Aksu-Jabagly Naturreservat

Das Aksu-Jabagly Naturreservat liegt südlich von Turar Rysqulov und beherbergt die zwei Flüsse Aksu und Jabagly. Wir haben uns im Dorf Jabagly für zwei Nächte in der gemütlichen Pension von Zhenja und Lyuda einquartiert (www.aksuinn.com). Yevgeny (Zhenja) ist Biologe und weiss so ziemlich alles über Vögel und auch eine Menge über die restliche Fauna und Flora der Gegend. Man merkt, dass er voll und ganz in der Ornithologie aufgeht. Ausserdem sind Zhenja und Lyuda sind zwei sehr herzliche Menschen und man fühlt sich in ihrer von sehr viel Grün umgebenen Pension gut aufgehoben.
Eigentlich wollten wir am 30. Mai eine Wanderung zum Aksu-Canyon machen. Leider hat es aber den ganzen Tag wie aus Eimern geschüttet, so dass die Tour abgesagt wurde. Anstatt dessen sind wir am darauffolgenden Tag zur näher gelegenen Kishi-Kaindy-Schlucht gewandert. Wanderungen darf man in diesem Naturreservat nur nach Anmeldung und mit Guide durchführen. Unser Guide hat uns über ein paar Bächlein hüpfen lassen, über Blumenwiesen geführt und uns Bärentatzen-Spuren gezeigt. Ausserdem wilde Apfelbäume, die Sprösslinge von wilden Tulpen und natürlich die Schlucht mit Wasserfall. Die Bären hier leben übrigens hauptsächlich vegetarisch (sehr sympathisch 🙂 ).

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Turar Ryskulov – auf speziellen Wunsch

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Turar Ryskulov ist eine grössere Ortschaft zwischen Shymkent und Taraz.  Die Bilder haben wir speziell für Alexander gemacht, der in der Gegend aufgewachsen ist. Viel zu sehen gibt es in der Ortschaft selber ehrlich gesagt nicht, aber sie liegt zwischen wunderschönen grünen Hügeln und ist in etwas weiterer Entfernung von hohem Gebirge, das mit weissen Gipfeln geschmückt ist, umgeben. Ein bisschen wie in der Schweiz 😉

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In der Ortschaft mussten wir wieder mal unsere Bargeldkasse auffüllen; also haben wir uns auf die Suche nach einem Bankomaten gemacht. Angeblich gibt es deren drei in der Ortschaft. Den einen haben wir nicht gefunden, der andere war defekt und der dritte leer. Also haben wir an dem dritten Automaten zusammen mit anderen Bargeldbedürftigen rund eine Stunde gewartet bis die Bankangestellten das Geld gezählt und den Automat wieder befüllt hatten. Das haben wir zumindest als Grund für die Wartedauer verstanden. In Kasachstan ist Geldabheben ein gesellschaftliches Ereignis. Man steht dicht gedrängt um den Automaten und alle schauen zu und geben Tipps beim Abheben. Manche haben beim Eintippen des PINs sogar die Nummern vor sich hingemurmelt. Aus unserer Sicht wirkte das alles sehr naiv, aber nach und nach haben wir den Eindruck erhalten, dass hier niemand irgendjemandem etwas Böses will – alle sitzen im gleichen Boot und wollen sich gegenseitig unterstützen oder sich zumindest durchs Zuschauen die Zeit vertreiben. Natürlich wurde auch uns beim Abheben über die Schulter geschaut – man war sicher neugierig, wie viel die Schweizer so abheben. Denn mit den Banken werden wir Schweizer sogar in Kasachstan assoziiert. Nicht unbedingt ein Kompliment aus unserer Sicht.

