Von Irkutsk nach Ulaanbaatar

Wir fuhren bergauf und bergab um die südliche Spitze des Baikalsees herum. Mit etwas Glück (wir haben gerade eben unter der Eisenbahnbrücke hindurchgepasst) und über ein sehr holprigen Weg haben wir ein recht schönes Plätzchen am See zwischen anderen russischen Campern gefunden. Zum Baden war es leider zu kalt, aber im Büssli konnten wir gemütlich Christians Geburtstag feiern. Ab und zu rumpelten die Züge ein paar Meter hinter uns vorbei, aber ansonsten war es ruhig.
Am nächsten Tag und ein paar Kilometer weiter am östlichen Ufer entlang öffnete sich die Landschaft und wurde mehr und mehr zur hügeligen Steppe. An Ulan-Ude sind wir vorbeigefahren, um dann in einem Föhrenwäldchen mit Blick auf den Gänsesee ganz idyllisch zu übernachten. Von dort aus war es nicht mehr allzu weit bis zur mongolischen Grenze. Glücklicherweise war am Grenzübergang nicht viel los. Lediglich das Einsammeln der vier obligatorischen Stempel bei der Einreise hat eine Weile gedauert: Da wurde von einem zum anderen Schalter verwiesen, auf stempelbefugte Leute gewartet, es wurden unsere Daten handschriftlich in Bücher eingetragen und ein wenig Geld verlangt. Vermutlich für das Desinfektionsbad (eine braune nach Chlor riechende Brühe), durch das das Büssli zuvor fahren musste. Am Ende mussten wir noch eine Autohaftpflichtversicherung kaufen und dann ging’s ab in die Mongolei. Auf der Strasse nach Ulaanbaatar gab es insgesamt drei kleine Mautstellen. Der Betrag war nicht hoch, aber ob das Geld wirklich in den lokalen Strassenbau fliesst…? Naja, die Strasse war für mongolische Verhältnisse gut (wenn auch nicht so dolle im Vergleich zu den russischen Strassen). Die erste Nacht in der Mongolei verbrachten wir auf einem Hügel am Rand der Strasse.

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Guesthouse. Im Oasis trafen wir auf die Luzerner Tobi und Franziska in einem alten Toyota Landcruiser, die Baseler Sebastian und Alina in einem Mercedes-Bus und den Deutschen Heiko im Unimog. Später kamen noch zwei Belgier von der Werkstatt nebenan zurück. Es war irgendwie beruhigend zu hören, dass alle  – manche mehr, manche weniger – von irgendwelchen Fahrzeugproblemen zu berichten hatten. Das ist wohl wirklich Teil des Abenteuers. Und ohne das hätte man ja auch viel weniger zu erzählen ;).
Dank der anderen wussten wir schnell, auf welchen Märkten wir uns auf die Suche nach einem Ersatzschlauch machen konnten. Dass wir nicht genau diesen s-förmigen VW-T3-Schlauch finden würden, war uns klar. Aber wir wollten entweder zwei rechtwinklige Schläuche mit dem richtigen Durchmesser finden (und diese dann mit einem Metallröhrchen verbinden) oder ein s-förmiges Aluminiumrohr schweissen lassen. Wir klapperten einen grossen Markt zu Fuss ab. Ohne Mongolischkenntnisse war das aber wirklich mühsam und wir wurden von einem Stand zum nächsten geschickt, ohne das passende Teil zu finden. Wir haben es auch in der offiziellen VW-Werkstatt versucht, aber auch die haben uns bloss auf einen der vielen Märkte geschickt. Ohne Erfolg. Auf einem weiteren Markt haben wir dann zwei Schläuche gefunden, die wir eventuell mit etwas Basteln verbauen könnten. Mittlerweile war es Sonntag. Am Montag sollte der japanische Mechaniker der Werkstatt neben dem Oasis wieder da sein. Da er gut sein sollte, wollten wir mit der Reparatur auf ihn warten.
Am Sonntagnachmittag trafen noch Sandra und Markus mit ihrer alten T2 im Oasis ein. Es war der letzte Tag der Basler im Oasis und in Ulaanbaatar und so feierten wir am Abend mit einem Fondue-Essen (gaaanz lieben Dank nochmal, dass ihr euer feines Fondue mit uns geteilt habt!!).

