Noch immer Almaty

Nach bangem Warten ist das Paket mit den Ersatzteilen am Donnerstag endlich in Almaty eingetroffen. Doch hier in Almaty liefert UPS die Pakete nicht aus, nein, man muss sie am Flughafen abholen, wenn man sie innerhalb einer nützlichen Frist erhalten will. Also haben wir uns mit einer Adresse und einer Telefonnummer bewaffnet und ein Taxi bestellt. Bei den sogenannten Temporären Lagerhallen – quasi im Hinterhof des Flughafens – machten wir uns auf die Suche nach unserem Paket. Nach einiger Zeit fanden wir Yevgeny, unseren UPS-Kontaktmann. Durch eine Passkontrolle ging es für Christian in den Zollfreibereich. Dort musste er wieder mal das von den Grenzübertritten bekannte Zollformular ausfüllen und dem Zöllner erklären, was genau in unserem Paket ist. Mit dem Formular und einem Stempel darauf ging es weiter zum Lager von UPS. Leider hatte Yevgeny den Schlüssel zum Lagerraum verloren. Naja, dann halt mit Gewalt: Die Tür wurde „nach kasachischer Art“ einfach aufgebrochen… Und da lag es auch schon: zwischen vielen anderen Paketen lachte Christian das ersehnte Paket mit den Ersatzteilen an. Auf dem Weg nach draussen musste Christian das Zollformular wieder abgeben und bekam ein neues Formular, für das es bei der Zollverwaltung nochmals ein Stempel gab. Dann ging es Richtung Ausgang, wo er das neue Formular wieder abgeben konnte und das Paket nun offiziell in Kasachstan eingereist war.
Sofort machten wir uns zur VW-Werkstatt aus, wo die Dichtungen erfreut und auch ein wenig erstaunt entgegengenommen wurden. Vermutlich hatten sie nicht geglaubt, dass wir in so kurzer Zeit gute Dichtungen organisieren könnten. Den Motor hatten die Mechaniker bereits ausgebaut und auf der Werkbank parat für weitere „chirurgische Eingriffe“ aufgebahrt.

Am Samstag schauten wir wieder bei der VW-Werkstatt vorbei, um den Stand der Arbeiten herauszufinden. Wir haben erfahren, was die Ursache der  Motorenprobleme nach der „Reparatur“ in der Chaoten-Werkstatt war: Nicht ein minderwertiger Dichtsatz war der Übeltäter, sondern zwei beim Zusammenbau des Motors vergessene O-Ringe. Eigentlich würden wir von der Chaoten-Werkstatt gerne unser Geld zurückverlangen oder ihnen zumindest sagen, wie schlecht sie ihre Arbeit gemacht haben… Die Sprachbarriere macht das allerdings sehr kompliziert. Naja, mal sehen, wir haben ja noch zwei Tage Zeit bis unser Büssli wieder fahrbereit ist. Vielleicht finden wir auch noch eine Lösung für dieses Problem…

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Mittlerweile haben wir es übrigens doch geschafft, zwei Sehenswürdigkeiten von Almaty anzuschauen. Dank Igor, dem deutschsprachigen VW-Mitarbeiter! Er hat uns zusammen mit seiner Familie zu einem abendlichen Ausflug zum Medeu-Eisstadion und auf den Kök-Töbe eingeladen. Das Medeu-Eisstadion ist das zweithöchstgelegenste Eisstadion der Welt. Im Sommer ist es nicht in Betrieb, dafür hat die tolle Aussicht von dort aber das ganze Jahr geöffnet. Der Kök-Töbe ist quasi der Hausberg von Almaty (mit Fernsehturm), auf den man mit einer Gondelbahn fährt. Man könnte auch per Auto hochfahren, aber das wäre natürlich nicht so spektakulär. Auf dem Kök-Töbe haben wir einen kleinen Spaziergang gemacht und dabei das bunt-leuchtende „Entertainment“ bestaunt: Restaurants, Autoscooter, Sommerrodelbahn, Mini-Zoo, Apfel- (das Wahrzeichen von Almaty) und Beatles-Statuen. Das Beste war aber die Aussicht über das in der Nacht funkelnde Almaty oberhalb der Smog-Wolke. …Und die weissen Baby-Ziegen im Zoo 🙂 …

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Almaty – eine unendliche Geschichte

Wir kommen hier einfach nicht weg – es ist wie verhext! Vielleicht liegt es daran, dass wir bisher keine Sehenswürdigkeiten angeschaut haben und Almaty uns deswegen nicht gehen lassen will!? Aber ehrlich gesagt, steht uns gar nicht der Sinn nach Sightseeing. Und das liegt vor allem an den Geschehnissen der letzten Tage:

