Novosibirsk – die 3. Motor-Reparatur

 

Nachdem wir mit sehr viel Aufwand und nach sehr langer Zeit endlich unser Paket mit den Ersatzteilen erhalten haben, sind wir natürlich so schnell wie möglich zur VW-Werkstatt gefahren. Sergei, der Spezialist auf alten Fahrzeugen, hatte ab Freitag Dienst. Da er selbst Besitzer eines T3 Transporter ist, waren wir sicher, dass unser Büssli in guten Händen ist. Die Mechaniker waren begeistert von der Qualität der Ersatzteile. Vermutlich haben sie uns nicht geglaubt, dass wir die Teile wirklich auftreiben können. Während des TNT-Express-Debakels haben allerdings auch wir daran gezweifelt, jemals unsere Ersatzteile zu erhalten.

WP_20140725_002

Während der Reparatur durfte Christian die ganze Zeit anwesend sein. Er wurde schon fast zu einem richtigen Mitarbeiter von der „Avtomir“-Werkstatt („Autowelt“-Werkstatt), inklusive Mittagessen in der Kantine. Sergei, der Manager (nicht zu verwechseln mit Sergei dem Mechaniker), hat für die Reparatur einen Tag veranschlagt. Das war schon ein wenig optimistisch, aber wir hatten nichts gegen optimistische Zeitangaben. Als erstes wurde der Motor ausgebaut. Bei unserem Fahrzeug eigentlich keine grosse Sache. Da haben die VW-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Auspuffanlage abschrauben, Motor von Getriebe abschrauben, die Motorhalterung lösen und schon kann er unten aus dem Fahrzeug genommen werden.

WP_20140725_001

Danach ging es an die Demontage der Zylinderköpfe und den Ausbau der Zylinder. Als alles auseinandergenommen war, konnten wir die Bastelarbeit der Werkstätten in Kasachstan erkennen. Einen Stehbolzen, der bei der Montage überdehnt worden war, hatten die VW-Mechaniker in Almaty aus normalem Stahl selber neu gefertigt. Ein Wunder, dass das Ganze gehalten hat… Den O-Ring an der Unterseite vom Zylinder hatte weder der Bastler Mischa noch die VW-Werkstatt in Almaty gewechselt. Der alte O-Ring war schon fast mit dem Zylinder Eins geworden und konnte vor lauter Gummipaste zuerst gar nicht gefunden werden. Der Zylinder 3 hatte schon ziemliche Riefen und Beschädigungen. Wie vermutet, war das Wasser in diesen Zylinder eingedrungen und hatte deutliche Spuren hinterlassen.

WP_20140725_15_24_00_Pro

Während all der Arbeiten konnte Christian immer wieder ein wenig helfen. Gleichzeitig war es auch eine gute Gelegenheit, das Arbeitsverhalten in einer russischen Werkstatt zu beobachten. Einige der vor allem jungen Mechaniker lagen die meiste Zeit in der Werkstatt rum oder spielten mit ihrem Handy. Zwischendurch schraubten sie sogar noch am eigenen Fahrzeug auf dem Parkplatz rum. Vermutlich werden die Mechaniker nur für die Stunden, die sie an einem Auto arbeiten, bezahlt. Und laut eines Verkaufsangestellten in der VW-Filiale würden die Mechaniker nur so viel arbeiten wie sie müssten. Also, entweder reichen ihnen schon wenige Arbeitsstunden um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren oder es gab nicht mehr Aufträge, die sie hätten übernehmen können.

Das Mittagessen fand in der betriebseigenen Kantine in einem kleinen Raum ohne Fenster statt. Für rund 150 Rubel (knapp 4 CHF) gab es ein in der Mikrowelle aufgewärmtes Essen, das weder gut aussah noch gut schmeckte. Unser Mechaniker Sergei hat sich für die Mittagspause gerade mal 15 Minuten Zeit genommen und ist dann sofort wieder an die Arbeit zurück.

Am Abend des ersten Tages hatten wir also den Motor demontiert und alles gereinigt. Mit der Montage der neuen Zylinderköpfe wollten wir am nächsten Morgen beginnen. Alexander, der einzige deutschsprechende Mitarbeiter von Avtomir (und eine sehr grosse Hilfe beim Übersetzen), chauffierte Christian in seinem Schiguli zurück ins Hostel.

Am nächsten Morgen ging es also mit der Montage der Zylinderköpfe weiter. Von den Stehbolzen konnten wir nur den in Almaty „erneuerten“ auswechseln. Die Restlichen liessen sich nicht lösen und aus Angst, ein Gewinde im Motorenblock zu zerstören, haben wir die Bolzen drinnen gelassen. Gegen Mittag konnten wir den Motor wieder einbauen und die Schläuche und Rohre des Kühlwasserkreislaufs zusammenbauen. Einige der Kühlmittelschläuche waren schon sehr alt und es war klar, dass diese nicht mehr ewig halten würden. Dass wir aber schon sehr bald Probleme mit ihnen bekommen würden, hatten wir jedoch nicht gedacht. Aber dazu mehr im nächsten Bericht.