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Shymkent und der (zweite) Raketenstart

Shymkent präsentierte sich uns als eine quirrlige Stadt, die nie schläft. Zwischen Ortsein- und Ortsausgang drängte sich der Verkehr, mehrspurig und chaotisch. Eine wahre Grossstadt im Süden von Kasachstan, wo der Grossteil der Bevölkerung aus Kasachen besteht. Shymkent ist zudem eine sehr grüne Stadt mit Parks und Alleen, was uns bei 35°C sehr gefreut hat. Hier und da in der Stadt verteilt, gibt es kleine Vergnügungsparks mit Karussells, Rollschuhbahn, Schiessbuden, Autoscooter, 7D(!)-Theater, Zuckerwatteständen und vieles mehr. Im grossen Einkaufszentrum der Stadt kann man im Untergeschoss Schlittschuhlaufen und die Ticketkontrolleure im Bus stehen bei jeder Station wie Marktschreier an der Bustür und rufen die Fahrroute der Buslinie aus (das war zumindest unsere Interpretation). An einem Kiosk haben wir zum ersten Mal Kwas probiert: Es sieht aus wie Tee mit Kohlensäure; schmeckt irgendwie gegoren, wässrig, mit einer Erdnussnote; und ist ein Brotbier.

Auch zum ersten Mal haben wir Lagman probiert. Das sind (im besten Fall hausgemachte) Nudeln in einer öligen, tomatigen, recht stark gewürzten Sauce mit etwas Gemüse und Fleischstückchen. Unser Reiseführer hatte uns das Restaurant Karavan, das in einem der Parks liegt, dafür empfohlen und es war echt lecker.

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Von Shymkent aus sind wir nach Süden in Richtung Tashkent gefahren bis zu einem Tal, in dem laut Reiseführer ganze Felder von Rosen blühen, die hier gezüchtet werden. Wir haben nur Tomatenfelder in Treibhäusern gefunden. Und ein ganz idyllische Dorf namens Turbat. Da unser nächstes Ziel, das Naturreservat Aksu-Zhabagly, nördlich von uns lag, sind wir wieder zurück in Richtung Shymkent. Auf dem Weg haben wir noch das passende Öl für den anstehenden Ölwechsel an einer Helios-Tankstelle gekauft. Ein Stückchen hinter Shymkent, wo die Strasse mal wieder zur Hälfte aus Baustellen und Umfahrungen bestand, haben wir uns für die Nacht auf einem Hügel mit Blick auf die umliegenden Gebirge platziert.

Der nächste Tag war vor allem der Suche nach einem geeigneten Platz zum Beobachten des Sojus-Raketenstarts in Baikonur gewidmet. Kurz vor 2 Uhr nachts am 29. Mai sollte die Rakete zur ISS starten – und das durften die Terranauten der Blauen Rakete ja nicht verpassen! Wir haben einen ganz hübschen Ort auf einem Hügel inmitten von Gräsern und Blumen bewachsenen Feldern gefunden. Am Horizont nur Hügel und Berge. Den Nachmittag haben wir mit Lesen, Faulenzen und Insektenbeobachten verbracht.

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Nach einem Abend mit Hörnlisalat und Vorschlafen war es soweit und wir haben unsere Kameras mit Langzeitbelichtung in Position gebracht. Zwei Füchse liefen vor uns bellend durchs Feld. Wir warteten auf etwas, von dem wir keine Ahnung hatten, wie es wohl aussehen würde. Hier, im Dunkeln, etwa 600 km von Baikonur entfernt… Millionen Sterne funkelten über uns, am Horizont war es leider ein wenig bewölkt. Kurz vor 2 Uhr. Nichts passierte. Einige Minuten später wurde eine der Wolken etwas heller. Es sah fast aus wie ein Nordlicht. Der Lichtfleck wurde grösser, … mehr aber auch nicht. Eine weisse Wolke am Nachthimmel. Und dann ist sie wieder verschwunden. War’s das?? Hmm… Was auch immer wir da gesehen haben, die Vorstellung, wie dort ein paar Leute in dem riesigen All, oberhalb der weissen Wolke, alleine umherwabern ist so oder so beeindruckend.