Die Werkstatt, in die wir das Büssli gebracht hatten, hat sich als echte Chaoten-Werkstatt entpuppt. Äusserlich war uns das ja von Anfang an klar, aber sie war auch sonst so. Kommunikation mies (nicht nur wegen der Sprachbarriere, es wurde sich auch sonst keine Mühe gegeben), demotivierte Mitarbeiter, schlafende Mechaniker, Unzuverlässigkeit und schluderige Arbeit. Das Ergebnis war, dass wir das Büssli zwar am letzten Freitagnachmittag abholen konnten, unsere Freude und der Büssli-Motor allerdings nur etwa 40 km hielten. Dann blinkten Warnlampen auf: Wassertemperatur zu hoch! Freitagabend an der Schnellstrasse. Wir riefen den Mechaniker an, der uns nur sagte, dass jetzt Feierabend sei und er sich am nächsten Tag darum kümmern würde. Somit blieb uns nichts anderes übrig, als das Büssli ein Stück neben die Strasse zu fahren und die Nacht dort zu verbringen. Wir parkten zufälligerweise neben einem Wachhäuschen, dass zu einer Baustelle gehörte. Am Samstagmorgen kam ein Wachmann zu uns und fragte, was wir dort machten. Nachdem wir ihm erklärt hatten, was los war, nahm er sich unserer an und telefonierte mit dem Mechaniker. So oft bis dieser mit drei Buddys gegen 1 Uhr Mittag im Auto kam. Die Vier betrachteten unser Problem, diskutierten und überlegten, was zu tun sei. Dann fuhren wir zusammen mit dem Mechaniker im Büssli langsam Richtung Werkstatt zurück.
Da ein Teil des Problems an fehlenden Ersatzteilen lag (der Mechaniker hat sozusagen auf gut Glück einen „ungefähr passenden“ Dichtsatz eingebaut, da es in Kasachstan anscheinend keinen genau passenden Dichtsatz für unseren Motor gibt), haben wir beschlossen einen Dichtsatz aus der Schweiz schicken zu lassen – damit die Bastelei ein Ende hat. Ein anderer Teil des Problems war der Mechaniker selber, der keinerlei Erfahrung mit dieser Art Motoren hatte. Damit auch das ein Ende hat, gingen wir am Montagmorgen zur VW-Werkstatt und schilderten dort unser Problem. Unser erster Eindruck war so viel positiver als bei der anderen Werkstatt und die vorhergesagten Kosten gleich hoch wie bei der Bastel-Werkstatt. Die Sache war klar und wir liessen das Büssli am Dienstagmorgen per Abschleppwagen zur VW-Werkstatt bringen. Jetzt steht es dort im sicheren Hinterhof und wartet auf die Ersatzteile. Da die Mechaniker selber ja kein englisch oder deutsch sprechen, wurde uns sogar ein deutsch-sprechender Mitarbeiter an die Seite gestellt. Das ist mal Service! Ein guter Anfang.

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Unser Quartier haben wir nach der Rückkehr nach Almaty am Samstag auch gewechselt. Wir waren so froh aus diesem Apartment-Loch gekommen zu sein, dass wir auf keinen Fall dorthin zurück wollten. Stattdessen haben wir ein niedliches, kleines Hostel im Zentrum gefunden („Almaty Central Hostel“). Die Besitzer, ein älteres Ehepaar, sind mega lieb und hilfsbereit. Wir haben zwar keine Zimmertür, sondern nur einen Vorhang, der unser 2er-Zimmer von einem 6er-Zimmer trennt, aber da kaum andere Gäste da sind, ist das kein Problem.

Unser Mech in Winti hat uns gestern ein Paket mit einem Motorendichtsatz geschnürt, das nun per UPS auf dem Weg nach Almaty ist (eine UPS-Sendung zu erstellen, ist übrigens auch eine Wissenschaft für sich!). Im Moment ist das Paket in Frankfurt und wir hoffen, dass es seinen Flieger erwischt. Wenn alles läuft wie geplant, dann sollte das es am Donnerstagabend hier ankommen. Wir drücken die Daumen! Denn Ende nächster Woche läuft zu alledem auch noch unser Visum aus und wir haben ja noch ein Stück Weg vor uns bis nach Russland…

