Reparatur in Atyrau

Nach einer ruhigen Nacht in der kasachischen Steppe sind wir wohlbehalten in Atyrau eingetroffen und haben uns ein Hotel gesucht. Auch in Kasachstan mussten wir uns nach dem Grenzübertritt registrieren lassen und das geht (normalerweise) am einfachsten im Hotel. Wir haben uns auf der asiatischen Seite der Stadt (Atyrau ist das kasachische Tor zu Asien) ein schönes Hotel ausgesucht und sind mit unserer Rakete auf den Parkplatz gefahren. Genau beim Einparken ging der Motor von selbst aus und hat anschliessend keinen Wank mehr gemacht. Wir waren froh, dass sich unsere erste Panne einen so idealen Platz „ausgesucht“ hat. Ein Schlafplatz im Hotel und eine gute Internetverbindung zu unserem „Mechaniker des Vertrauens“ war uns sicher. Nach einem kurzen Check war klar, dass irgendwas mit der Zündung nicht funktionierte. Kein Zündfunke in der Kerze und auch keiner am Verteiler. Während wir am Büssli nach dem Problem suchten, gesellten sich zwei Kasachen zu uns und waren sehr interessiert am Motor des Büsslis und an dem, was wir da machten. Da sie als Fahrer beim Hotel arbeiteten, kannten sie sich mit Autos aus und gaben uns Tipps (Wir haben schon mehrmals festgestellt, dass Kasachen generell recht freundliche, neugierige und hilfsbereite Menschen sind. Und sehr geschäftstüchtig – dazu jedoch später mehr). Schnell waren alle der Meinung, dass die Zündspule defekt sein muss. Aber ausgerechnet eine Zündspule hatten wir leider nicht in unserem grossen Ersatzteilpaket dabei! Woher also eine neue Zündspule bekommen? Die VW-Vertretung war wegen des Feiertags geschlossen (in Russland und Kasachstan ist irgendwie alles Feiertag zwischen dem 1. und 9. Mai). Einer der Kasachen meinte, dass wir auf dem Basar eine Zündspule bekommen könnten. Also fuhr er mit Christian los. Auf dem Basar schien es alles zu geben! Der kasachische Fahrer führte Christian zielstrebig zu einer Baracke, in der verschiedenste Autoersatzteile angeboten wurden. Es gab zwar keine original VW Zündspule, aber zumindest ein chinesisches Replikat für 4000 Tenge (20 CHF). Nach der Rückfahrt erklärte der freundliche Kasache dann, dass seine Dienstleistung auch noch 3000 Tenge (15 CHF) kosten würde. Gemäss Reiseführer kostet eine Taxifahrt quer durch Atyrau maximal 1000 Tenge (5 CHF), aber da wir keine Diskussionen wollten, gaben wir ihm, was er wollte.

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Reparatur mit kasachischer Unterstützung

 

Nach dem Einbau der neuen Zündspule passierte genau – nichts… Der Raketenmotor wollte einfach nicht starten. Immer noch kein Zündfunke am Verteiler. Nach kurzem Überlegen haben wir das Steuergerät ausgetauscht. Gemäss Aussage unseres Mechanikers in der Schweiz würde das Steuergerät zwar NIE kaputtgehen, aber ein Versuch war es wert. Und siehe da… die Rakete funktionierte wieder einwandfrei!

Beim Einchecken im Hotel hatten wir gefragt, ob wir uns über das Hotel registrieren lassen könnten. Die Dame an der Rezeption sagte, dass es möglich sei und kopierte unsere Pässe. Beim Auschecken am nächsten Tag fragten wir nach, ob mit unserer Registrierung alles geklappt hätte. Da wurde uns gesagt, dass das Hotel diese Dienstleistung gar nicht erbringen würde! Hmm… naja, das war dann wohl ein Missverständnis. Also machten wir uns auf zum Migrationsamt, um uns selbst um die Registrierung zu kümmern. Erstaunlicherweise (entgegen aller Horrorgeschichten aus dem Reiseführer) ging die Registrierung schnell und die Beamten waren sehr freundlich. Sie betonten zwar, dass heute eigentlich Feiertag sei, aber schliesslich waren ja trotzdem alle im Büro. Nach rund 30 Minuten hatten wir die notwendigen Stempel und konnten unsere Fahrt Richtung Aktau beginnen.

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Brücke zwischen Europa und Asien (Blick auf die europäische Seite)