Die Heimreise

Um unsere Blaue Rakete ein wenig zu schonen haben wir uns entschlossen, von Durrës mit der Fähre nach Ancona zu fahren. Von Ancona aus sind es nur noch etwa 700 km bis in die Schweiz und die sollten doch – so hofften wir – ohne grosse Probleme zu schaffen sein. Auf der Fähre waren vor allem Lastwagenfahrer und Albaner, die auf der Rückreise von ihrem Heimaturlab waren. Im Aufenthaltsraum wurden laute und hitzige Diskussionen über Fussball geführt – eine Leidenschaft, die wohl so ziemlich alle Völker der Erde gemeinsam haben.

Mit viel Verspätung haben wir in Durrës abgelegt und sind rund 18 Stunden später in den Hafen von Ancona eingefahren. Schon beim Starten des Büsslis merkten wir, dass der Motor wieder mal gar nicht gut lief. Fehlzündungen und viel schwarzer Rauch zogen die Blicke der umstehenden Personen auf uns. Wir steuerten den nächstgelegenen Campingplatz an und starrten mal wieder in den Motorraum. Mit Hilfe der „Telefonseesorge“ unserer Werkstatt in Winterthur wurde uns klar, dass unser Motor wohl zu viel Benzin verbrannte. Und das könnte an einer defekten Lambdasonde liegen. Also, Lambdasonde ausgezogen und siehe da, der Motor lief wieder normal! Am nächsten Tag versuchten wir, in einer nahegelegenen VW-Werkstatt eine neue Sonde zu kaufen. Leider hatten sie keine, da es in Italien angeblich nur Diesel-Büssli gäbe. Naja, nicht so schlimm, denn den Katalysator hatten wir vor der Reise ausgebaut (nicht alles Benzin im Osten ist bleifrei) und somit war die Lambdasonde eh nicht so wichtig.

So allmählich freuten wir uns auf unser Zuhause. Die vielen Pannen im Hinterkopf und vor uns die Schweiz, die mit Chääs und Schoggi lockte… Wir steuerten im direkten Kurs auf die Schweizer Grenze zu und fuhren nach einer Nacht in der Nähe von Rimini bis ins Tessin durch. Erstaunlich, wie schnell man in Italien vorankommt! In Russland hätten wir für die gleiche Strecke fast doppelt so lang gebraucht. Hinter der Grenze schrien unsere Mägen erfreut auf („Olma-Bratwurst, Raclette-Käse, Rivella, Gruyère-Käse, dunkles Brot…!“ 🙂 ) und wir hielten beim ersten Migros nach dem Schweizer Zoll. Am Abend gab es dann auf dem Campingplatz ein kleines Festmahl mit Raclette und Bratwurst – mmmh…!

Auf der weiteren Rückfahrt nahmen wir es gemütlich und verbrachten noch eine Nacht auf einem Campingplatz bei Luzern bevor wir am nächsten Vormittag bei unserer Garage – dem Zuhause unseres Büsslis – eintrudelten. Hier begann das Auspacken, Aufräumen und Putzen. Es war ein bisschen wie Ausziehen… ein komisches, etwas wehmütiges Gefühl.

Naja, nun ist unsere Reise leider vorüber, aber es ist auch schön wieder zu Hause zu sein. Jetzt freuen wir uns darauf, uns an all die tollen Abenteuer, Menschen und Erlebnisse auf unsere Reise zu erinnern. Dieser „Film“ bleibt uns ein Leben lang!

Albanien

Wir hatten von anderen Reisenden schon viel Gutes über Albanien gehört. Jetzt wollten wir uns selbst davon überzeugen.

Unser erste Ziel war Ksamil auf einer Halbinsel direkt hinter der Grenze. Die Insel ist nur im Norden mit dem Festland verbunden, so dass wir uns von Süden kommend mit einer kleinen „Fähre“ übersetzen lassen mussten.

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Auf dem kleinen Campingplatz Ksamil Caravan Camping wurden wir sehr herzlich mit Getränken und Bonbons empfangen. Der Platz liegt zwar nicht direkt am Meer, aber die wunderschöne Bucht ist in wenigen Minuten zu Fuss zu erreichen. Um den Campingplatz herum liefen ein paar streunende Hunde, die aber zu ängstlich waren, um sich füttern zu lassen. Stattdessen hat sich ein kleines, mageres Kätzchen über unser Hundefutter hergemacht und es sich bei uns gemütlich eingerichtet.

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Nach drei gemütlichen Tagen und Nächten in Ksamil fuhren wir weiter nach Himarë. Auf dem Weg dorthin schauten wir uns die 200 Jahre alte Festung von Porto Palermo an. Gegenüber der Festung gibt es noch eine kleine Kirche. Der damalige Bauherr hat dessen Qualität angeblich dadurch getestet hat, dass er den Bauingenieur und den Architekten in die Kirche setze und mit einer Kanone auf das Gemäuer schoss. Alle Drei haben den Test überstanden.