Almaty – Reparatur nach russischer Art

In Almaty waren wir mit dem „Office-Manager“ von Valentina’s Guesthouse verabredet. Da leider kein Platz mehr im Guesthouse war, sollten wir in einem Stadtapartment untergebracht werden. Der Manager führte uns zu einem alten Hochhaus im sowjetischen Stil. Das Treppenhaus war düster, der Lift wacklig und miefig und insgesamt schien alles schon recht heruntergekommen. Das Apartment im siebten Stock war auch schon ziemlich verwohnt. Aber immerhin war es zentral gelegen (soweit man beim weitläufigen Almaty überhaupt von einem Zentrum reden kann), im Bad gab’s eine Waschmaschine und in der Küche einen schicken grossen Kühlschrank. Das Bett hingegen sollte dringend mal erneuert werden! Sonst bleibt man bald ganz in dem Loch stecken, in dem nachts die Matratze versinkt… Ach ja, und was so kleine Krabbelviecher in Wohnungen angeht, sollte man hier auch nicht so heikel sein… Aber das sind wir ja auch nicht ;). Aber trotzdem wollen wir sobald wie möglich wieder im Büssli schlafen.
Nun ja, mal schauen, was die Werkstatt sagt… Welche Werkstatt überhaupt…? Es gibt ja soo viele, viele kleine Werkstättchen in Kasachstan! Ausserdem war Wochenende… Welche Werkstatt hat hier auch am Wochenende geöffnet? Wir haben den Samstag damit verbracht, sämtliche Leute, die uns vielleicht weiterhelfen könnten, anzuschreiben. Im Internet haben wir eine VW-Werkstatt gefunden, die allerdings etwas weiter ausserhalb lag und wahrscheinlich recht teuer sein würde. Auf all unsere Anfragen kam nur eine Antwort zur rechten Zeit: Maral und ihr Vater haben uns eine Werkstatt in der Nähe vom Apartment empfohlen. Als Dankeschön und auch, weil wir uns so gefreut haben, Maral kennenzulernen, wollten wir sie am Samstagabend zum Essen einladen. Aber wir haben die Rechnung ohne die kasachische Gastfreundschaft gemacht und so wurden wir schlussendlich zum Nachtessen (traditionelles Schaschlik) eingeladen.

In der Werkstatt mussten wir auf russisch unser Problem erklären. Nicht ganz einfach, da unsere Russischkenntnisse sehr beschränkt sind – von Fachausdrücken ganz zu schweigen. Aber mit Händen und Füssen konnten wir das Problem dann doch verständlich machen. Und der weisse Rauch war ja schliesslich nicht zu übersehen. Schnell war klar, die Wassermanteldichtung musste ersetzt werden, vermutlich bei den rechten zwei Zylindern. Aber zur Sicherheit wollten sie sowieso beide wechseln. Mit telefonischer Hilfe von Liudmila, unserer Russischlehrerin, konnten wir die noch offenen Fragen und Details klären (Ganz lieben Dank nochmal, Liudmila, du hast uns sehr geholfen!!!). Nachdem wir eine Anzahlung von 40’000 Tenge (~200 CHF) gemacht hatten, liessen wir unser Büssli wehmütig in der Werkstatt zurück.
Zum Trost gab es am Abend ein Bier und das WM-Spiel Schweiz-Ecuador mit erfreulichem Ergebnis :). Als Schweiz-Fans gehörten wir zwar zur Minderheit in der Bar, aber die Kasachen sind sehr tolerant und haben sich am Ende wohl auch ein bisschen für die Schweiz mitgefreut.

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Am darauffolgenden Tag statteten wir der Werkstatt einen kurzen (Kontroll-) Besuch ab. Tatsächlich, der Motor war zerlegt und die Ventilköpfe (hoffe, das ist der richtige Ausdruck) waren bereits unterwegs zum Überarbeiten. Die Werkstatt und wohl auch die Arbeitsweise in Kasachstan ist nicht mit der in der Schweiz zu vergleichen. Werkstattordnung ist ein Fremdwort. Überall liegen halb zerlegte Motoren und kaputte Teile herum. Die Beleuchtung bestand aus ein paar an der Wand hängenden Glühbirnen, die flackerten wenn nebenan in der Autowäsche der Hochdruckreiniger angeschaltet wurde. Halt eine richtige Bastelwerkstatt. Auf die Frage, ob sie denn schon mal solch ein Motor zerlegt hätten, antwortete der Mechaniker mit „нет никогда не видел“ („Nein, noch nie gesehen“). Die wissen, wie man Vertrauen schafft :-).