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Montagmittag war der japanische Mechaniker wieder da und tüftelte mit den vorhanden Materialien eine Lösung aus. Am Ende wurde es ein in etwa s-förmiger Schlauch mit zu grossem Durchmesser, in den der Mech einen anderen Schlauch hineinklebte, so dass der Innendurchmesser passte. Zu dritt haben wir dann den alten Schlauch ersetzt, Wasser aufgefüllt und den neuen Schlauch getestet. Es sieht nicht schlecht aus und den ersten Test hat der neue Schlauch bestanden.

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Irkutsk

Nach unserem Ausflug nach Olchon wollten wir uns Zeit nehmen, um Irkutsk anzuschauen. Die Altstadt von Irkutsk ist nicht besonders gross und somit gut in ein paar Stunden abzulaufen. Da Irkutsk auch zu Sowjetzeiten für Besucher offen war, ist es recht gut auf Touristen eingestellt. In vielen Restaurants gibt es englische Speisekarten, es gibt touristische Wegweiser auf Englisch und sogar einen mit einer grünen Linie markierten Stadtrundgang zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten. Vor den Sehenswürdigkeiten stehen Schilder mit Infos auf Russisch und auf Englisch. Soviel Englisch haben wir noch in keiner russischen Stadt gesehen!

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Wenn Lenin das wüsste, er würd sich im Grab umdrehen…

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Typisches sibirisches Holzhaus.

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Ohne Worte

 

Unsere Hostel-Mama im „Mama Hostel“ sprach sogar Deutsch. Das Hostel war klein, gemütlich, zentral, aber trotzdem ruhig, in einem typisch sibirischen, alten Holzhaus; es gab eine verschmuste Katze und Hostel-Mama Galina hat uns verwöhnt und unsere Wäsche gewaschen. Am Morgen kamen acht deutsche Trans-Sib-Reisende an und Galina füllte uns alle mit Blinis ab, während wir lustig plauderten.

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Mama Hostel

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Schmusekatze vom Hostel

 

Olchon im Baikalsee

Wir hatten keine Ahnung, wann und wie oft die Fähre vom Festland nach Olchon fährt. Also machten wir uns auf gut Glück zum Fähranleger auf und reihten uns in die Schlange der wartenden Autos ein. Etwa 75 hatten wir vor uns. Doch leider passten immer nur etwa zwölf Autos auf die Fähre und sie fuhr nur einmal die Stunde. Naja, wir haben uns mittlerweile daran gewöhnt, dass die Uhren in Mittelasien langsamer ticken als in Mitteleuropa und ertrugen somit die sechs Stunden Wartezeit ohne grössere Ungeduldsanfälle. Die Überfahrt war umsonst und dauerte keine zehn Minuten.

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Schon von weitem haben wir gesehen, dass Olchon landschaftlich recht speziell ist. Es regnet nur wenig und dementsprechend karg ist die Landschaft. Auf der Westseite der Insel gibt es so gut wie keine Bäume und Sträucher, nur niedriges Gras und Schotter- bzw. Sandpisten. Dafür ist aber das Wasser auf dieser Seite „wärmer“, so dass auch Warmduscher wie wir sich – wenn auch fröstelnd – in den See begeben können. Ach ja, selbst für ein bisschen Wasserballett hat’s gereicht.

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Die vielen Touristen, die mit uns auf die Insel übergesetzt hatten, verteilten sich recht gut auf der Insel, so dass wir beim Übernachtungsplatz eher die Qual der Wahl hatten. Allerdings war es nicht so einfach, einen Platz zu finden, der einen Zugang zum Wasser und ein nicht einsehbares „stilles Örtchen“ bot… Aber letztendlich hatten wir einen guten Platz mit einer phänomenalen Aussicht.

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Wir sind knapp drei Tage auf Olchon geblieben. Es war schön, mal wieder eine längere Langstrecken-Fahrpause zu haben und sich für andere Dinge mehr Zeit zu nehmen. Zum Beispiel fürs Kochen (es gab Kaiserschmarrn mit von Hand geschlagenem Eischnee).

