Novosibirsk – Обское море

In Omsk haben wir zwei Werkstätten besucht; eine war sogar auf VW spezialisiert, die andere auf Lastwagen (dort sind wir mehr per Zufall vorbeigekommen). Beide fanden, dass sie den Büssli-Motor mit den entsprechenden Ersatzteilen reparieren könnten. Wir waren jedoch nach unseren Erfahrungen in Almaty nicht so ganz davon überzeugt und wollten eine richtige VW-Werkstatt. Daher beschlossen wir mit dem Rauchzeichen-gebenden Büssli weiter nach Novosibirsk zu fahren. Dort gibt es nämlich eine offizielle VW-Werkstatt. Sogar zwei laut Internet. Die 800 Kilometer von Omsk nach Novosibirsk liefen dann auch ganz flott und ohne weitere Probleme. Zu bewundern gab es vor allem die weite sibirische Landschaft. Ein bisschen wie Finnland, aber viel grösser. Die Übernachtungsplätze haben wir versucht, so mückenarm wie möglich auszusuchen, aber das war eigentlich praktisch nicht möglich. Und wenn es doch mal wenig Mücken gab, dann gab es viele kleine, lästige Fliegen.

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In Novosibirsk haben wir einen der beiden VW-Vertreter angesteuert. Nach einer kurzen Diagnose des Motors haben wir erfahren, dass es wohl ein Leck im Kühlwasserkreislauf gibt. Eigentlich ja nichts Neues für uns; spannend war aber, dass sie die Diagnose anhand der Verfärbung der Zündkerzen erstellt hatten. So konnte sogar bestimmt werden, welcher Zylinder Wasser frisst. Hätten wir das auch schon vor unseren Ferien feststellen können? Naja, wir lernen dazu. Wie auch immer, die Zündkerzen waren eh schon überfällig und so haben wir diese auch gleich gewechselt. Wir haben für den nächsten Tag einen neuen Termin ausgemacht, um zu schauen, ob eine Verfärbung der neuen Kerzen die Diagnose bestätigt. Ausserdem wollten wir das Ventilspiel einstellen lassen, in der Hoffnung, dass dann das Klappern der Stössel, das uns seit Almaty verfolgt, verschwindet.

In der Werkstatt haben wir Aleksandar kennengelernt. Ein Russe mit deutscher Abstammung. Er war eine grosse Hilfe beim Übersetzen und zeigte uns am Abend dann auch einen wunderschönen Platz am Обское море, dem Novosibirsker „Meer“ (Stausee), wo wir übernachten konnten. Nach einer kurzen Nacht und einem morgendlichen Bad im kühlen See sind wir wieder in die Werkstatt gefahren. Der Mechaniker, der sogar eine russische Ausgabe unseres Büssli-Handbuches hatte, stellte das Ventilspiel ein. Er ist selbst Besitzer einer VW-Busses ist (vermutlich einer der östlichsten der Welt), was uns irgendwie beruhigt hat. Bei einem solchen Mechaniker ist unser Büssli in guten Händen. Der erneute Check der Zündkerze im vermutlich kränkelnden Zylinder 3 war wieder verfärbt – das Leck war somit bestätigt. Da die Dichtungen ja gerade erst gewechselt wurden, vermuten wir das Leck im Zylinderkopf selbst (auch wenn unser Mech in der Schweiz noch nie so etwas erlebt hat). Den Grund für das laute Motorengeräusch, das wir seit Almaty hören, wurde auch gefunden: ein Leck im Auspuff direkt nach dem Zylinderkopf. Nicht tragisch, einfach nur laut. Die Stössel klappern leider auch nach dem Einstellen noch immer wie zuvor.