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Als nächstes mussten wir die mongolischen Visa besorgen und unser Garmin Navi, bei dem das Display kaputt gegangen ist, reparieren oder ersetzen. So machten wir uns auf und versuchten uns mit dem Busnetz von Almaty. Es gibt hier vermutlich über 200 Buslinien; ein System bei den Routen war für uns nicht zu erkennen. An den Haltestellen steht nicht immer dran, welcher Bus dort hält und Fahrpläne gibt es erst gar nicht, da sie wegen des Staus in der Innenstadt eh nicht eingehalten werden können. Lediglich im Internet gibt es ein Tool, mit dem man sich die passende Buslinie heraussuchen kann. Ob man dann die dazugehörige Haltestelle findet und der Bus wirklich so fährt wie geplant ist ein anderes Thema. Dafür ist das Preisschema sehr einfach: Für jeden Bus, in dem man fährt, zahlt man 80 Tenge (40 Rappen) an den Busbegleiter (der hat auch die Aufgabe, die Fahrgäste möglichst schnell in und aus dem Bus zu bugsieren). Fährt man eine längere Strecke im gleichen Bus, zahlt man manchmal nochmals 80 Tenge beim Aussteigen. Die alten Busse sind oft in einem abenteuerlichen Zustand, aber die Fahrer steuern sie sehr geschickt mit plötzlicher Beschleunigung und abruptem Bremsen durch den Stadtverkehr. Wer sich nicht festhält, hat definitiv verloren…

Ein Garmin Navi, das unseren Vorstellungen entsprach, konnten wir in keinem Laden finden. Wieso wir denn kein günstiges Russisches kaufen würden, wurden wir immer gefragt. So eins hatten wir bereits und es ist nicht wirklich brauchbar. Schlussendlich haben wir einen Verkäufer gefunden, der meinte, er würde uns eins auftreiben und uns später anrufen (Das hat er dann auch getan und noch am gleichen Abend waren wir fröhliche Besitzer eines neuen, schönen Navis).

Am Nachmittag haben wir nach weiteren Busfahrten und einem Marsch von ca. 8 km endlich das mongolische Konsulat erreicht. Auf das Klingeln am Tor erschien ein junger Herr und erklärte uns, dass wir am nächsten Tag wiederkommen sollten, der Konsul sei gerade in der Stadt unterwegs. Wir liessen uns nicht abwimmeln – schliesslich waren wir zu den offiziellen Öffnungszeiten da – und erklärten ihm, dass wir durch ganz Almaty gelaufen seien, um hier unser Visum zu beantragen. Daraufhin hatte er ein wenig Mitleid und liess uns eintreten. So konnte Christian zumindest das Formular ausfüllen und den Pass abgeben. Iris musste als deutsche Staatsbürgerin gar kein Visa beantragen. Wir hoffen, dass das auch die Grenzbeamten wissen! Anschliessend haben wir uns auf den langen Rückweg gemacht, aber glücklicherweise einen Bus gefunden, der den grössten Teil der Strecke gefahren ist, ohne dass wir umsteigen mussten. Am Abend gab’s wieder Public Viewing und wieder mit super Ergebnis: Deutschland-Portugal 4:0 ! 🙂

Am nächsten Tag sind wir direkt wieder zum Konsulat gefahren, um Christians Pass mit neuem Visa abzuholen. Als wir dort um ca. 14 Uhr ankamen, hing jedoch ein Schild am Tor, dass man nach 16 Uhr wiederkommen solle. Herrje… Also, wieder in den Bus und ein Stück in die Stadt zurückgefahren. Wir haben die Zeit genutzt, um Christian beim Frisör die Matte abnehmen zu lassen. Nun ist er stolzer Besitzer eines klassischen russischen Haarschnitts :). Zurück beim Konsulat war wieder der junge Herr da, der uns Christians Pass mit Visum durch das Tor reichte. Geschafft!

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Anschliessend sind wir eine gute Stunde im Bus zurückgefahren und noch eine weitere halbe Stunde gelaufen, um wieder bei der Werkstatt zu sein. Und siehe da: Büsslis Motor lief wieder! Juhuu!! Wir hattem dem Mechaniker gesagt, auch die Bremsen zu prüfen und den Grund eines klappernden Geräuschs am rechten Hinterrad herauszufinden. Ein Bremsentest und ein Check des rechten hinteren Antriebswellengelenks ist für heute angesetzt. Wir drücken weiter die Daumen, dass bis heute Abend alles fertig ist und das Büssli parat für die Etappe ins Altai-Gebirge, in die Mongolei, zum Baikalsee und nach Wladiwostok ist!

Sharyn Canyon und Bärenfall

Im Südwesten von Kasachstan hat der Fluss Sharyn einen beeindruckenden Canyon in die rötlichen Felsen gefressen. Den wollten wir sehen und sind auf dem Weg nach Almaty in eine holprige Sandpiste, die zum Canyon führte, abgebogen. Nach etwa 10 km kamen wir am Wärterhäuschen an, weckten den Wärter (Tschuldigung nochmal!), zahlten etwa 7.50 CHF und fuhren auf den Parkplatz. In einer Seitenschlucht liefen wir zum Sharyn Canyon.