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Einmal quer durch Sibirien

Der Baikalsee rief uns und wir folgten seinem Ruf. In 3,5 Tagen sind wir durch die malerische Taiga, umrahmt von spektakulären Wetterkapriolen, von Novosibirsk nach Irkutsk gebraust.
Am ersten Tag regnete es eimerweise. Vor allem in den Städten war das Abwassersystem hoffnungslos überfordert (Gab es überhaupt eins? Wir haben keine Gullis gesehen…) und das Wasser stand teilweise 20 cm tief auf dem Asphalt oder rauschte in Sturzbächen an uns vorbei. Uns taten die russischen Fussgängerinnen in ihren Kleidchen und Stöckelschühchen Leid. Aber ehrlich gesagt war es auch ein bisschen lustig ;). Ach ja, und da Schadenfreude bekanntlich nicht ungestraft bleibt, tauchte wenig später unser schon aus einem früheren Spanien-Urlaub bekanntes Regenproblem auf: Der Motor schaltete ab. Der Motor liess sich zwar immer gleich wieder anstellen, aber nie lang, vor allem nicht im langsamen Stadtverkehr. So zündete Christian alle 50 m neu bis wir einen Parkplatz gefunden hatten. Dort liessen wir das Büssli eine gute halbe Stunde trocknen (es hatte mittlerweile aufgehört zu regnen). Danach fuhren wir – immer noch nicht flüssig – weiter. Ausserhalb der Stadt ging’s dann wieder gut. Dort war auch nicht so viel Wasser auf der Strasse. Am Abend auf einer „Avtostajanka“ (Autorastplatz) machten wir einen Zündkabel-Check, indem wir im Dunkeln bei laufendem Motor Wasser auf die Zündkabel sprühten und nach Funken Ausschau hielten. Zu sehen war nichts, aber wir tauschten trotzdem mal alle Zündkabel aus – ein Versuch war es Wert. Gleich am nächsten Tag, der wieder extrem viel Regen brachte, konnten wir unsere „Reparatur“ testen. Und tatsächlich, der Motor hat nicht abgestellt. Vielleicht hatte ja eins der Kabel wirklich einen Knacks.

 

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Etwa 250 km vor Krasnojarsk haben wir den 18-jährigen Vlad, der mit seinem grossen Rucksack auch in Richtung Osten wollte, aufgegabelt. Vlad schien die vorige Nacht nicht viel Schlaf bekommen zu haben, denn er verschlief fast die ganze Fahrt. Vielleicht lag es an dem heftigen Gewitter, das im Moment fast jeden Abend über Sibirien tobt und im Zelt sicher nicht so angenehm ist wie im Büssli.
Etwa 150 km vor Krasnojarsk bemerkten wir, dass unser Büssli (mal wieder) Kühlwasser verliert und fanden einen undichten Schlauchübergang. Da es nur wenig Wasser war und die Stelle nur schlecht erreichbar war, drückten wir alle vier Daumen (Vlad hat ja geschlafen) und fuhren erstmal weiter.
In Krasnojarsk haben wir Vlad, der mittlerweile ausgeschlafen hatte, ausgeladen und uns auf die Suche nach einem Übernachtungsplatz gemacht. Es hat sich aber mal wieder herausgestellt, dass das in und um Grossstädte herum gar nicht so einfach ist. Noch dazu ist die Gegend um Krasnojarsk am Enisej-Ufer sehr hügelig und somit ist fast jedes befahrbare Stückchen Land besiedelt. Am Ende haben wie die Hoffnung auf ein idyllisches Plätzchen aufgegeben und uns auf den Parkplatz an der „Talstation“ eines kleinen (Ski-)Lifts im Süden der Stadt am Rande des Nationalparks gestellt. Da die Strasse eine Sackgasse war und lediglich zum Lift führte, hatten wir mit einer ruhigen Nacht gerechnet. Aber leider fanden auch ein paar Motorradfahrer die wenig befahrene Strasse toll, um dort ihre nächtlichen Runden zu drehen…

 

 