Also, neue Zylinderköpfe müssen her. Da es schon spät war, sind wir wieder zum Обское море rausgefahren, um dort die Nacht zu verbringen. Die Ersatzteillogistik wollten wir am nächsten Tag organisieren. Da wussten wir aber noch nicht wie kompliziert Mutti Russland sich anstellen kann…

Am Обское море war unser Plätzchen von der vorheriger Nacht leider schon besetzt, so dass wir uns ein wenig daneben platzieren mussten. Zum Abendessen gab es leckeren Lachs vom Grill und Nudelsalat – das erste Mal seit langem, dass wir die Zeit und Musse hatten, etwas zu kochen. Und dann auch noch etwas anderes als Pasta mit Tomatensauce. Bevor wir zum Essen kamen, wurde Christian jedoch von unseren russischen Nachbarn zur Ausbesserung der Treppe, die an den See hinunterführte, eingespannt. Zusammen mit Sasch und Sergei „durfte“ er Sand schaufeln und Holzblöcke eingraben. Zum Dank gab es später Wodka, Tee und selbstgebackene Hotdogs.

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Christian hatte sich beim Treppenbau so gut angestellt, dass er nach unserem Lachs-Abendessen wieder helfen sollte. Diesmal beim „Fischen nach russischer Art“. Die vier Männer haben sich in die Fluten gestürzt und ein Stück vom Ufer entfernt zwei lange Fischernetze im See ausgebreitet. Am nächsten Morgen um 5 wollten die Russen sie wieder einholen (dann seien die Netze voller Fische). Natürlich wieder mit Christians Hilfe, ist ja klar! Christian war natürlich hellauf begeistert und voller Tatendrang :). Aber eigentlich hoffte er, dass sie uns dann doch nicht wecken würden…

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Später am Abend kam uns noch Aleksandar mit seiner Frau besuchen. Sie brachten uns frisches Gemüse aus ihrem Garten mit (das bekommt man hier sonst nur auf Märkten – in den Supermärkten ist das Gemüse selten frisch) Ausserdem haben sie uns selbstgemachte Gefüllte Weinblätter geschenkt – lecker! Bis um halb drei haben wir uns bei Wodka und Bier mit Aleksandar und seiner Frau sowie mit einem unserer Zeltnachbarn unterhalten. Unser Zeltnachbar hat uns dabei unsere Landkarte neu beschriftet und alle schönen Orte von Novosibirsk bis Wladiwostok eingekreist.

Am nächsten Morgen – zum Glück nicht um fünf, sondern erst um halb acht – polterte es dann ans Büssli. „Ryba, Ryba“ („Fisch, Fisch“), wurde gerufen und wieder geklopft. Bald war klar, dass Christian wohl zum Dienst antreten musste. Also, auf in die Badehose und ins kühle Nass. Mit einer Luftmatratze bewaffnet, schwammen die drei Herren (der Vierte, unser nächtlicher Besucher, schlummerte noch tief und fest in seinem Zelt) Richtung Netze und siehe da: Die Netze waren tatsächlich voll mit Fischen. Mindestens drei verschiedene Sorten (vermutlich Egli, kleine Hechte und sonst noch etwas Forellenähnliches) von 5 bis 30 cm Länge und etwa 20 Stück pro Netz. Nachdem alles auf die Luftmatratze geladen war, wurde diese samt Fischen das steile Ufer hinaufgehievt. Die russischen Fischerkollegen sprachen dann schon wieder von Wodka, aber Christian lehnte dankend ab und legte sich nochmals aufs Ohr. Der gestrige Abend war lang…

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Flucht aus Almaty

Irgendwie und mit Hilfe des neuen Dichtungssatzes aus der Schweiz haben sie bei der VW-Werkstatt in Almaty unser Büssli wieder einigermassen „flott“ gekriegt. Es läuft zwar nicht so wie gewohnt – die Hydrostössel klappern und der Motor dröhnt lauter als normal -, aber wir mussten Kasachstan wegen des ablaufenden Visums verlassen. Es scheint doch viel schwieriger zu sein, eine Werkstatt zu finden, die rein mechanische Boxermotoren reparieren kann als eine, die sich mit neuen Autos mit viel Elektrokram drin auskennt.