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Sharyn Canyon

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Sharyn Canyon

Am Sharyn Canyon wurde gerade ein neues Strohhütten-Touristendorf im hawaiianischen Stil aufgebaut. Daneben ein paar Jurten. Und Zelte. Die Zeltbewohner hatten sich am Fluss zum Kochen und Essen versammelt. Später haben wir erfahren, dass es sich dabei um Geographie-Studenten (plus Professor) auf 1.-Semester-Exkursion handelte. Wir haben uns mit ein paar Studentinnen auf Englisch unterhalten und mit einer Studentin (Maral) sogar auf deutsch. Wir waren ganz begeistert, dass wir mit einer Kasachin fliessend auf deutsch reden konnten und haben die Chance genutzt, sie ganz viele Sachen über Kasachstan zu fragen. Wir wurden dann sogar noch zum (Nach-) Mittagessen eingeladen! Anschliessend hat uns der Prof angeboten, dass wir mit ihnen an ihren nächsten Übernachtungsorte im Turgen-Tal fahren könnten. Das haben wir natürlich sehr gerne angenommen und sind, nachdem wir zusammen mit den Studenten wieder aus dem Canyon geklettert sind, mit dem Büssli hinter ihrem Reisebus hergefahren.

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Maral – die Deutsch-Expertin


Gegen 20 Uhr sind wir im Turgen-Tal an einer kleinen Wiese an einem Fluss angekommen. Die Jungs haben ihre Zelte aufgestellt, während die Mädels angefangen haben zu kochen. Sie wollten später lieber im Reisebus übernachten, weil es dort wärmer sei. Wir wurden dann auch noch zum Abendessen eingeladen! Es gab Plov (Reis mit Hühnchen und Gemüse, ein usbekisches Gericht) – auf offenem Feuer im Kazan (grosser Topf) gekocht. Mega lecker! Gegessen haben wir allerdings erst um etwa halb Zwölf in der Nacht, weil die Exkursion im Zeitplan etwas hinterherhinkte. Die meisten der frierenden Studentinnen haben sich deshalb auch nur schnell ein paar Gabeln Plov hineingeschaufelt und sind dann schnell im Bus verschwunden.

Bei einem Schweizer Bier, das der Professor aufgrund der anwesenden Studenten „versteckt“ trinken musste, haben wir noch einige Zeit über Religionen und Staatssysteme philosophiert, meistens mit Hilfe der Übersetzung von Maral. Es sind einmalige Einblicke, die man bei solchen Diskussionen gewinnen kann und sie helfen, das Land und seine Bewohner besser zu verstehen.

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Der Professor – unser Gastgeber

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Frühstücksbüffet neben dem Büssli

Am nächsten Morgen sind wir der Anleitung vom Geographie-Prof (übrigens auch ein grosser Fussballfan) gefolgt und haben so zum Bärenfall-Wasserfall, den man im Turgen-Tal nach einer kurzen Wanderung erreicht, gefunden. Es gab noch einen grösseren Wasserfall, zu dem wir auch noch hätten wandern können, aber wir haben ihn ausgelassen. Der Grund war vor allem, dass wir uns etwas Sorgen um unser Büssli gemacht haben. Am Abend zuvor kamen beim Warmstart weisse Rauchschwaden aus dem Auspuff. Genau das ist uns schon mal vor zwei Jahren passiert – damals ist das Problem allerdings wieder von alleine verschwunden. Jetzt hatten uns schon mehrere Leute darauf angesprochen, dass etwas mit unserem Auto nicht stimme; dass es rauche und dass das Abgas nach Wasser riechen würde und so… Wir wollten aber noch bis Almaty fahren (es war ja nicht mehr weit) und erst dann eine Werkstatt suchen.

 

Von Ysyk-Köl nach Kasachstan

 