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Nach einer kurzen Nacht fuhren wir weiter Richtung Irkutsk. Als wir auf dem Parkplatz eines kleinen Supermarkts in Nischneudinsk anhielten und einen kurzen, prüfenden Blick unters Büssli warfen, sahen wir einen deutlichen Kühlwasserfleck. Mist! Zum x-ten Mal räumten wir das Büssli hinten aus, um in den Motorraum schauen zu können. Diesmal leckte es an einer anderen Stelle – auch hier an einem Schlauchübergang. Naja, das sollte eigentlich auch in einer kleinen Dorfwerkstatt zu reparieren sein. Also suchten wir uns eine der in jedem Örtchen zahlreich vertretenen Werkstätten aus, die gerade noch einen Platz frei hatte. Die Werkstatt befand sich etwa 100 m vom örtlichen Ballungszentrum der Autoersatzteilhändler (auch von diesen gibt es in jedem Dorf so einige) entfernt. Sehr praktisch, denn zuerst mussten wir auf die Suche nach einem Ersatzschlauch gehen – der war nämlich an der Befestigungsstelle eingerissen. Einen Schlauch mit den passenden Biegungen an den richtigen Stellen gab es natürlich nicht und so wurde in der Werkstatt ein bisschen gezaubert (ein Teil neuer Schlauch, ein Teil alter Schlauch, ein Metallrohr und zwei Brieden – und …puff… das Ersatzteil war fertig). Nun musste nur noch das bei der Reparatur verlorengegangene Kühlwasser aufgefüllt werden. Keiner der sechs Ersatzteilehändler hatte ein VW-Antifreeze. Wahrscheinlich hätte auch eins der vorrätigen japanischen Antifreeze funktioniert, aber wir wollten keine Experimente eingehen und füllten somit nur mit Wasser auf – es fehlte ja nicht viel.
Weiter ging die Fahrt. Die nächste Nacht verbrachten wir zwischen LKWs, Plumpsklo und Zapfsäulen auf einem Rastplatz-Parkplatz. Am nächsten Morgen: Das Büssli tropfte fröhlich vor sich hin… an der reparierten Stelle. Wir zogen die Schrauben an den Brieden nach. Den nächsten Tag durch hat’s gehalten – drückt die Daumen, dass es auch weiter hält!

 

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Am gleichen Abend noch – wir haben es selbst fast nicht glauben können – sahen wir plötzlich den Baikalsee vor uns! Ein grosses Zwischenziel ist erreicht. Wir haben einen wunderschönen Stellplatz abseits der Strasse in einem lichten Förenwäldchen mit Sicht auf den See und umgeben von vielen kleinen Blumen gefunden und es uns für’s Erste gemütlich gemacht. Es sieht hier fast aus wie im Hochgebirge, obwohl wir nur auf 600 m sind. Morgen geht es dann weiter auf die Insel Ochlon.

 

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Novosibirsk – Обское море

In Omsk haben wir zwei Werkstätten besucht; eine war sogar auf VW spezialisiert, die andere auf Lastwagen (dort sind wir mehr per Zufall vorbeigekommen). Beide fanden, dass sie den Büssli-Motor mit den entsprechenden Ersatzteilen reparieren könnten. Wir waren jedoch nach unseren Erfahrungen in Almaty nicht so ganz davon überzeugt und wollten eine richtige VW-Werkstatt. Daher beschlossen wir mit dem Rauchzeichen-gebenden Büssli weiter nach Novosibirsk zu fahren. Dort gibt es nämlich eine offizielle VW-Werkstatt. Sogar zwei laut Internet. Die 800 Kilometer von Omsk nach Novosibirsk liefen dann auch ganz flott und ohne weitere Probleme. Zu bewundern gab es vor allem die weite sibirische Landschaft. Ein bisschen wie Finnland, aber viel grösser. Die Übernachtungsplätze haben wir versucht, so mückenarm wie möglich auszusuchen, aber das war eigentlich praktisch nicht möglich. Und wenn es doch mal wenig Mücken gab, dann gab es viele kleine, lästige Fliegen.