Von der Werkstatt aus fuhren wir zum Hostel und beluden unser Büssli wieder mal von Neuem. Nach der Erfahrung der vorigen Abfahrt aus Almaty waren wir skeptisch und so richtige Freude kam nicht auf. Auch wegen der rund 1800 km, die wir innerhalb von 3 Tagen über kasachische Strassen fahren mussten. Nachdem alles eingeladen war und wir uns von unserer super lieben Hostel-„Mama“ verabschiedet hatten, ging es los durch den Abendverkehr von Almaty. Zwei Stunden später nach viel Gedränge, Gehupe und dichten Abgaswolken fuhren wir endlich auf der M36 Richtung Astana. Gemäss Recherche sei dies die Strasse, auf der wir am schnellsten nach Russland kommen sollten. Der Zustand reichte dann auch von passabler Landstrasse bis zu neuer, sechsspuriger Autobahn. Wir verbrachten zwei Tage mit je bis zu 14 Stunden Büssli-Fahren. Den quietsch-türkisfarbenen Balkash-See haben wir leider nur von weitem gesehen. Langsam veränderte sich die Landschaft: aus Steppe wurden grüne Wiesen, aus grünen Wiesen Sumpflandschaften mit kleinen Birkenwäldchen. Pünktlich am 5.6., dem Ablauftag unseres Visums, erreichten wir die kasachische Grenze. Die Ausreise aus Kasachstan und die Einreise nach Russland liefen glücklicherweise schnell und unkompliziert.

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Das Problem mit dem Rauch/Dampf beim Warmstart haben wir leider noch immer. Es kommt etwas weniger aus dem Auspuff als vor der Reparatur, aber ein Leck zwischen Wasserkreislauf und Zylinder ist scheinbar immer noch da. Wir sind langsam wirklich ratlos. Eine Fahrt durch die Mongolei kommt so nicht in Frage, darum wollen wir in Novosibirsk nochmal einen Reparaturversuch starten. Die Frage ist nur, in welcher Werkstatt?!?! Wenn es nicht mal eine offizielle VW-Werkstatt schafft…

Noch ist uns das Lachen nicht vergangen… 😉

 

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Noch immer Almaty

Nach bangem Warten ist das Paket mit den Ersatzteilen am Donnerstag endlich in Almaty eingetroffen. Doch hier in Almaty liefert UPS die Pakete nicht aus, nein, man muss sie am Flughafen abholen, wenn man sie innerhalb einer nützlichen Frist erhalten will. Also haben wir uns mit einer Adresse und einer Telefonnummer bewaffnet und ein Taxi bestellt. Bei den sogenannten Temporären Lagerhallen – quasi im Hinterhof des Flughafens – machten wir uns auf die Suche nach unserem Paket. Nach einiger Zeit fanden wir Yevgeny, unseren UPS-Kontaktmann. Durch eine Passkontrolle ging es für Christian in den Zollfreibereich. Dort musste er wieder mal das von den Grenzübertritten bekannte Zollformular ausfüllen und dem Zöllner erklären, was genau in unserem Paket ist. Mit dem Formular und einem Stempel darauf ging es weiter zum Lager von UPS. Leider hatte Yevgeny den Schlüssel zum Lagerraum verloren. Naja, dann halt mit Gewalt: Die Tür wurde „nach kasachischer Art“ einfach aufgebrochen… Und da lag es auch schon: zwischen vielen anderen Paketen lachte Christian das ersehnte Paket mit den Ersatzteilen an. Auf dem Weg nach draussen musste Christian das Zollformular wieder abgeben und bekam ein neues Formular, für das es bei der Zollverwaltung nochmals ein Stempel gab. Dann ging es Richtung Ausgang, wo er das neue Formular wieder abgeben konnte und das Paket nun offiziell in Kasachstan eingereist war.
Sofort machten wir uns zur VW-Werkstatt aus, wo die Dichtungen erfreut und auch ein wenig erstaunt entgegengenommen wurden. Vermutlich hatten sie nicht geglaubt, dass wir in so kurzer Zeit gute Dichtungen organisieren könnten. Den Motor hatten die Mechaniker bereits ausgebaut und auf der Werkbank parat für weitere „chirurgische Eingriffe“ aufgebahrt.