Nach einer sehr ruhigen Nacht am Ysyk-Köl See war es an der Zeit uns von Kirgistan zu verabschieden. Unsere Route führte ostwärts durch das Tüp-Tal hoch Richtung kasachische Grenze. Noch ein letztes Mal durchquerten wir malerische Bergtäler wie sie schöner in der Schweiz nicht zu finden wären. Grüne Wiesen mit Kühen und Jurten, Förenwälder an den Hängen und weisse Berggipfel dahinter. Wir fühlten uns fast wie zu Hause. Nur der Kontrollposten einige Kilometer vor der Grenze war dann ganz und gar unschweizerisch. Ein jüngerer Herr in Kampfanzug jedoch ohne Waffe nahm uns in Empfang. Die Art wie er den Kampfanzug trug, liess uns stark daran zweifeln, ob wir uns hier an einem echten Kontrollposten befanden. Er verwies Christian zu „Customs“, einem Auto unweit der Schranke. Das Zollhäuschen selbst war nämlich gar kein Zollhäuschen, sondern ein kleiner Laden.  Im Auto sass ein rundlicher Herr mit bekleckerter Uniform. Christian überreichte im die Papiere, die er nach genauer Musterung für fehlerhaft hielt und mehrmals „Problem“ wiederholte. Auf dem Formular stand kein Vatersname. Da in meinem Pass auch kein Vatersname steht war das auch nicht weiter verwunderlich… Der Zöllner im Kampfanzug stellte sich neben mich und zeigte mir eine Zündholzschachtel. Als er die Schachtel aufschob stand auf dem Boden der Schachtel 20 $. Ah, jetzt war definitiv klar, worauf die beiden hinaus wollten. Christians Russischkenntnisse beschränkten sich von nun an auf „нет“; Bakschisch haben wir bis jetzt nicht bezahlt und werden wir auch in Zukunft nicht. Als nächstes Stand die Durchsuchung des Büsslis an. Eigentlich suchten sie weder nach Drogen oder anderen illegalen Gütern, sondern einfach nach etwas, das ihnen gefiel. Nach einigen Minuten begnügten sie sich mit zwei Büchsen Red Bull (die wir sogar in Kasachstan gekauft hatten – also nichts Spezielles eigentlich) und liessen uns passieren. Ob wir wirklich einen offiziellen Kontrollposten passiert haben oder nicht, haben wir nicht herausgefunden. Nach weiteren 30 Kilometern sind wir dann am richtigen Zoll angekommen.

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Die Ausreise aus Kirgistan war sehr unkompliziert. Natürlich wurde wieder unser Büssli inspiziert, aber wie immer mehr aus Neugierde an der Technik. Die Zollpapiere waren natürlich korrekt, auch ohne Vatersnamen… und zum Schluss benötigten wir noch den Ausreisestempel. Leider war der Einreisestempel in Christians Pass nur sehr schwach sichtbar, was den Zöllner ein wenig misstrauisch machte. Mit Lupe und Lampe fanden wir dann jedoch den Stempel auf der letzten Seite und der Zöllner war zufrieden und auch vermutlich auch erleichtert (Fehlende Stempel bedeuten auch für Zöllner viel Arbeit). Den Ausreisestempel testete er dann extra auf einem Stück Papier – vermutlich wollte er zeigen, dass die kirgisischen Zollstationen auch schöne Stempel machen können. Trotzdem wurde der Stempel im Pass wieder schlecht sichtbar, was der Zöllner mit einem Grinsen und „паспорт не работает“ („Pass funktioniert nicht“) kommentierte.

Dann ging es an die Einreise nach Kasachstan. Hier trafen wir bei den Zöllnern auf wahre Fussballfans. Wir erfuhren, dass Murat Yakin bald Spartak Moskau trainieren und die Schweiz gegen Argentinien verlieren würde und dass man sogar in der hintersten Ecke von Kasachstan schweizerische Mannschaften wie FCB, FCZ oder Grasshoppers (klingt sehr lustig auf Russisch) kennt. Nachdem unser Büssli auch noch von unten angeschaut wurde und wir im Besitz aller notwenigen Dokumente waren, durften wir nach Kasachstan einreisen.

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Infos Kirgistan

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Camping in Kirgistan

Campingplätze wie man sie in Europa kennt, gibt es in Kirgistan nicht.

Wild zu campieren ist jedoch in Kirgistan kein Problem. Es gibt genügend schöne Plätze, an denen man für sich ist (vielleicht abgesehen von ein paar Pferden o.ä.). Am besten entfernt man sich dafür von der Hauptstrasse entlang einer Nebenstrasse und stellt sich dann irgendwo auf die Wiese; z.B. geschützt hinter einen Hügel oder in einiger Entfernung zum nächsten Dorf. Oft kann auch in Nationalparks oder bei Sehenswürdigkeiten übernachtet werden. Dort gibt es meist Plumps-Hock-Klos, die benutzt werden können. Da Kirgistan grösstenteils aus Hochgebirge besteht, kann es auch im Sommer und vor allem in den Nächten empfindlich kalt werden und sogar schneien.