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In Novosibirsk haben wir einen der beiden VW-Vertreter angesteuert. Nach einer kurzen Diagnose des Motors haben wir erfahren, dass es wohl ein Leck im Kühlwasserkreislauf gibt. Eigentlich ja nichts Neues für uns; spannend war aber, dass sie die Diagnose anhand der Verfärbung der Zündkerzen erstellt hatten. So konnte sogar bestimmt werden, welcher Zylinder Wasser frisst. Hätten wir das auch schon vor unseren Ferien feststellen können? Naja, wir lernen dazu. Wie auch immer, die Zündkerzen waren eh schon überfällig und so haben wir diese auch gleich gewechselt. Wir haben für den nächsten Tag einen neuen Termin ausgemacht, um zu schauen, ob eine Verfärbung der neuen Kerzen die Diagnose bestätigt. Ausserdem wollten wir das Ventilspiel einstellen lassen, in der Hoffnung, dass dann das Klappern der Stössel, das uns seit Almaty verfolgt, verschwindet.

In der Werkstatt haben wir Aleksandar kennengelernt. Ein Russe mit deutscher Abstammung. Er war eine grosse Hilfe beim Übersetzen und zeigte uns am Abend dann auch einen wunderschönen Platz am Обское море, dem Novosibirsker „Meer“ (Stausee), wo wir übernachten konnten. Nach einer kurzen Nacht und einem morgendlichen Bad im kühlen See sind wir wieder in die Werkstatt gefahren. Der Mechaniker, der sogar eine russische Ausgabe unseres Büssli-Handbuches hatte, stellte das Ventilspiel ein. Er ist selbst Besitzer einer VW-Busses ist (vermutlich einer der östlichsten der Welt), was uns irgendwie beruhigt hat. Bei einem solchen Mechaniker ist unser Büssli in guten Händen. Der erneute Check der Zündkerze im vermutlich kränkelnden Zylinder 3 war wieder verfärbt – das Leck war somit bestätigt. Da die Dichtungen ja gerade erst gewechselt wurden, vermuten wir das Leck im Zylinderkopf selbst (auch wenn unser Mech in der Schweiz noch nie so etwas erlebt hat). Den Grund für das laute Motorengeräusch, das wir seit Almaty hören, wurde auch gefunden: ein Leck im Auspuff direkt nach dem Zylinderkopf. Nicht tragisch, einfach nur laut. Die Stössel klappern leider auch nach dem Einstellen noch immer wie zuvor.

Also, neue Zylinderköpfe müssen her. Da es schon spät war, sind wir wieder zum Обское море rausgefahren, um dort die Nacht zu verbringen. Die Ersatzteillogistik wollten wir am nächsten Tag organisieren. Da wussten wir aber noch nicht wie kompliziert Mutti Russland sich anstellen kann…

Am Обское море war unser Plätzchen von der vorheriger Nacht leider schon besetzt, so dass wir uns ein wenig daneben platzieren mussten. Zum Abendessen gab es leckeren Lachs vom Grill und Nudelsalat – das erste Mal seit langem, dass wir die Zeit und Musse hatten, etwas zu kochen. Und dann auch noch etwas anderes als Pasta mit Tomatensauce. Bevor wir zum Essen kamen, wurde Christian jedoch von unseren russischen Nachbarn zur Ausbesserung der Treppe, die an den See hinunterführte, eingespannt. Zusammen mit Sasch und Sergei „durfte“ er Sand schaufeln und Holzblöcke eingraben. Zum Dank gab es später Wodka, Tee und selbstgebackene Hotdogs.

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Christian hatte sich beim Treppenbau so gut angestellt, dass er nach unserem Lachs-Abendessen wieder helfen sollte. Diesmal beim „Fischen nach russischer Art“. Die vier Männer haben sich in die Fluten gestürzt und ein Stück vom Ufer entfernt zwei lange Fischernetze im See ausgebreitet. Am nächsten Morgen um 5 wollten die Russen sie wieder einholen (dann seien die Netze voller Fische). Natürlich wieder mit Christians Hilfe, ist ja klar! Christian war natürlich hellauf begeistert und voller Tatendrang :). Aber eigentlich hoffte er, dass sie uns dann doch nicht wecken würden…

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Später am Abend kam uns noch Aleksandar mit seiner Frau besuchen. Sie brachten uns frisches Gemüse aus ihrem Garten mit (das bekommt man hier sonst nur auf Märkten – in den Supermärkten ist das Gemüse selten frisch) Ausserdem haben sie uns selbstgemachte Gefüllte Weinblätter geschenkt – lecker! Bis um halb drei haben wir uns bei Wodka und Bier mit Aleksandar und seiner Frau sowie mit einem unserer Zeltnachbarn unterhalten. Unser Zeltnachbar hat uns dabei unsere Landkarte neu beschriftet und alle schönen Orte von Novosibirsk bis Wladiwostok eingekreist.