Gegen neun Uhr abends konnte Christian dann endlich das Büssli aus der Werkstatt fahren. Der Motor klang wie neu, war er ja teilweise auch. Nach all der praktischen Motorenschulung kann Christian die nächste Motorenrevision wohl selber durchführen ;).

Novosibirsk

GW0B1076

Angeblich der geografische Mittelpunkt von Russland (berechnet ohne die Krim)

GW0B1083

Lenin ist auch ein Skater

L1070838

Die Freiheitsstatue von Novosibirsk. Für mehr Freiheit hat es damals nicht gereicht 😉

 

 

Die unendliche Geschichte mit TNT hält uns seit einer Woche in Novosibirsk fest. Wir hatten gehofft, mehr vom Altai sehen zu können, aber das kränkelnde Büssli liess uns auf der gut befahrbaren Hauptstrasse bleiben und die Schwerfälligkeit von TNT rief uns zurück nach Novosibirsk. Wir haben glücklicherweise – über Beziehungen 😉 – ein hübsches Hostel (Hostel Provence) im Zentrum gefunden, von wo aus wir jeden Werktag zu TNT Novosibirsk spazieren, damit wir dort nicht in Vergessenheit geraten. Nebenbei versuchen wir aber auch, ein bisschen was von der Stadt zu sehen. Wenn Novosibirsk auch nicht gerade vor Sehenswürdigkeiten strotzt, so kann man sich doch mit kleineren Ausflügen die Zeit vertreiben. Wir sind zum Beispiel im grössten Einkaufszentrum der Stadt (Aura) shoppen und günstig essen gegangen, haben das kleine CCCP-(UdSSR-)Museum angeschaut und den Zoo besucht. Das Museum ist herzerfrischend. Es befindet sich in einem Kellerraum, in dem der Geruch an Omas Kleiderschrank erinnert und alles etwas chaotisch aussieht. Der Kühlschrank von 1962 läuft sogar noch und kühlt fleissig die Klappstullen der Angestellten. Das Tolle ist: Man darf alles anfassen und fotografieren. Die Angestellten bemühen sich sehr und bieten auch Führungen an. Da leider alle ausschliesslich russisch sprechen, haben wir jedoch auf eine Führung verzichtet.

Vor dem Zoo in Novosibirsk muss man im Gegensatz zu anderen Zoos in Russland keine Angst haben. Die Bedingungen, unter denen die Tiere dort eingesperrt sind, scheinen relativ anständig, wenn auch manche Käfige zu klein sind (aber das sind sie ja eigentlich in jedem Zoo). Für die Besucher ist bestens gesorgt: Die ganze Anlage ist gross, grün und durch die vielen Bäume recht schattig, was bei den sommerlichen Temperaturen hier (~30°C) super ist.

 

GW0B1122

Muntere Erdmännchen im Zoo

GW0B1144

Knutovski von Novosibirsk

L1070874

CCCP Museum

L1070849

Komisch die gleichen Plakate kann man unseren alten Bunkern sehen 😉

 

 

Novosibirsk – Обское море

In Omsk haben wir zwei Werkstätten besucht; eine war sogar auf VW spezialisiert, die andere auf Lastwagen (dort sind wir mehr per Zufall vorbeigekommen). Beide fanden, dass sie den Büssli-Motor mit den entsprechenden Ersatzteilen reparieren könnten. Wir waren jedoch nach unseren Erfahrungen in Almaty nicht so ganz davon überzeugt und wollten eine richtige VW-Werkstatt. Daher beschlossen wir mit dem Rauchzeichen-gebenden Büssli weiter nach Novosibirsk zu fahren. Dort gibt es nämlich eine offizielle VW-Werkstatt. Sogar zwei laut Internet. Die 800 Kilometer von Omsk nach Novosibirsk liefen dann auch ganz flott und ohne weitere Probleme. Zu bewundern gab es vor allem die weite sibirische Landschaft. Ein bisschen wie Finnland, aber viel grösser. Die Übernachtungsplätze haben wir versucht, so mückenarm wie möglich auszusuchen, aber das war eigentlich praktisch nicht möglich. Und wenn es doch mal wenig Mücken gab, dann gab es viele kleine, lästige Fliegen.

IMG_6890

In Novosibirsk haben wir einen der beiden VW-Vertreter angesteuert. Nach einer kurzen Diagnose des Motors haben wir erfahren, dass es wohl ein Leck im Kühlwasserkreislauf gibt. Eigentlich ja nichts Neues für uns; spannend war aber, dass sie die Diagnose anhand der Verfärbung der Zündkerzen erstellt hatten. So konnte sogar bestimmt werden, welcher Zylinder Wasser frisst. Hätten wir das auch schon vor unseren Ferien feststellen können? Naja, wir lernen dazu. Wie auch immer, die Zündkerzen waren eh schon überfällig und so haben wir diese auch gleich gewechselt. Wir haben für den nächsten Tag einen neuen Termin ausgemacht, um zu schauen, ob eine Verfärbung der neuen Kerzen die Diagnose bestätigt. Ausserdem wollten wir das Ventilspiel einstellen lassen, in der Hoffnung, dass dann das Klappern der Stössel, das uns seit Almaty verfolgt, verschwindet.