Am Samstag schauten wir wieder bei der VW-Werkstatt vorbei, um den Stand der Arbeiten herauszufinden. Wir haben erfahren, was die Ursache der  Motorenprobleme nach der „Reparatur“ in der Chaoten-Werkstatt war: Nicht ein minderwertiger Dichtsatz war der Übeltäter, sondern zwei beim Zusammenbau des Motors vergessene O-Ringe. Eigentlich würden wir von der Chaoten-Werkstatt gerne unser Geld zurückverlangen oder ihnen zumindest sagen, wie schlecht sie ihre Arbeit gemacht haben… Die Sprachbarriere macht das allerdings sehr kompliziert. Naja, mal sehen, wir haben ja noch zwei Tage Zeit bis unser Büssli wieder fahrbereit ist. Vielleicht finden wir auch noch eine Lösung für dieses Problem…

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Mittlerweile haben wir es übrigens doch geschafft, zwei Sehenswürdigkeiten von Almaty anzuschauen. Dank Igor, dem deutschsprachigen VW-Mitarbeiter! Er hat uns zusammen mit seiner Familie zu einem abendlichen Ausflug zum Medeu-Eisstadion und auf den Kök-Töbe eingeladen. Das Medeu-Eisstadion ist das zweithöchstgelegenste Eisstadion der Welt. Im Sommer ist es nicht in Betrieb, dafür hat die tolle Aussicht von dort aber das ganze Jahr geöffnet. Der Kök-Töbe ist quasi der Hausberg von Almaty (mit Fernsehturm), auf den man mit einer Gondelbahn fährt. Man könnte auch per Auto hochfahren, aber das wäre natürlich nicht so spektakulär. Auf dem Kök-Töbe haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht und dabei das bunt-leuchtende „Entertainment“ bestaunt: Restaurants, Autoscooter, Sommerrodelbahn, Mini-Zoo, Apfel- (das Wahrzeichen von Almaty) und Beatles-Statuen. Das Beste war aber die Aussicht über das in der Nacht funkelnde Almaty oberhalb der Smog-Wolke. …Und die weissen Baby-Ziegen im Zoo 🙂 …

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Almaty – eine unendliche Geschichte

Wir kommen hier einfach nicht weg – es ist wie verhext! Vielleicht liegt es daran, dass wir bisher keine Sehenswürdigkeiten angeschaut haben und Almaty uns deswegen nicht gehen lassen will!? Aber ehrlich gesagt, steht uns gar nicht der Sinn nach Sightseeing. Und das liegt vor allem an den Geschehnissen der letzten Tage:

Die Werkstatt, in die wir das Büssli gebracht hatten, hat sich als echte Chaoten-Werkstatt entpuppt. Äusserlich war uns das ja von Anfang an klar, aber sie war auch sonst so. Kommunikation mies (nicht nur wegen der Sprachbarriere, es wurde sich auch sonst keine Mühe gegeben), demotivierte Mitarbeiter, schlafende Mechaniker, Unzuverlässigkeit und schluderige Arbeit. Das Ergebnis war, dass wir das Büssli zwar am letzten Freitagnachmittag abholen konnten, unsere Freude und der Büssli-Motor allerdings nur etwa 40 km hielten. Dann blinkten Warnlampen auf: Wassertemperatur zu hoch! Freitagabend an der Schnellstrasse. Wir riefen den Mechaniker an, der uns nur sagte, dass jetzt Feierabend sei und er sich am nächsten Tag darum kümmern würde. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als das Büssli ein Stück neben die Strasse zu fahren und die Nacht dort zu verbringen. Wir parkten zufälligerweise neben einem Wachhäuschen, dass zu einer Baustelle gehörte. Am Samstagmorgen kam ein Wachmann zu uns und fragte, was wir dort machten. Nachdem wir ihm erklärt hatten, was los war, nahm er sich unserer an und telefonierte mit dem Mechaniker. So oft bis dieser mit drei Buddys gegen 1 Uhr Mittag im Auto kam. Die Vier betrachteten unser Problem, diskutierten und überlegten, was zu tun sei. Dann fuhren wir zusammen mit dem Mechaniker im Büssli langsam Richtung Werkstatt zurück.
Da ein Teil des Problems an fehlenden Ersatzteilen lag (der Mechaniker hat sozusagen auf gut Glück einen „ungefähr passenden“ Dichtsatz eingebaut, da es in Kasachstan anscheinend keinen genau passenden Dichtsatz für unseren Motor gibt), haben wir beschlossen einen Dichtsatz aus der Schweiz schicken zu lassen – damit die Bastelei ein Ende hat. Ein anderer Teil des Problems war der Mechaniker selber, der keinerlei Erfahrung mit dieser Art Motoren hatte. Damit auch das ein Ende hat, gingen wir am Montagmorgen zur VW-Werkstatt und schilderten dort unser Problem. Unser erster Eindruck war so viel positiver als bei der anderen Werkstatt und die vorhergesagten Kosten gleich hoch wie bei der Bastel-Werkstatt. Die Sache war klar und wir liessen das Büssli am Dienstagmorgen per Abschleppwagen zur VW-Werkstatt bringen. Jetzt steht es dort im sicheren Hinterhof und wartet auf die Ersatzteile. Da die Mechaniker selber ja kein englisch oder deutsch sprechen, wurde uns sogar ein deutsch-sprechender Mitarbeiter an die Seite gestellt. Das ist mal Service! Ein guter Anfang.

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Unser Quartier haben wir nach der Rückkehr nach Almaty am Samstag auch gewechselt. Wir waren so froh aus diesem Apartment-Loch gekommen zu sein, dass wir auf keinen Fall dorthin zurück wollten. Stattdessen haben wir ein niedliches, kleines Hostel im Zentrum gefunden („Almaty Central Hostel“). Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, sind mega lieb und hilfsbereit. Wir haben zwar keine Zimmertür, sondern nur einen Vorhang, der unser 2er-Zimmer von einem 6er-Zimmer trennt, aber da kaum andere Gäste da sind, ist das kein Problem.

Unser Mech in Winti hat uns gestern ein Paket mit einem Motorendichtsatz geschnürt, das nun per UPS auf dem Weg nach Almaty ist (eine UPS-Sendung zu erstellen, ist übrigens auch eine Wissenschaft für sich!). Im Moment ist das Paket in Frankfurt und wir hoffen, dass es seinen Flieger erwischt. Wenn alles läuft wie geplant, dann sollte das es am Donnerstagabend hier ankommen. Wir drücken die Daumen! Denn Ende nächster Woche läuft zu alledem auch noch unser Visum aus und wir haben ja noch ein Stück Weg vor uns bis nach Russland…

Almaty – Reparatur nach russischer Art

In Almaty waren wir mit dem „Office-Manager“ von Valentina’s Guesthouse verabredet. Da leider kein Platz mehr im Guesthouse war, sollten wir in einem Stadtapartment untergebracht werden. Der Manager führte uns zu einem alten Hochhaus im sowjetischen Stil. Das Treppenhaus war düster, der Lift wacklig und miefig und insgesamt schien alles schon recht heruntergekommen. Das Apartment im siebten Stock war auch schon ziemlich verwohnt. Aber immerhin war es zentral gelegen (soweit man beim weitläufigen Almaty überhaupt von einem Zentrum reden kann), im Bad gab’s eine Waschmaschine und in der Küche einen schicken grossen Kühlschrank. Das Bett hingegen sollte dringend mal erneuert werden! Sonst bleibt man bald ganz in dem Loch stecken, in dem nachts die Matratze versinkt… Ach ja, und was so kleine Krabbelviecher in Wohnungen angeht, sollte man hier auch nicht so heikel sein… Aber das sind wir ja auch nicht ;). Aber trotzdem wollen wir sobald wie möglich wieder im Büssli schlafen.
Nun ja, mal schauen, was die Werkstatt sagt… Welche Werkstatt überhaupt…? Es gibt ja soo viele, viele kleine Werkstättchen in Kasachstan! Ausserdem war Wochenende… Welche Werkstatt hat hier auch am Wochenende geöffnet? Wir haben den Samstag damit verbracht, sämtliche Leute, die uns vielleicht weiterhelfen könnten, anzuschreiben. Im Internet haben wir eine VW-Werkstatt gefunden, die allerdings etwas weiter ausserhalb lag und wahrscheinlich recht teuer sein würde. Auf all unsere Anfragen kam nur eine Antwort zur rechten Zeit: Maral und ihr Vater haben uns eine Werkstatt in der Nähe vom Apartment empfohlen. Als Dankeschön und auch, weil wir uns so gefreut haben, Maral kennenzulernen, wollten wir sie am Samstagabend zum Essen einladen. Aber wir haben die Rechnung ohne die kasachische Gastfreundschaft gemacht und so wurden wir schlussendlich zum Nachtessen (traditionelles Schaschlik) eingeladen.