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Die Seidenstrasse von Turkistan nach Shymkent

Turkistan. Eine Stadt, die an sich anderen südkasachischen Städten ähnelt. Was sie aber von den anderen unterscheidet, ist das Hodscha Ahmad Yasawi Mausoleum. Es ist gigantisch!! Wahnsinn, was man Ende des 14. Jahrhunderts schon bauen konnte! Das Mausoleum wurde zum Gedenken an Hodscha Ahmad Yasawi gebaut. Yasawi lebte und wirkte in Turkistan. Er hat im 12. Jahrhundert den Koran für das „einfache Volk“ in Zentralasien verständlich übersetzt und gelehrt und somit den Islam verbreitet. Einen grossen Teil seines Lebens verbrachte er in einer halb unterirdischen Moschee neben dem heutigen Mausoleum. Heute ist das Mausoleum eine wichtige Pilgerstätte für Muslims – drei Pilgerreisen zum Mausoleum sind angeblich genauso viel wert wie eine Reise nach Mekka. Aus dem 14. Jahrhundert gibt es auf dem Gelände auch noch ein Badehaus bzw. Hamam für die damaligen Pilger. Mit Bodenheizung und Dampfbad!
Das Mausoleum und auch alle anderen Gebäude auf dem Gelände kann man sich von englischsprachigen, sehr kompetenten weiblichen Guides zeigen und erklären lassen. Nur zu empfehlen, wenn man sich für die Details interessiert!

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Auf unserer Weiterreise nach Shymkent haben wir noch einen kleinen Schlenker südlich der Hauptroute gemacht, um das Arystan Bab Mausoleum anzuschauen. Arystan Baba war der Lehrer von Yasawi. Wenn man allerdings vorher das Yassawi Mausoleum gesehen hat, wirkt das Arystan Bab Mausoleum recht unscheinbar. Man sollte die Besichtigungsreihenfolge wohl tauschen.

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Wir haben uns also nicht lange in der sengenden Nachmittagshitze aufgehalten (ein weitere mögliche Sehenswürdigkeit, die Ruinen von Otrar, war zu dieser Zeit für Besichtigungen geschlossen) und sind, nach einer Übernachtung am Feldrand, weiter nach Shymkent gefahren.

 

 

 

Von Qamystybas nach Turkistan

Nach der vergeblichen Suche nach dem Aralsee wollten wir doch noch ein wenig Wasser sehen. Zum Glück gibt es nicht weit von Aral einen grossen Süsswassersee, den See Qamystybas. Am Ufer dieses Sees haben wir für die nächste Nacht unser Lager aufgeschlagen. Links und rechts von uns standen traditionelle Jurten. Uns war erst nicht ganz klar, ob diese Jurten bewohnt waren oder nicht. Auch hatten wir ein wenig Zweifel, ob wir hier wirklich baden sollten und vor allem in welchem Outfit – schliesslich befanden wir uns ja im südlichen und somit verstärkt muslimischen Teil Kasachstans. Bald aber kam ein Kleinbus voller Kinder angefahren und nach kurzer Zeit plantschten sie im See. Somit wagten auch wir uns in den See. Das Wasser war angenehm kühl, erfrischend und sah erstaunlich sauber aus. Zur Feierabendzeit kam dann irgendwie das ganze Dorf an den Strand. Es wurden noch mehr Jurten aufgestellt, und der Strand wurde gereinigt („Reinigen“ heisst in Kasachstan: Alles Brennbare wird direkt an Ort und Stelle abgefackelt). Einer der Jurtenbesitzer lud uns in eine Jurte ein. Wie sich dabei herausstellte, wurden die Jurten extra für Touristen aufgestellt und sollten zum Übernachten vermietet werden. Wir lehnten dankend ab, denn unser Büssli schien uns komfortabler (trotz dem im Mietpreis enthaltenen knuddeligen Wachhund). 
Nach leckerer Pasta zum Abendessen spendierte uns die Natur einen wunderschönen Sonnenuntergang überm See. Vielleicht Dank des ständigen starken Winds war kein Mückenflugwetter und wir konnten draussen vorm Büssli essen.