In der Werkstatt haben wir Aleksandar kennengelernt. Ein Russe mit deutscher Abstammung. Er war eine grosse Hilfe beim Übersetzen und zeigte uns am Abend dann auch einen wunderschönen Platz am Обское море, dem Novosibirsker „Meer“ (Stausee), wo wir übernachten konnten. Nach einer kurzen Nacht und einem morgendlichen Bad im kühlen See sind wir wieder in die Werkstatt gefahren. Der Mechaniker, der sogar eine russische Ausgabe unseres Büssli-Handbuches hatte, stellte das Ventilspiel ein. Er ist selbst Besitzer einer VW-Busses ist (vermutlich einer der östlichsten der Welt), was uns irgendwie beruhigt hat. Bei einem solchen Mechaniker ist unser Büssli in guten Händen. Der erneute Check der Zündkerze im vermutlich kränkelnden Zylinder 3 war wieder verfärbt – das Leck war somit bestätigt. Da die Dichtungen ja gerade erst gewechselt wurden, vermuten wir das Leck im Zylinderkopf selbst (auch wenn unser Mech in der Schweiz noch nie so etwas erlebt hat). Den Grund für das laute Motorengeräusch, das wir seit Almaty hören, wurde auch gefunden: ein Leck im Auspuff direkt nach dem Zylinderkopf. Nicht tragisch, einfach nur laut. Die Stössel klappern leider auch nach dem Einstellen noch immer wie zuvor.

Also, neue Zylinderköpfe müssen her. Da es schon spät war, sind wir wieder zum Обское море rausgefahren, um dort die Nacht zu verbringen. Die Ersatzteillogistik wollten wir am nächsten Tag organisieren. Da wussten wir aber noch nicht wie kompliziert Mutti Russland sich anstellen kann…

Am Обское море war unser Plätzchen von der vorheriger Nacht leider schon besetzt, so dass wir uns ein wenig daneben platzieren mussten. Zum Abendessen gab es leckeren Lachs vom Grill und Nudelsalat – das erste Mal seit langem, dass wir die Zeit und Musse hatten, etwas zu kochen. Und dann auch noch etwas anderes als Pasta mit Tomatensauce. Bevor wir zum Essen kamen, wurde Christian jedoch von unseren russischen Nachbarn zur Ausbesserung der Treppe, die an den See hinunterführte, eingespannt. Zusammen mit Sasch und Sergei „durfte“ er Sand schaufeln und Holzblöcke eingraben. Zum Dank gab es später Wodka, Tee und selbstgebackene Hotdogs.

L1070732

Christian hatte sich beim Treppenbau so gut angestellt, dass er nach unserem Lachs-Abendessen wieder helfen sollte. Diesmal beim „Fischen nach russischer Art“. Die vier Männer haben sich in die Fluten gestürzt und ein Stück vom Ufer entfernt zwei lange Fischernetze im See ausgebreitet. Am nächsten Morgen um 5 wollten die Russen sie wieder einholen (dann seien die Netze voller Fische). Natürlich wieder mit Christians Hilfe, ist ja klar! Christian war natürlich hellauf begeistert und voller Tatendrang :). Aber eigentlich hoffte er, dass sie uns dann doch nicht wecken würden…

GW0B1014

Später am Abend kam uns noch Aleksandar mit seiner Frau besuchen. Sie brachten uns frisches Gemüse aus ihrem Garten mit (das bekommt man hier sonst nur auf Märkten – in den Supermärkten ist das Gemüse selten frisch) Ausserdem haben sie uns selbstgemachte Gefüllte Weinblätter geschenkt – lecker! Bis um halb drei haben wir uns bei Wodka und Bier mit Aleksandar und seiner Frau sowie mit einem unserer Zeltnachbarn unterhalten. Unser Zeltnachbar hat uns dabei unsere Landkarte neu beschriftet und alle schönen Orte von Novosibirsk bis Wladiwostok eingekreist.

Am nächsten Morgen – zum Glück nicht um fünf, sondern erst um halb acht – polterte es dann ans Büssli. „Ryba, Ryba“ („Fisch, Fisch“), wurde gerufen und wieder geklopft. Bald war klar, dass Christian wohl zum Dienst antreten musste. Also, auf in die Badehose und ins kühle Nass. Mit einer Luftmatratze bewaffnet, schwammen die drei Herren (der Vierte, unser nächtlicher Besucher, schlummerte noch tief und fest in seinem Zelt) Richtung Netze und siehe da: Die Netze waren tatsächlich voll mit Fischen. Mindestens drei verschiedene Sorten (vermutlich Egli, kleine Hechte und sonst noch etwas Forellenähnliches) von 5 bis 30 cm Länge und etwa 20 Stück pro Netz. Nachdem alles auf die Luftmatratze geladen war, wurde diese samt Fischen das steile Ufer hinaufgehievt. Die russischen Fischerkollegen sprachen dann schon wieder von Wodka, aber Christian lehnte dankend ab und legte sich nochmals aufs Ohr. Der gestrige Abend war lang…

L1070740

 

Winterthur

Winti, wir vermissen dich und vor allem das beste, schönste und tollste Festival der Schweiz, das wir dieses Jahr verpassen werden. Aber irgendeiner muss ja mal durch das Tor zum Osten wirklich nach Osten fahren.