Strassenverhältnisse

Die wenigsten kirgisischen Strassen sind asphaltiert. Meist handelt es sich um Pisten, deren Zustand stark variiert. Auf kleinen Nebenstrassen in den Bergen ist teilweise ein 4WD-Fahrzeug notwendig. Es lohnt sich, Einheimische über den Strassenzustand oder die beste Route zu einem Ziel zu befragen. Der direkte Weg ist nicht immer der schnellste. Zudem sind einige Strassen nur saisonal geöffnet. Viele Strassen führen über hohe Pässe (>3000 m), die nur im Sommer geöffnet sind. Mit tiefen Schlaglöchern und Tieren auf der Strasse (Pferde, Kühe, Schafe) muss man überall rechnen.

Menschen

Die Kirgisen sind ein sehr freundliches und neugieriges Volk. Beim Autofahren sind sie recht ungeduldig und es wird viel gehupt. Die meisten Kirgisen sprechen Russisch. Die jüngeren Leute können teilweise ein paar Brocken Englisch.

Tankstellen

Viele kleine kirgisische Tankstellen verkaufen minderwertiges oder verdünntes Benzin. Es empfiehlt sich, wenn möglich, nur bei Gazprom zu tanken. Zur Sicherheit sollte immer eine Notration Kraftstoff mitgeführt werden (Im Notfall bekommt man in kleineren Dörfern Benzin aus Kanistern – Qualität unbekannt). Richtige Tankstellen gibt es in grösseren Ortschaften direkt an den Fernstrassen. Benzin ist meist mit 80 und 92 Oktan verfügbar. 95/96 Oktan ist etwas seltener, Gazprom bietet es aber an (wenn es nicht gerade ausgegangen ist).

Beim Tanken wird zuerst der Zapfhahn eingesteckt, dann bezahlt (unter Angabe des Kraftstoffes, der Zapfsäule und der Literanzahl an Kraftstoff, die man tanken möchte) und anschliessend getankt. Man kann auch versuchen „polna“ (voll) zu tanken. Dazu einfach eine grössere Summe an der Kasse abgeben, nach dem Tanken erhält man das Rückgeld. Die wenigsten Tankstellen akzeptieren Kreditkarten.

Autowäsche

Es gibt viele Autowaschanlagen (Автомойка), in denen man sein Auto für etwa 400 Som waschen lassen kann – natürlich alles manuell.

Polizeikontrollen

Die Polizisten (Stöckchenschwinger) in Kirgistan sind eine Plage. Natürlich wollen sie immer etwas haben und meist erfinden sie irgendein Vergehen um zu kassieren. Wir haben uns ähnlich wie in Kasachstan verhalten. Nichts verstehen und klar zu erkennen geben, dass man nichts zahlt (ausser es ist einem bewusst, dass man etwas „verbrochen“ hat). Irgendwann geht allen Polizisten die Geduld aus und sie lassen einem mit einem freundlichen Schulterklopfen fahren.

Einreise / Registrierung

Die Einreise in Kirgistan ist für die meisten Europäer visumfrei. Für einen Aufenthalt bis zu 60 Tagen braucht es keine weiteren Dokumente ausser einen noch mehrere Monate über den Aufenthalt hinaus gültigen Reisepass. Sicherstellen, dass man bei der Einreise einen Stempel in den Pass bekommen hat! Eine Registrierung nach der Einreise ist nicht notwendig.
Bei der Einreise werden Fahrer und Beifahrer separat abgefertigt. Der Fahrer muss sich auch um die Zollabfertigung des Fahrzeugs kümmern, während der/die Beifahrer auf der anderen Seite der Grenze warten.

 

 

 

 

 

Reise nach Bischkek

Nach Natur-Pur im Aksu-Jabagly Naturreservat ging es zurück auf die Strasse, weiter in Richtung kirgisische Grenze. Unser Kasachstan-Visum erlaubt uns zwei Einreisen mit jeweils einem Aufenthalt von maximal 30 Tagen. Die ersten 30 Tagen waren nun fast um und somit rückte die „Zwangspause“ von Kasachstan näher. Wir haben ein letztes Mal in Kasachstan idyllisch am Feldrand übernachtet, bevor es über die Grenze und in den dicht besiedelten Norden Kirgistans ging. Auch dort haben wir für unsere erste Nacht ein einigermassen ruhiges Plätzchen gefunden, wenn auch mit Kuhherden, die abends und morgens an unserem Büssli vorbeizogen.