Die Einheimischen zogen sich langsam wieder in ihr Dorf zurück. Einer von ihnen hatte einen Platten am Auto und bat uns um Hilfe. Klar doch, wir haben ja alles dabei. Über unsere 12V-Pumpe staunte der „Platten-Besitzer“ nicht schlecht. Das Rad war schnell wieder aufgepumpt und der Kasache verabschiedete sich hupend und winkend.

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Am nächsten Tag fuhren wir weiter südöstlich Richtung Kyzylorda. Rund um Kyzylorda wird mit viel Wasser aus dem Fluss Syr Darya Reis angebaut. Wasser, welches übrigens dann im Aralsee fehlt… Beidseits der Strasse waren riesige grüne Flächen zu sehen, viele davon bereits geflutet. Wir befürchteten Schlimmes: Mückenüberpopulation…, Büssli-Invasion…, Aufwachen als ein riesiger Mückenstich! Da es langsam dunkel wurde, mussten wir uns aber wohl oder übel einen Schlafplatz suchen. Irgendwo zwischen Reisfeldern und Eisenbahnlinie wurden wir fündig. Erstaunlicherweise gab es keine einzige Mücke! Sie schienen hier noch nicht Saison zu haben. Dafür gab es aber ganz lästige Fliegen, die einem immer tief in die Augen oder Ohren schauen wollten.

Apropos „Blutsauger“, eine Spezies gab es doch: Die auf der Strasse mit Uniform. Auf der Fahrt von Aralsk nach Turkistan wurden wir ganze SECHS Mal von der Polizei gestoppt (fünf Mal allein zwischen dem „Bett im Reisfeld“ und Turkistan – an einem einzigen Tag!). Einmal wollten sie uns wegen fehlenden Schmutzfängern büssen und das andere Mal, weil wir als Touristen nicht die Transitstrasse genommen hätten. Klar, sie wollten Geld sehen, und zwar am liebsten Dollar oder Euro. Aber wir haben unsere Prinzipien und zahlen kein Schmiergeld! Es kann richtig Spass machen mit einem Polizist zu diskutieren und immer nur so viel zu verstehen wie man gerade will. Nach 15 Minuten geben sie immer auf, oder lassen sich im Notfall mit einer Flasche Bier oder etwas Schokolade loswerden.

 

Oral – Aktobe – Aral

Die Wüste lag hinter uns und vor uns wieder die bis an den Horizont reichende Steppe. Kein Hügel, kein Baum. Aber dann – doch: Auf dem Weg von Atyrau in den Norden wurde es immer grüner, denn dort schlängelt sich der Fluss Ural von Russland kommend bis ins Kaspische Meer bei Atyrau. Sogar ein paar Bäume wuchsen entlang des Flusses und bunt-schillernde Vögel flogen um unseren Übernachtungsplatz am Fluss. Ein paar Pferde badeten ein paar Meter weiter. Die perfekte Idylle – wären da nicht all die Mücken!

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Am darauffolgenden Tag fuhren wir bis hinter Oral, wo es laut Reiseführer einen Campingplatz (!) geben sollte. Er entpuppte sich als „russischer“ Campingplatz, wo man nur in Hütten, aber nicht im Büssli übernachten konnte; Duschen gab es auch nicht. Da wir von der Hitze und der langen Fahrt recht erschlagen waren, haben wir uns nach einer Dusche (unserer Dachdusche) gesehnt und brauchten dafür nur noch eine hübschen, ungestörten Ort. Den fanden wir an der nächsten Schlaufe des Urals, wenn auch wieder mit Schwärmen von Mücken.