Ah ja, und wieso die glücklichsten Männer in Luzern wohnen, wissen wir schon, gell Stephanie? 😉

Almaty – eine unendliche Geschichte

Wir kommen hier einfach nicht weg – es ist wie verhext! Vielleicht liegt es daran, dass wir bisher keine Sehenswürdigkeiten angeschaut haben und Almaty uns deswegen nicht gehen lassen will!? Aber ehrlich gesagt, steht uns gar nicht der Sinn nach Sightseeing. Und das liegt vor allem an den Geschehnissen der letzten Tage:

Die Werkstatt, in die wir das Büssli gebracht hatten, hat sich als echte Chaoten-Werkstatt entpuppt. Äusserlich war uns das ja von Anfang an klar, aber sie war auch sonst so. Kommunikation mies (nicht nur wegen der Sprachbarriere, es wurde sich auch sonst keine Mühe gegeben), demotivierte Mitarbeiter, schlafende Mechaniker, Unzuverlässigkeit und schluderige Arbeit. Das Ergebnis war, dass wir das Büssli zwar am letzten Freitagnachmittag abholen konnten, unsere Freude und der Büssli-Motor allerdings nur etwa 40 km hielten. Dann blinkten Warnlampen auf: Wassertemperatur zu hoch! Freitagabend an der Schnellstrasse. Wir riefen den Mechaniker an, der uns nur sagte, dass jetzt Feierabend sei und er sich am nächsten Tag darum kümmern würde. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als das Büssli ein Stück neben die Strasse zu fahren und die Nacht dort zu verbringen. Wir parkten zufälligerweise neben einem Wachhäuschen, dass zu einer Baustelle gehörte. Am Samstagmorgen kam ein Wachmann zu uns und fragte, was wir dort machten. Nachdem wir ihm erklärt hatten, was los war, nahm er sich unserer an und telefonierte mit dem Mechaniker. So oft bis dieser mit drei Buddys gegen 1 Uhr Mittag im Auto kam. Die Vier betrachteten unser Problem, diskutierten und überlegten, was zu tun sei. Dann fuhren wir zusammen mit dem Mechaniker im Büssli langsam Richtung Werkstatt zurück.
Da ein Teil des Problems an fehlenden Ersatzteilen lag (der Mechaniker hat sozusagen auf gut Glück einen „ungefähr passenden“ Dichtsatz eingebaut, da es in Kasachstan anscheinend keinen genau passenden Dichtsatz für unseren Motor gibt), haben wir beschlossen einen Dichtsatz aus der Schweiz schicken zu lassen – damit die Bastelei ein Ende hat. Ein anderer Teil des Problems war der Mechaniker selber, der keinerlei Erfahrung mit dieser Art Motoren hatte. Damit auch das ein Ende hat, gingen wir am Montagmorgen zur VW-Werkstatt und schilderten dort unser Problem. Unser erster Eindruck war so viel positiver als bei der anderen Werkstatt und die vorhergesagten Kosten gleich hoch wie bei der Bastel-Werkstatt. Die Sache war klar und wir liessen das Büssli am Dienstagmorgen per Abschleppwagen zur VW-Werkstatt bringen. Jetzt steht es dort im sicheren Hinterhof und wartet auf die Ersatzteile. Da die Mechaniker selber ja kein englisch oder deutsch sprechen, wurde uns sogar ein deutsch-sprechender Mitarbeiter an die Seite gestellt. Das ist mal Service! Ein guter Anfang.

L1070567

Unser Quartier haben wir nach der Rückkehr nach Almaty am Samstag auch gewechselt. Wir waren so froh aus diesem Apartment-Loch gekommen zu sein, dass wir auf keinen Fall dorthin zurück wollten. Stattdessen haben wir ein niedliches, kleines Hostel im Zentrum gefunden („Almaty Central Hostel“). Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, sind mega lieb und hilfsbereit. Wir haben zwar keine Zimmertür, sondern nur einen Vorhang, der unser 2er-Zimmer von einem 6er-Zimmer trennt, aber da kaum andere Gäste da sind, ist das kein Problem.

Unser Mech in Winti hat uns gestern ein Paket mit einem Motorendichtsatz geschnürt, das nun per UPS auf dem Weg nach Almaty ist (eine UPS-Sendung zu erstellen, ist übrigens auch eine Wissenschaft für sich!). Im Moment ist das Paket in Frankfurt und wir hoffen, dass es seinen Flieger erwischt. Wenn alles läuft wie geplant, dann sollte das es am Donnerstagabend hier ankommen. Wir drücken die Daumen! Denn Ende nächster Woche läuft zu alledem auch noch unser Visum aus und wir haben ja noch ein Stück Weg vor uns bis nach Russland…

Sharyn Canyon und Bärenfall

Im Südwesten von Kasachstan hat der Fluss Sharyn einen beeindruckenden Canyon in die rötlichen Felsen gefressen. Den wollten wir sehen und sind auf dem Weg nach Almaty in eine holprige Sandpiste, die zum Canyon führte, abgebogen. Nach etwa 10 km kamen wir am Wärterhäuschen an, weckten den Wärter (Tschuldigung nochmal!), zahlten etwa 7.50 CHF und fuhren auf den Parkplatz. In einer Seitenschlucht liefen wir zum Sharyn Canyon.