In der Werkstatt mussten wir auf russisch unser Problem erklären. Nicht ganz einfach, da unsere Russischkenntnisse sehr beschränkt sind – von Fachausdrücken ganz zu schweigen. Aber mit Händen und Füssen konnten wir das Problem dann doch verständlich machen. Und der weisse Rauch war ja schliesslich nicht zu übersehen. Schnell war klar, die Wassermanteldichtung musste ersetzt werden, vermutlich bei den rechten zwei Zylindern. Aber zur Sicherheit wollten sie sowieso beide wechseln. Mit telefonischer Hilfe von Liudmila, unserer Russischlehrerin, konnten wir die noch offenen Fragen und Details klären (Ganz lieben Dank nochmal, Liudmila, du hast uns sehr geholfen!!!). Nachdem wir eine Anzahlung von 40’000 Tenge (~200 CHF) gemacht hatten, liessen wir unser Büssli wehmütig in der Werkstatt zurück.
Zum Trost gab es am Abend ein Bier und das WM-Spiel Schweiz-Ecuador mit erfreulichem Ergebnis :). Als Schweiz-Fans gehörten wir zwar zur Minderheit in der Bar, aber die Kasachen sind sehr tolerant und haben sich am Ende wohl auch ein bisschen für die Schweiz mitgefreut.

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Am darauffolgenden Tag statteten wir der Werkstatt einen kurzen (Kontroll-) Besuch ab. Tatsächlich, der Motor war zerlegt und die Ventilköpfe (hoffe, das ist der richtige Ausdruck) waren bereits unterwegs zum Überarbeiten. Die Werkstatt und wohl auch die Arbeitsweise in Kasachstan ist nicht mit der in der Schweiz zu vergleichen. Werkstattordnung ist ein Fremdwort. Überall liegen halb zerlegte Motoren und kaputte Teile herum. Die Beleuchtung bestand aus ein paar an der Wand hängenden Glühbirnen, die flackerten wenn nebenan in der Autowäsche der Hochdruckreiniger angeschaltet wurde. Halt eine richtige Bastelwerkstatt. Auf die Frage, ob sie denn schon mal solch ein Motor zerlegt hätten, antwortete der Mechaniker mit „нет никогда не видел“ („Nein, noch nie gesehen“). Die wissen, wie man Vertrauen schafft :-).