Nach einer kühlen Nacht und etwa 30 Mückenstichen mehr pro Person ging die Reise weiter nach Aktobe. Dort gönnten wir uns ein Hotel mit sowjetischem Ambiente. Die Zimmer waren günstig, dafür gab’s aber nur Einzelbetten und keine Klimaanlage. Egal, Hauptsache keine Mücken. So schmorrten wir den Rest des Nachmittags im Hotelzimmer vor uns hin und planten unsere Weiterreise. Die Stadt Aktobe erkundeten wir am Abend und am nächsten Tag. Aktobe ist recht übersichtlich in seiner Grösse, entlang der Hauptstrasse aber sehr lebhaft. Direkt neben unserem Hotel gab es ein Shopping Center inklusive Mini-Zoo vor der Tür und Moschee hinten dran. Ein Shopping Center in Kasachstan ist etwas anders aufgebaut als man es in Europa kennt. Die Läden, die alle eine Hausnummer haben, sind sehr klein und haben somit ein sehr beschränktes Sortiment. Der eine Laden verkauft Pelzmäntel, der nächste Abendkleider, der nächste Sommerkleider, etc. Von den meisten Teilen gibt es nur eine Grösse und Männerkleidung findet man selten. Eigentlich ist es wie ein überdachter, mehrstöckiger Bazar.
In der ersten Nacht in Aktobe zogen nach dem schwül-heissen Tag Gewitterwolken auf. Das Gewitter näherte sich nicht langsam, sondern begann mit einem laut krachendem Einschlag in eines der nebenstehenden Häuser. Daraufhin begannen etwa 20 Autoalarmanlagen auf dem Parkplatz im Hinterhof zu heulen. Kurz nachdem der Alarm wieder gestoppt hatte, kam ein neuer Blitz und Donner und das Geheul fing von vorne an. Starker Regen platzte aus den Wolken. Es dauerte allerdings nicht lange und das Gewitter war vorbeigezogen. Aber es hat gereicht: Endlich Abkühlung!

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Von Aktobe aus fuhren wir weiter süd-östlich nach Aral (bzw. Aralsk). Entlang der Strasse sollte laut Reiseführer und Internetrecherche ein ca. 1 Mio. Jahre alter Meteoritenkrater (Zhamanschin) mit ca. 14 km Durchmesser und 700 m Tiefe liegen. Auf eigene Faust fanden wir lediglich Steine, die aussahen, wie sprödes Glas. Dies sollte beim Aufprall des Meteoriten durch die hohe Hitze und den Druck entstanden sein. Um zum Krater zu kommen, fragten wir bei mehreren kleinen „Raststätten“ entlang der Strasse nach, aber keiner wusste irgendwas oder wenn doch, dann nichts Genaues. Den Krater haben wir somit leider nicht gefunden, aber ein paar schöne Einblicke in die kasachischen Einkehrmöglichkeiten entlang der Hauptstrasse.

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Manchmal sah es so aus, als liege der Aralsee direkt vor uns. Aber wir sind nicht auf die zahlreichen Fatamorganas reingefallen und immer schön auf der Strasse geblieben.

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In Aral machten wir uns auf die Suche nach dem Aralsee. Der nördliche Aralsee sollte ja aufgrund des gebauten Damms schon wieder angewachsen sein. Wir fuhren die einzige Strasse (Schotterpiste), die in Richtung der Aralsee-Küste führte, und kamen bis zu einem Dorf (Zhalangash), wo laut Reiseführer Schiffswracks zu sehen sein sollten. Diese sind aber wohl mittlerweile von Schrotthändlern zerlegt und verscherbelt worden. Der weitere Weg zum See bestand aus einer sandigen Fahrrinne. Unschlüssig, was wir nun machen sollten, standen wir am Rand des Dorfes zwischen blökenden Kamelen. Nach und nach scharrten sich immer mehr Kinder (Jungs) um uns herum. Der Mutigste fragte uns, wie wir heissen und sagte seinen Namen, währendem der Frechste heimlich die Ventilkappen von unseren Reifen schraubte!
Wir beschlossen, keine weiteren 30 km über eine Sandpiste mit ungewissem Ziel zu fahren und kehrten um, zurück nach Aral. Dort durchquerten wir das ehemalige Hafenbecken (jetzt teilweise Müllkippe) und stellten uns einfach vor, im Aralsee zu schwimmen.