GW0B0902

Sharyn Canyon

GW0B0903

Sharyn Canyon

Am Sharyn Canyon wurde gerade ein neues Strohhütten-Touristendorf im hawaiianischen Stil aufgebaut. Daneben ein paar Jurten. Und Zelte. Die Zeltbewohner hatten sich am Fluss zum Kochen und Essen versammelt. Später haben wir erfahren, dass es sich dabei um Geographie-Studenten (plus Professor) auf 1.-Semester-Exkursion handelte. Wir haben uns mit ein paar Studentinnen auf Englisch unterhalten und mit einer Studentin (Maral) sogar auf deutsch. Wir waren ganz begeistert, dass wir mit einer Kasachin fliessend auf deutsch reden konnten und haben die Chance genutzt, sie ganz viele Sachen über Kasachstan zu fragen. Wir wurden dann sogar noch zum (Nach-) Mittagessen eingeladen! Anschliessend hat uns der Prof angeboten, dass wir mit ihnen an ihren nächsten Übernachtungsorte im Turgen-Tal fahren könnten. Das haben wir natürlich sehr gerne angenommen und sind, nachdem wir zusammen mit den Studenten wieder aus dem Canyon geklettert sind, mit dem Büssli hinter ihrem Reisebus hergefahren.

GW0B0906

Maral – die Deutsch-Expertin


Gegen 20 Uhr sind wir im Turgen-Tal an einer kleinen Wiese an einem Fluss angekommen. Die Jungs haben ihre Zelte aufgestellt, während die Mädels angefangen haben zu kochen. Sie wollten später lieber im Reisebus übernachten, weil es dort wärmer sei. Wir wurden dann auch noch zum Abendessen eingeladen! Es gab Plov (Reis mit Hühnchen und Gemüse, ein usbekisches Gericht) – auf offenem Feuer im Kazan (grosser Topf) gekocht. Mega lecker! Gegessen haben wir allerdings erst um etwa halb Zwölf in der Nacht, weil die Exkursion im Zeitplan etwas hinterherhinkte. Die meisten der frierenden Studentinnen haben sich deshalb auch nur schnell ein paar Gabeln Plov hineingeschaufelt und sind dann schnell im Bus verschwunden.

Bei einem Schweizer Bier, das der Professor aufgrund der anwesenden Studenten „versteckt“ trinken musste, haben wir noch einige Zeit über Religionen und Staatssysteme philosophiert, meistens mit Hilfe der Übersetzung von Maral. Es sind einmalige Einblicke, die man bei solchen Diskussionen gewinnen kann und sie helfen, das Land und seine Bewohner besser zu verstehen.

L1070529

Der Professor – unser Gastgeber

L1070525

Frühstücksbüffet neben dem Büssli

Am nächsten Morgen sind wir der Anleitung vom Geographie-Prof (übrigens auch ein grosser Fussballfan) gefolgt und haben so zum Bärenfall-Wasserfall, den man im Turgen-Tal nach einer kurzen Wanderung erreicht, gefunden. Es gab noch einen grösseren Wasserfall, zu dem wir auch noch hätten wandern können, aber wir haben ihn ausgelassen. Der Grund war vor allem, dass wir uns etwas Sorgen um unser Büssli gemacht haben. Am Abend zuvor kamen beim Warmstart weisse Rauchschwaden aus dem Auspuff. Genau das ist uns schon mal vor zwei Jahren passiert – damals ist das Problem allerdings wieder von alleine verschwunden. Jetzt hatten uns schon mehrere Leute darauf angesprochen, dass etwas mit unserem Auto nicht stimme; dass es rauche und dass das Abgas nach Wasser riechen würde und so… Wir wollten aber noch bis Almaty fahren (es war ja nicht mehr weit) und erst dann eine Werkstatt suchen.

 