Am nächsten Morgen – zum Glück nicht um fünf, sondern erst um halb acht – polterte es dann ans Büssli. „Ryba, Ryba“ („Fisch, Fisch“), wurde gerufen und wieder geklopft. Bald war klar, dass Christian wohl zum Dienst antreten musste. Also, auf in die Badehose und ins kühle Nass. Mit einer Luftmatratze bewaffnet, schwammen die drei Herren (der Vierte, unser nächtlicher Besucher, schlummerte noch tief und fest in seinem Zelt) Richtung Netze und siehe da: Die Netze waren tatsächlich voll mit Fischen. Mindestens drei verschiedene Sorten (vermutlich Egli, kleine Hechte und sonst noch etwas Forellenähnliches) von 5 bis 30 cm Länge und etwa 20 Stück pro Netz. Nachdem alles auf die Luftmatratze geladen war, wurde diese samt Fischen das steile Ufer hinaufgehievt. Die russischen Fischerkollegen sprachen dann schon wieder von Wodka, aber Christian lehnte dankend ab und legte sich nochmals aufs Ohr. Der gestrige Abend war lang…

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Flucht aus Almaty

Irgendwie und mit Hilfe des neuen Dichtungssatzes aus der Schweiz haben sie bei der VW-Werkstatt in Almaty unser Büssli wieder einigermassen „flott“ gekriegt. Es läuft zwar nicht so wie gewohnt – die Hydrostössel klappern und der Motor dröhnt lauter als normal -, aber wir mussten Kasachstan wegen des ablaufenden Visums verlassen. Es scheint doch viel schwieriger zu sein, eine Werkstatt zu finden, die rein mechanische Boxermotoren reparieren kann als eine, die sich mit neuen Autos mit viel Elektrokram drin auskennt.

Von der Werkstatt aus fuhren wir zum Hostel und beluden unser Büssli wieder mal von Neuem. Nach der Erfahrung der vorigen Abfahrt aus Almaty waren wir skeptisch und so richtige Freude kam nicht auf. Auch wegen der rund 1800 km, die wir innerhalb von 3 Tagen über kasachische Strassen fahren mussten. Nachdem alles eingeladen war und wir uns von unserer super lieben Hostel-„Mama“ verabschiedet hatten, ging es los durch den Abendverkehr von Almaty. Zwei Stunden später nach viel Gedränge, Gehupe und dichten Abgaswolken fuhren wir endlich auf der M36 Richtung Astana. Gemäss Recherche sei dies die Strasse, auf der wir am schnellsten nach Russland kommen sollten. Der Zustand reichte dann auch von passabler Landstrasse bis zu neuer, sechsspuriger Autobahn. Wir verbrachten zwei Tage mit je bis zu 14 Stunden Büssli-Fahren. Den quietsch-türkisfarbenen Balkash-See haben wir leider nur von weitem gesehen. Langsam veränderte sich die Landschaft: aus Steppe wurden grüne Wiesen, aus grünen Wiesen Sumpflandschaften mit kleinen Birkenwäldchen. Pünktlich am 5.6., dem Ablauftag unseres Visums, erreichten wir die kasachische Grenze. Die Ausreise aus Kasachstan und die Einreise nach Russland liefen glücklicherweise schnell und unkompliziert.

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Das Problem mit dem Rauch/Dampf beim Warmstart haben wir leider noch immer. Es kommt etwas weniger aus dem Auspuff als vor der Reparatur, aber ein Leck zwischen Wasserkreislauf und Zylinder ist scheinbar immer noch da. Wir sind langsam wirklich ratlos. Eine Fahrt durch die Mongolei kommt so nicht in Frage, darum wollen wir in Novosibirsk nochmal einen Reparaturversuch starten. Die Frage ist nur, in welcher Werkstatt?!?! Wenn es nicht mal eine offizielle VW-Werkstatt schafft…

Noch ist uns das Lachen nicht vergangen… 😉

 

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