Während in Zürich noch über einen unnützen Hafenkran diskutiert wird, hat Aral (unfreiwillig) bereits zwei davon…

 

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Infos Kasachstan

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Camping in Kasachstan

Campingplätze wie man sie in Europa kennt, gibt es in Kasachstan nicht. Manchmal kann man am Strassenrand eine blaue Tafel mit einem Zelt sehen; diese führen zu bewachten Rastplätzen (автостоянка, in Kasachstan verwirrenderweise auch manchmal кемпинг genannt), auf welchen gegen eine kleine Gebühr (100 – 400 Tenge) übernachtet werden kann. Komfort und Idylle sollte man nicht erwarten. Falls man doch mal einen Campingplatz im Grünen findet (manche Reiseführer haben da „Geheimtipps“), handelt es sich um Campingplätze im „russischen Stil“, d.h. kleine Hüttensiedlungen (Cabins), in denen man übernachten kann; jedoch keine Stellplätze für Wohnmobile. Für die Benutzung der eventuell vorhandenen Duschen oder Toiletten muss man eine Hütte mieten.

Wild zu campieren ist jedoch in Kasachstan kein Problem. Es gibt genügend schöne Plätze in den weiten unbesiedelten Gebieten, an denen man für sich ist. Am besten entfernt man sich dafür von der Hauptstrasse entlang einer Nebenstrasse für 1-2 km und stellt sich dann irgendwo auf die Wiese. Achtung: Der Untergrund ist teilweise sehr sandig und ein Offroad-Fahrzeug ist empfehlenswert. Am besten ist es, schon vorgefahrenen Spuren zu folgen und immer dort zu fahren, wo es am Grünsten (also viel Gras) ist. Besonders in der Nähe von Seen und Flüssen ist ein zuverlässiger Mückenschutz wichtig.

Strassenverhältnisse

Die kasachischen Strassen sind teilweise in einem abenteuerlichen Zustand und es muss mit Durchschnittsgeschwindigkeiten von unter 50 km/h gerechnet werden. Es wird aber fleissig gebaut, um zumindest die grösseren Städte mit guten Strassen zu verbinden. Aktuelle Informationen zu den Strassenverhältnissen in Kasachstan findet ihr unter www.caravanistas.com/transport/driving/kazakhstan. Vor allem auf den neu gebauten Strassen ist mit mangelhafter Beschilderung zu rechnen. Die super neue Strasse kann ohne Vorwarnung abrupt mit einem 10 cm hohen Absatz enden. Mit tiefen Schlaglöchern und Tieren auf der Strasse (Kamele, Dromedare, Pferde, Kühe, Erdmännchen, Schildkröten) muss man überall rechnen.

Orientierung

In Aktau gibt es keine Strassennamen, sondern nur Mikro-Rayone (микро-район), die chronologisch nummeriert sind, und Hausnummern, die an der obersten Ecke auf die Häuser gepinselt wurden. Sucht man ein bestimmtes Hotel o.ä. ist eine Strassenkarte, in der die Mikro-Rayons- und Hausnummern eingetragen sind, unerlässlich. Am besten vorher im Internet eine Karte suchen und runterladen.

Menschen

Die Kasachen sind ein sehr freundliches und neugieriges Volk. Beim Autofahren sind sie recht ungeduldig und es wird viel gehupt. Die meisten Kasachen sprechen Russisch, wenn auch im Süden weniger als im Norden. Die jüngeren Leute können teilweise ein paar Brocken Englisch. In den meisten Hotels spricht man an der Rezeption mittleres bis gutes Englisch.