Von Ysyk-Köl nach Kasachstan

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht am Ysyk-Köl See war es an der Zeit uns von Kirgistan zu verabschieden. Unsere Route führte ostwärts durch das Tüp-Tal hoch Richtung kasachische Grenze. Noch ein letztes Mal durchquerten wir malerische Bergtäler wie sie schöner in der Schweiz nicht zu finden wären. Grüne Wiesen mit Kühen und Jurten, Förenwälder an den Hängen und weisse Berggipfel dahinter. Wir fühlten uns fast wie zu Hause. Nur der Kontrollposten einige Kilometer vor der Grenze war dann ganz und gar unschweizerisch. Ein jüngerer Herr in Kampfanzug jedoch ohne Waffe nahm uns in Empfang. Die Art wie er den Kampfanzug trug, liess uns stark daran zweifeln, ob wir uns hier an einem echten Kontrollposten befanden. Er verwies Christian zu „Customs“, einem Auto unweit der Schranke. Das Zollhäuschen selbst war nämlich gar kein Zollhäuschen, sondern ein kleiner Laden.  Im Auto sass ein rundlicher Herr mit bekleckerter Uniform. Christian überreichte im die Papiere, die er nach genauer Musterung für fehlerhaft hielt und mehrmals „Problem“ wiederholte. Auf dem Formular stand kein Vatersname. Da in meinem Pass auch kein Vatersname steht war das auch nicht weiter verwunderlich… Der Zöllner im Kampfanzug stellte sich neben mich und zeigte mir eine Zündholzschachtel. Als er die Schachtel aufschob stand auf dem Boden der Schachtel 20 $. Ah, jetzt war definitiv klar, worauf die beiden hinaus wollten. Christians Russischkenntnisse beschränkten sich von nun an auf „нет“; Bakschisch haben wir bis jetzt nicht bezahlt und werden wir auch in Zukunft nicht. Als nächstes Stand die Durchsuchung des Büsslis an. Eigentlich suchten sie weder nach Drogen oder anderen illegalen Gütern, sondern einfach nach etwas, das ihnen gefiel. Nach einigen Minuten begnügten sie sich mit zwei Büchsen Red Bull (die wir sogar in Kasachstan gekauft hatten – also nichts Spezielles eigentlich) und liessen uns passieren. Ob wir wirklich einen offiziellen Kontrollposten passiert haben oder nicht, haben wir nicht herausgefunden. Nach weiteren 30 Kilometern sind wir dann am richtigen Zoll angekommen.

L1070489

Die Ausreise aus Kirgistan war sehr unkompliziert. Natürlich wurde wieder unser Büssli inspiziert, aber wie immer mehr aus Neugierde an der Technik. Die Zollpapiere waren natürlich korrekt, auch ohne Vatersnamen… und zum Schluss benötigten wir noch den Ausreisestempel. Leider war der Einreisestempel in Christians Pass nur sehr schwach sichtbar, was den Zöllner ein wenig misstrauisch machte. Mit Lupe und Lampe fanden wir dann jedoch den Stempel auf der letzten Seite und der Zöllner war zufrieden und auch vermutlich auch erleichtert (Fehlende Stempel bedeuten auch für Zöllner viel Arbeit). Den Ausreisestempel testete er dann extra auf einem Stück Papier – vermutlich wollte er zeigen, dass die kirgisischen Zollstationen auch schöne Stempel machen können. Trotzdem wurde der Stempel im Pass wieder schlecht sichtbar, was der Zöllner mit einem Grinsen und „паспорт не работает“ („Pass funktioniert nicht“) kommentierte.

Dann ging es an die Einreise nach Kasachstan. Hier trafen wir bei den Zöllnern auf wahre Fussballfans. Wir erfuhren, dass Murat Yakin bald Spartak Moskau trainieren und die Schweiz gegen Argentinien verlieren würde und dass man sogar in der hintersten Ecke von Kasachstan schweizerische Mannschaften wie FCB, FCZ oder Grasshoppers (klingt sehr lustig auf Russisch) kennt. Nachdem unser Büssli auch noch von unten angeschaut wurde und wir im Besitz aller notwenigen Dokumente waren, durften wir nach Kasachstan einreisen.

GW0B0831

 

 

Von Kochkor zum Ysyk-Köl See – eine sandige Angelegenheit

Mittlerweile waren es fünf Tage ohne Dusche. Unsere Dusche auf dem Dach war zwar gefüllt, aber die Kälte und/oder der Regen liessen keine Freiluft-Duschstimmung aufkommen. Wonach wir uns sehnten, war ein ruhiges Plätzchen an sauberem und nicht allzu kaltem Gewässer mit Sonnenschein. Wir beschlossen, an einen Salzsee, der uns als Übernachtungsplatz empfohlen worden war, zu fahren. Er lag ganz in der Nähe vom Südufer des Ysyk-Köl Sees und war über eine Sandpiste, die von der Hauptstrasse abzweigte, zu erreichen. Am Anfang der Sandpiste stand mitten auf dem Strässchen ein Schild „Anreise verboten“, vor dem wir unschlüssig stehenblieben. Kurz darauf überholte uns ein Audi und schlängelte sich am Verbotsschild vorbei. Na dann – hinterher. Die Piste war ein wenig holprig, aber schien ansonsten ganz solide. Bis zum Salzsee sollten es noch ca. 8 km sein. Wir fuhren hinter dem Audi bis er vor einem sandigen, aufgewühlten Strassenabschnitt stehenblieb. Bauarbeiten. Der Audifahrer stellte fest, dass der Baggerfahrer der Baustelle gerade Mittagspause machte, aber anschliessend den Strassenabschnitt plattfahren würde, so dass wir passieren könnten. So war es dann auch. Die Passage war allerdings trotz Bagger-Plättung immer noch recht sandig und bracht das Büssli zum Schlingern. Aber wir kamen durch und fuhren weiter. Ein Stück weiter wurden 250 Som (ca. 5 CHF) für die Zufahrt zum See von uns einkassiert und der Kassierer beteuerte, dass die Strasse jetzt besser werden würde. Pustekuchen! (oder besser „Sandkuchen!“) Etwa 50 m weiter kam wieder ein sandiger Abschnitt. Diesmal schlingerte das Büssli nicht nur, sondern blieb vollends stecken. So’n Mist… Zum Glück waren nicht weit vom Kassenhäuschen entfernt, so dass wir Verstärkung holen konnten. Fünf Männer bewaffnet mit Schaufeln kamen zur Hilfe. Sie legten Steine an die Reifen und gemeinsam schoben wir das Büssli „aus dem Dreck“. Noch heute Nacht werde der Abschnitt vom Bagger befestigt, hiess es. Also gut, wir hofften das Beste für die Rückfahrt am nächsten Tag. Heute aber ging es erstmal zum Salzsee. Nach weiteren 3 km auf steiniger, fester Piste waren wir angekommen. Die Besatzung des Audis planschte schon im Wasser. Also rein in die Badesachen, ab in den See und dann unter der Büsslidusche endlich wieder richtig sauber werden. Schööön! Nach der Dusche liefen wir zum Süsswassersee Ysyk-Köl rüber und wuschen ein paar unserer Klamotten.