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Als nächstes mussten wir die mongolischen Visa besorgen und unser Garmin Navi, bei dem das Display kaputt gegangen ist, reparieren oder ersetzen. So machten wir uns auf und versuchten uns mit dem Busnetz von Almaty. Es gibt hier vermutlich über 200 Buslinien; ein System bei den Routen war für uns nicht zu erkennen. An den Haltestellen steht nicht immer dran, welcher Bus dort hält und Fahrpläne gibt es erst gar nicht, da sie wegen des Staus in der Innenstadt eh nicht eingehalten werden können. Lediglich im Internet gibt es ein Tool, mit dem man sich die passende Buslinie heraussuchen kann. Ob man dann die dazugehörige Haltestelle findet und der Bus wirklich so fährt wie geplant ist ein anderes Thema. Dafür ist das Preisschema sehr einfach: Für jeden Bus, in dem man fährt, zahlt man 80 Tenge (40 Rappen) an den Busbegleiter (der hat auch die Aufgabe, die Fahrgäste möglichst schnell in und aus dem Bus zu bugsieren). Fährt man eine längere Strecke im gleichen Bus, zahlt man manchmal nochmals 80 Tenge beim Aussteigen. Die alten Busse sind oft in einem abenteuerlichen Zustand, aber die Fahrer steuern sie sehr geschickt mit plötzlicher Beschleunigung und abruptem Bremsen durch den Stadtverkehr. Wer sich nicht festhält, hat definitiv verloren…

Ein Garmin Navi, das unseren Vorstellungen entsprach, konnten wir in keinem Laden finden. Wieso wir denn kein günstiges Russisches kaufen würden, wurden wir immer gefragt. So eins hatten wir bereits und es ist nicht wirklich brauchbar. Schlussendlich haben wir einen Verkäufer gefunden, der meinte, er würde uns eins auftreiben und uns später anrufen (Das hat er dann auch getan und noch am gleichen Abend waren wir fröhliche Besitzer eines neuen, schönen Navis).

Am Nachmittag haben wir nach weiteren Busfahrten und einem Marsch von ca. 8 km endlich das mongolische Konsulat erreicht. Auf das Klingeln am Tor erschien ein junger Herr und erklärte uns, dass wir am nächsten Tag wiederkommen sollten, der Konsul sei gerade in der Stadt unterwegs. Wir liessen uns nicht abwimmeln – schliesslich waren wir zu den offiziellen Öffnungszeiten da – und erklärten ihm, dass wir durch ganz Almaty gelaufen seien, um hier unser Visum zu beantragen. Daraufhin hatte er ein wenig Mitleid und liess uns eintreten. So konnte Christian zumindest das Formular ausfüllen und den Pass abgeben. Iris musste als deutsche Staatsbürgerin gar kein Visa beantragen. Wir hoffen, dass das auch die Grenzbeamten wissen! Anschliessend haben wir uns auf den langen Rückweg gemacht, aber glücklicherweise einen Bus gefunden, der den grössten Teil der Strecke gefahren ist, ohne dass wir umsteigen mussten. Am Abend gab’s wieder Public Viewing und wieder mit super Ergebnis: Deutschland-Portugal 4:0 ! 🙂

Am nächsten Tag sind wir direkt wieder zum Konsulat gefahren, um Christians Pass mit neuem Visa abzuholen. Als wir dort um ca. 14 Uhr ankamen, hing jedoch ein Schild am Tor, dass man nach 16 Uhr wiederkommen solle. Herrje… Also, wieder in den Bus und ein Stück in die Stadt zurückgefahren. Wir haben die Zeit genutzt, um Christian beim Frisör die Matte abnehmen zu lassen. Nun ist er stolzer Besitzer eines klassischen russischen Haarschnitts :). Zurück beim Konsulat war wieder der junge Herr da, der uns Christians Pass mit Visum durch das Tor reichte. Geschafft!

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Anschliessend sind wir eine gute Stunde im Bus zurückgefahren und noch eine weitere halbe Stunde gelaufen, um wieder bei der Werkstatt zu sein. Und siehe da: Büsslis Motor lief wieder! Juhuu!! Wir hattem dem Mechaniker gesagt, auch die Bremsen zu prüfen und den Grund eines klappernden Geräuschs am rechten Hinterrad herauszufinden. Ein Bremsentest und ein Check des rechten hinteren Antriebswellengelenks ist für heute angesetzt. Wir drücken weiter die Daumen, dass bis heute Abend alles fertig ist und das Büssli parat für die Etappe ins Altai-Gebirge, in die Mongolei, zum Baikalsee und nach Wladiwostok ist!