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Himarë war ein wenig trostlos, der Campingplatz voll von österreichischen und deutschen Rentnern und keine streunenden Tiere weit und breit. Somit sind wir schon nach einer Nacht weiter nach Norden gefahren; bergauf, bergab der Küste nach durch idyllische Dörfchen mit spektakulärer Aussicht über das türkisblaue Meer. Etwa 25 km hinter Himarë erhob sich ein hoher Berg vor uns, den wir über eine langgestreckte Serpentinenstrasse überqueren sollten. Der Wind entlang der Küstenstrasse war recht stark und wurde auf der Passstrasse noch stärker. Unser Büssli kämpfte sich eine Steigung nach der nächsten hinauf. Wir hofften, dass wir es bis oben schaffen würden, denn wir hörten ein verdächtiges Klappern aus dem Motorenraum. Plötzlich zum was-weiss-ich-wievielten Mal ein rotes Warnlämpchen: Zu wenig Wasser. Pfff… einem 25-jährigen Büssli gesteht man ja eine gewisse Inkontinenz zu, aber bitte… irgendwann ist auch mal gut!
Wir hielten in einer Haltebucht an. Zu allem Überfluss war es auch noch so stürmisch, dass wir kaum die Büsslitür aufbekamen. Wir haben also gar nicht erst versucht, in den Motorraum zu schauen, sondern sind vorsichtig noch ein Stückchen weiter gefahren, um etwas Windschatten zu finden. Das Warnlämpchen blinkte wieder frenetisch und keine Haltebucht war in Sicht. Es blieb uns also nichts anderes übrig als auf der Strasse zu halten. Kurze Zeit später hielt ein Campingurlauber nach dem anderen neben uns an, um uns ihre Hilfe anzubieten. Aber wozu hat man denn den TCS :). Glücklicherweise war der Verkehr auf der Passstrasse gering, denn am Ende haben wir dann doch geschlagene 1,5 Stunden auf den Abschleppwagen warten müssen. Unser Büssli wurde auf dem Abschlepper festgezurrt und wir in die Fahrerkabine verfrachtet.

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Mit Tempo 20 ging es auf den Pass hoch, um dann mit viel Schwung ins Tal und sogar noch etwa 30 km weiter bis nach Vlorë hinabzudüsen. Der Abschleppwagen hielt bei einer Art Schrottplatz und wir haben schon gedacht, der TCS hätte die Nase voll von uns oder irgendein Missverständnis liege vor. In der hinteren Ecke des Schrottplatzes entdeckten wir dann aber doch etwas, das einer Werkstatt ähnelte. Der Schrottplatz war wohl mehr so etwas wie ein Ersatzteillager. Und trotz des chaotischen Äusseren und anfänglicher Bedenken unsererseits, entpuppte sich die Werkstatt später als kompetent und hilfsbereit. Sofort nach unserer Ankunft nahm sich einer der Mechaniker Zeit für uns und schaute in den Motorraum. Christian hatte bereits die Kühlwasserpumpe im Verdacht. Der Mechaniker baute sie aus. Und tatsächlich – das Lager der Pumpe war hinüber.

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Die Werkstatt versuchte, in Vlorë und Umgebung eine Ersatzpumpe zu finden; leider ohne Erfolg. Plan B war, am nächsten Tag in Tirana nach einer Pumpe zu suchen. Der Werkstattchef hat uns erlaubt, die folgende Nacht im Büssli zu verbringen. Er meinte, sein Bruder – der Nachtwächter – und die Wachhunde würden uns beschützen. Vor was auch immer. Der Nachtwächter-Bruder entpuppte sich als sehr gesprächsfreudig und unterhielt sich mit uns auf Albanisch. Wir verstanden nicht alles, aber das Wichtigste lässt sich ja immer irgendwie mit Händen, Füssen und Geduld vermitteln. Wir teilten unsere Dosen-Kartoffelsuppe mit ihm im Büssli, da er uns erzählte, dass er in seinem Wachhäuschen (ein Schrottauto, das auf einen Stapel rostiger Container gestellt wurde) oft nachts friere. Anschliessend zog er sich in seinen Wachturm zurück und wir machten es uns im Büssli gemütlich. Das ist das Tolle am Büssli: Egal, wo man steht (in diesem Fall ein Werkstatt-Schrottplatz mit dicken Ratten und Wachhundegebell), drinnen ist es immer schön und heimelig.

Die Ersatzteilsuche in Tirana am nächsten Tag war leider auch erfolglos und so machten sich die Mechaniker daran zu versuchen, unsere alte Wasserpumpe zu reparieren. Und sie haben es wirklich hinbekommen! Nach der 101ten Entlüftung des Kühlwasserkreislaufs auf dieser Reise konnten wir am späten Nachmittag weiterfahren. Wir kamen erst im Dunkeln auf dem nächsten Campingplatz bei Kavajë an, aber wir kamen an.
Nicht weit nördlich von Kavajë liegt Durrës, von wo aus viele Fähren nach Italien ablegen. Da das Büssli auch mit reparierter Wasserpumpe immer noch nicht wieder ganz normal fuhr, buchten wir ein Ticket für die Fähre nach Ancona, um uns und dem Büssli den Weg durch Kroatien zu ersparen. Bis zum Abfahrtstermin blieben uns vier Tage auf dem Campingplatz bei Kavajë. Dann hiess es „Tung, Shqipëria!“ (wir kommen sicher wieder) und „Ciao, Italia!“.

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