L1070405

Die Nacht am Salzsee war ruhig und friedlich. Am Morgen wurden wir von der Sonne und dem Geschnatter von Enten und ihren Küken geweckt. Am liebsten wären wir an diesem schönen Ort geblieben, aber die sandige Rückfahrt lag uns im Magen und wir wollten sie hinter uns bringen. Wir fuhren zum Sandkistenabschnitt und versuchten es mit Schwung hindurch. Aber das Büssli schaffte nur einige Meter und steckte dann wieder fest. Wir holten die Sandbleche vom Dach. Da kam aber schon ein Kirgise mit zwei Brettern angelaufen und wollte uns helfen. Er hielt nichts von den Sandblechen und schob die Bretter an die Büssliräder. Doch trotz Bretter und Anschieben grub sich das Büssli nur noch weiter ein. Der Kirgise schlug vor, das Büssli mit dem Wagenheber anzuheben, damit wir eins der Bretter unter das Rad schieben konnten. Gesagt, getan. Und es funktionierte! Ganze 2 m. …dann war das Brett zu Ende und das Rad wieder im Sand eingegraben. Also das Spielchen wieder von vorn, diesmal ohne Wagenheber. Wieder 2 m weiter. Das Ganze noch weitere zwei Mal und das Büssli war wieder frei! Zum Schluss noch alle Utensilien eingesammelt und dem Büssli hinterhergetragen, uns mit Bier und Zigaretten beim hilfsbereiten Kirgisen bedankt und zurück ging’s zur Teerstrasse. Den Rest der Piste haben wir glücklicherweise ohne Steckenbleiben bewältigt. Diese Nacht stehen wir auf fester Wiese ganz nah am Ysyk-Köl See und freuen uns auf ein morgendliches Bad im kühlen See.

L1070416

 

 

Von Tasch Rabat nach Kochkor

Der nächste Morgen hielt eine kalte Überraschung für uns bereit. Über Nacht wurde aus dem feinen Nieselregen vom Vorabend Schnee. Die Hänge waren weiss und auch unser Büssli hatte ein weisses Häubchen. Die Aussentemperatur lag knapp über Null und im Büssli war es nicht viel wärmer. Also ein schnelles Frühstück, dann Motor und Heizung an und wieder gut 1000 m hinunter und gut 10°C rauf in Richtung Naryn. Kurz vor Naryn mussten wir wie auch schon auf dem Weg nach Tasch Rabat wieder über mehrere matschige Strassenabschnitte. Diesmal glücklicherweise bergab. Trotzdem kamen wir nicht weit: Ein LKW, der bergauf gefahren ist, war wohl kurz vorher auf dem roten glitschigen Matsch ins Schlingern gekommen und stand nur quer auf der Strasse. Seine Vorderräder hatten sich im Matschhügel am Rand der Strasse eingegraben.

WP_20140608_10_23_44_Pro

Wir stiegen aus, um zu schauen, was zu tun ist. Jeder Schritt auf dem roten Matsch hat uns fast die Schuhe ausgezogen. Nach ein paar Schritten klebte eine dicke Schicht unter unseren Schuhen. Ja, kein Wunder, dass sie daraus Häuser bauen! Hinterm Büssli kamen nach und nach mehr Autos an und drängelten sich vorbei, da sie dachten sie würden schon irgendwie am LKW vorbeikommen. Und dann startete ein Audi einen Versuch an dem hinteren LKW-Ende vorbei durch die Matschböschung zu fahren. Er blieb stecken und musste mit Hilfe anderer Leute zurückgeschoben werden. Danach versuchte es ein Jeep. Mit mehreren Anläufen, Seitwärtsrutschen, Anschieben und Motorgeheul schaffte er es, den Matschhügel zu erklimmen und auf der anderen Seite vom LKW wieder auf die Strasse zu fahren. Das Eis war gebrochen und ein bergabwärts fahrendes Auto nach dem anderen mühte sich mit Hilfe der Anweisungen und Hilfe der umstehenden Leute durch den klebrigen Matsch. Anschliessend trauten sich auch ein paar bergaufwärts fahrende Fahrzeuge. Nicht alle schafften es; bei einem Minibus zersprang eine Seitenscheibe als er gegen den LKW rutschte. Wir haben eine ganze Weile abgewartet, aber irgendwann mussten auch wir wohl oder übel da durch. Also wagte Christian das Abenteuer „Matschdurchquerung“: Mit Diff-Sperre, viel Büsslifahrer-Erfahrung und vereintem Anschieben hat es unsere Rakete ohne Schaden geschafft! Puuh! In Naryn haben wir dem Büssli eine dringend nötige Wäsche verpassen lassen. …Nur um kurz darauf auf der Strasse nach Kochkor wieder durch Schlammpfützen zu fahren… In Kochkor angekommen (ca. 100 km nördlich von Naryn), sah das Büssli wieder genauso verschlammt aus wie vorher. Naja, was soll’s… Gibt’s halt bald wieder eine Wäsche. In Kochkor haben wir Souvenirs und Lebensmittel eingekauft und anschliessend für die Nacht ein Plätzchen am Orto-Tokoy Wasserreservoir gefunden.

