dem Wagenheber anzuheben, damit wir eins der Bretter unter das Rad schieben konnten. Gesagt, getan. Und es funktionierte! Ganze 2 m. …dann war das Brett zu Ende und das Rad wieder im Sand eingegraben. Also das Spielchen wieder von vorn, diesmal ohne Wagenheber. Wieder 2 m weiter. Das Ganze noch weitere zwei Mal und das Büssli war wieder frei! Zum Schluss noch alle Utensilien eingesammelt und dem Büssli hinterhergetragen, uns mit Bier und Zigaretten beim hilfsbereiten Kirgisen bedankt und zurück ging’s zur Teerstrasse. Den Rest der Piste haben wir glücklicherweise ohne Steckenbleiben bewältigt. Diese Nacht stehen wir auf fester Wiese ganz nah am Ysyk-Köl See und freuen uns auf ein morgendliches Bad im kühlen See.

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