Tankstellen

Das kasachische Tankstellennetz ist gut ausgebaut. Es gibt jedoch einige Strecken (auch die dick rot gemalten Fernstrassen in der Karte!), an denen zwischen zwei Tankstellen 300 km vergehen. Also vorher gut informieren und am besten eine Notration Kraftstoff mitnehmen. In grösseren Ortschaften direkt an den Fernstrassen, gibt es normalerweise mindestens eine Tankstelle. Benzin ist mit 80, 92 und 95 Oktan verfügbar, höhere Oktanzahlen (98) sieht man nur in den Städten. Es wird empfohlen, nur bei Tankstellenketten zu tanken. Die Reinheit des Benzins der kleinen Betreiber kann nicht garantiert werden…

Beim Tanken wird zuerst der Zapfhahn eingesteckt, dann bezahlt (unter Angabe des Kraftstoffes, der Zapfsäule und der Literanzahl an Kraftstoff, die man tanken möchte) und anschliessend getankt.

Autowäsche

Wir haben schon mehrmals gehört, dass es in Kasachstan ein Gesetz gibt, welches verbietet, mit schmutzigen Autos rumzufahren. Wir können es immer noch nicht ganz glauben, aber tatsächlich sind die meisten Autos hier sehr sauber (trotz Wüstenstaub). Es gibt auch sehr viele Autowaschanlagen (Автомойка), in denen man sich sein Auto für 1200 – 1700 Tenge waschen lassen kann – natürlich alles manuell! Ein preiswertes Erlebnis, das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Polizeikontrollen

Wie in Russland gibt es auch in Kasachstan immer wieder Strassenkontrollposten. Sie sind schon weit im Voraus signalisiert, beginnend mit Geschwindigkeitsreduktion und schlussendlich mit einem Stoppschild. An diesem Schild unbedingt anhalten, auch wenn weit und breit niemand zu sehen ist.

Wenn man irgendwo angehalten wird, Pässe und Fahrzeugpapiere vorzeigen, immer freundlich sein und nur gerade das Notwendigste verstehen (nicht, dass wir mehr verstehen könnten). Meist fragen sie, woher man kommt und wohin man will. Diese Fragen kann man ohne Bedenken beantworten. Schmiergeld haben wir bis jetzt nie bezahlt (es gab auch noch nie einen Anlass dazu) und werden wir aus Prinzip auch in Zukunft nicht machen. Einfach Geduld haben (am besten mehr als der Beamte), höflich bleiben und falls es doch Probleme geben sollte, den Vorgesetzten verlangen. Meist verleidet es den Polizisten eh nach einigen Minuten Kommunikationsschwierigkeiten. Anders sieht es aus, wenn ihr tatsächlich gegen eine Verkehrsregel verstossen habt; dann solltet ihr natürlich dafür geradestehen.

Einreise / Registrierung

Für die Einreise wird ein Visum benötigt, das ihr am besten schon in eurem Heimatland organisiert (spart Zeit während der Reise). Für Touristen gibt es ein 30-Tages-Visum oder ein 60-Tages-Visum (zweimalige Einreise) mit maximal zwei Mal 30 Tagen Aufenthalt in Kasachstan. Nach (je)dem Grenzübertritt muss man sich in Kasachstan für die Aufenthaltsdauer im Land registrieren lassen. Wir haben dies zuerst über ein Hotel versucht, was nicht geklappt hat (es sind nur ganz bestimmte Hotels, die die Registrierung organisieren können). So sind wir tags darauf zum Migrationsamt in Atyrau und haben die Registrierung selber machen lassen. Geht man selbst zum Amt, kostet die Registrierung nichts und hat bei uns etwa 30 Minuten gedauert. Der ganze Vorgang war extrem spannend anzuschauen und gab einen Einblick in den kasachischen Behördenalltag, der doch etwas anders aussieht als bei uns…