Vom Song-Köl nach Tasch Rabat

Nach einer regnerischen Nacht auf 3000 m haben wir uns von Jacob, der ins Tal zurück wandern wollte, verabschiedet und sind in Richtung Naryn losgefahren. Entlang dem Song-Köl fuhren wir ostwärts, wo gemäss Karte ein Weg ins Tal führen sollte. Doch unsere Fahrt wurde nach rund einer Stunde durch eine steil ansteigende schlammige Passage gestoppt. Auch mit Diff-Sperre war die Steigung nicht zu schaffen. Das Büssli konnte auf rund 3200 m nicht mehr genügend Kraft entwickeln und so mussten wir in einem waghalsigen Manöver wenden und die gleiche Strecke zurück fahren. Zwei Routen belieben nun noch offen: 1) der gleiche Weg, den wir zum Song-Köl gekommen sind oder 2) über den Moldo Ashuu, einen weiteren Pass auf 3346 m. Von einer Rückfahrt auf der gleichen Strecke wie auf dem Hinweg waren wir nicht begeistert, da wir nicht nochmal durch den Fluss und seine sumpfigen Ufer fahren wollten – erst recht nicht, nachdem es die Nacht zuvor so viel geregnet hatte. Beim Weg über den Moldo Ashuu waren wir nicht sicher, ob die Passage nach Naryn schon geöffnet ist (laut Reiseführer sollte die Strecke Naryn – Jalal-Abad erst Ende Juni öffnen). Ein Schäfer versicherte und aber, dass der Weg offen sei. Somit haben wir uns für den Moldo Ashuu entschieden. Die Fahrt über die in eine steile Bergwand gebaute Passstrasse (Serpentinen) war abenteuerlich und zeitraubend, aber mit einer spektakulären Aussicht. Nach rund drei Stunden sind wir mit der nun „Braunen Rakete“ in Naryn eingetroffen.

IMG_6771

Von Naryn aus fuhren wir weiter nach Südwesten Richtung chinesische Grenze. Unser Ziel: „Tasch Rabat“ – der südlichste Punkt unserer Reise. Gemäss unserer Informationen sollte die Strasse in einem sehr guten Zustand sein. Doch kurz nach Naryn wurde aus der Strasse ein einziger Schlammpfad. Bergauf spulten die Lastwagen und Autos lehmige Rampen hoch und bergab rutschten sie in den Schlammspuren. Was auf einer solchen Piste alles passieren kann, sollten wir am nächsten Tag noch erfahren…
Kurz hinter der Schlammpassage kam dann jedoch die versprochene perfekte Teer-Strasse und wir konnten endlich wieder mal den 4 und 5 Gang unserer Blauen Rakete nutzen. Die Kulisse war phänomenal. Die Strasse führte über ein riesiges, flaches Tal; rechts von uns rot-sandige Berge, die über die Jahre hinweg von Wind und Wetter geformt worden waren; links von uns in Gewitterwolken verborgene 4000er. Blitze entluden sich an den Bergflanken und graue Regenschauer verschleierten die Hänge.
IMG_6825

Über einen kleinen Pfad, der von der Hauptstrasse abbog, erreichten wir Tasch Rabat auf rund 3000 m Höhe. Für 200 Som Eintritt durften wir auf das Gelände fahren und die 500 – 1000 Jahre alte (man ist sich wohl nicht so einig…) Karawanserei besichtigen. Ein grosser Bau aus Stein mit einer zentralen Kuppel. Leider war nirgends beschrieben, wozu die verschiedenen Räume damals verwendet wurden. Es gab auch niemanden, den wir hätten fragen können. Und so liessen wir unserer Phantasie freien Lauf und stellten uns vor, wie hier die Händler der Karawanen auf Teppichen lagen, Beschbarmak assen und dazu Kymys tranken.
IMG_6850

GW0B0657

Am Abend wurde unser Büssli einmal mehr von Pferden, Schafen und Kühen belagert und aus der Ferne pfiffen die übergrossen kirgisischen Murmeltiere.