Der Grenzübergang verlief ein wenig anders als wir es bisher kannten. An der Grenze zwischen Kasachstan und Kirgistan werden Fahrer und Beifahrer getrennt durch die Grenze geschleust. Der Beifahrer läuft und muss lediglich seinen Pass vorzeigen, während der Fahrer zusätzlich noch die ganze Fahrzeugverzollung erledigen muss. Die Ausreise aus Kasachstan ging sehr flott, die kasachischen Zöllner waren freundlich und korrekt. Spannend wurde es erst auf der kirgisischen Seite. Als erstes wurde Christian (als Fahrer) von einem Soldaten mit umgehängter Kalaschnikow begrüsst. Neugierig fragte er mich nach meiner Herkunft und meinem Ziel, danach liess er sich das Büssli erklären und war sichtlich beeindruckt. Bei der Durchsuchung fand er eine Taschenlampe, die ihm sehr gefiel. Christian solle ihm sie schenken, fand er. Christian dachte nicht mal daran und zeigte ihm eine kleine Taschenlampe, auf die wir hätten verzichten können. Diese lehnte er jedoch mit dem Hinweis „Made in China“ ab. Schlussendlich konnte Christian passieren und kam somit endlich in den kirgisischen Zollbereich. Sofort wurde er von drei Herren der Zolldeklaration abgefangen. Es war direkt klar, dass diese Herren gerne ihr Gehalt ein bisschen aufgebessert hätten oder zumindest ein „Souvenir“ aus der Schweiz haben wollten. Aber Christian blieb hart und verstand nur das Nötigste oder das Falsche, so dass sie bald aufgaben. Die Zolldeklaration selbst fand dann in einem Haus neben dem Zoll statt. Eine nette Dame in Kampfhose und Strickpulli füllte die Formulare gleich selber aus. Durch das Schalterfenster blickte man nicht etwa in ein Büro, sondern in ein gemütliches Wohnzimmer. Grosse Sofas, schöne Teppiche, Teekocher und was ein Zöllner sich sonst noch so wünscht für gemütliche Tage auf der Arbeit. Ein grosser Fernseher lief im Hintergrund. Nach einigen Minuten kam ein weiterer Zöllner ins Wohnzimmer, zog seine Schuhe aus, machte es sich auf dem Sofa bequem und zappte durch die Fernsehkanäle. Kurz darauf erhielt ich meine ausgefüllten Formulare und konnte wieder zurück zum Büssli. Noch eine Kontrolle des Fahrzeuges durch neugierige Zöllner und dann wurde die letzte Schranke geöffnet. Wir waren in Kirgistan!

Auf dem Weg in Richtung Bischkek gab es die Eingewöhnung mit den kirgisischen Polizeikontrollen. Die erste direkt nach der Grenze, in der es hiess, dass wir eine Art Strassengebühr zahlen müssten. Komisch nur, dass wir die einzigen zu sein schienen, die diese Gebühr abgeben sollten… Nööö, machen wir nicht… Christian hat sich mal wieder standhaft geweigert und nach einer Weile durften wir weiterziehen. Nur einige Kilometer die Strasse entlang kam die nächste Kontrolle. Angeblich sei es ein Vergehen, dass unsere Autonummer nicht auch oben am Heck angeschrieben ist. Blödsinn… Auch hier wieder: Geduld zahlt sich aus. Und weiter ging’s – letztendlich wieder ohne „Schdrafff“.

Am Tag nach der Einreise sind wir in Bischkek angekommen und haben uns mal wieder durch den chaotischen Stadtverkehr an unser Ziel manövriert: eine kleine, hübsche und sehr freundliche Pension; ruhig und doch nicht weit weg von der Innenstadt. Das Personal hier weiss extrem viel über Kirgistan, seine Kultur und Geschichte und alles, was einen Touristen so interessiert. Und sie erzählen alles sehr geduldig und ausführlich. Vielleicht ist das ein Vorteil von Vor-Saison-Reisenden!?
Dabei haben wir auch erfahren, dass sich viele Beamte ihren Job „kaufen“ müssen. Sie müssen ein rechtes Sümmchen zahlen, damit sie nicht gefeuert werden, und dieses Geld müssen sie irgendwie wieder reinholen. Das erklärt einiges…

Bezüglich Sehenswürdigkeiten hat Bischkek nicht wahnsinnig viel zu bieten. Der trubelige und sehr verwinkelte Osh-Basar ist sicher ein Erlebnis. Es gibt (fast) alles – man muss nur wissen, wo. Ansonsten ist der zentrale Ala-Too-Platz noch recht eindrücklich. Auf dem Weg durch die Stadt haben wir Maksym (säuerliches Getränk aus fermentiertem Getreide) und Chalap (wie Maksym, aber mit Ayram – also Naturjoghurt – gemischt) probiert. Es war für unseren Geschmack doch sehr speziell… Chalap war ein bisschen besser als Maksym (schon allein von der Ästhetik her). Wir bleiben dann doch lieber bei den auch für den europäischen Geschmack leckeren Dingen wie den kleinen süssen oder salzigen Gebäckstücken, die es oft am Strassenrand zu kaufen gibt.

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