Im Osten der Türkei

Nach unserem kurzen Georgien-Abenteuer haben wir uns auf die Türkei gefreut. Mit Vollgas fuhren wir auf der türkischen Autobahn am Schwarzen Meer entlang Richtung Westen. Die Besiedlungsdichte hat sich in der Türkei nochmals erhöht und wenn die Landschaft nicht mit Strassen oder Häusern verbaut war, wurde sie für den Anbau von allerlei Getreide und Gemüse genutzt. Teilweise sind die Felder sogar von Zäunen umgegeben und werden vom Bauer persönlich bewacht. So ist es natürlich schwierig einen guten Stellplatz für die Übernachtung zu finden. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Art Campingplatz. Die uns bekannten Campingführer im Internet hatten leider keine Informationen über Campingplätze so weit im Osten der Türkei. Obwohl es eigentlich schon ein paar gibt, wie wir später festgestellt haben; die meisten entsprechen einfach nicht den Vorstellungen der europäischen Camper. Aber wir waren ja schon einiges gewöhnt und hatten auch keine grossen Erwartungen. Bei Trabzon bogen wir links ab und fuhren hinauf in die Berge. Unser Ziel war das Sumela Kloster. Ein Kloster, das 385 n. C. gegründet wurde und sowohl von den orthodoxen als auch von den islamischen Gläubigen sehr rege besucht wird. Auf dem Weg zum Kloster fanden wir eine Übernachtungsmöglichkeit auf einem Mini-Campingplatz bei einem Fischrestaurant. Sogar Dusche mit Warmwasser gab es! Der erste Campingplatz seit langer Zeit. Und dazu noch ein ganz nettes Plätzchen. Am Abend wurde uns dann bewusst, dass wir jetzt wohl im Orient angekommen sind. Kaum war es dunkel, erklang aus den Lautsprechern des nahegelegenen Minaretts der Ruf des Muezzins, der durch das enge Tal schallte. Durch das Echo im Tal hatte das Ganze etwas eher Surreales. Das Klicken und Piepsen des Mikrofons am Ende der „Durchsage“ holte uns dann aber wieder in die Realität zurück.

Am folgenden Tag machten wir uns auf zum Kloster. Durch ein wunderschönes Tal gelangten wir zum Parkplatz unterhalb des Klosters. Das  Kloster selbst ist nochmal 250 Meter höher in eine Felswand gebaut und trohnt wie ein Adlerhorst über dem Tal. Zu Fuss nahmen wir den steilen Weg hinauf zum Kloster in Angriff. Schweissnass kamen wir eine halbe Stunde später beim Eingang des Klosters an. Der Eintrittspreis war recht happig und da wir aus unserem Reiseführer wussten, dass das Innere des Klosters nicht gut erhalten (das Kloster brannte bei einem Gefecht zwischen Russen und Türken aus, wobei die meisten Einrichtungsgegenstände vernichtet wurden) und somit nicht sehr spannend sein sollte, sparten wir uns den Besuch. Wir begnügten uns mit der Aussicht auf das grüne Tal und die eindrücklichen, äusseren Klostermauern (wenn man denn mal einen Platz gefunden hat, von dem aus die Sicht nicht von Bäumen versperrt war).

Wieder zurück in Trabzon machten wir uns auf die Suche nach einem Lenovo-Vertreter. Unser Laptop liess sich seit Tbilisi nicht mehr laden und ohne ihn konnten wir weder Fotos hochladen noch Berichte schreiben. Mit einer Adresse aus dem Internet und etwas Suchen in den engen Gassen von Trabzon fanden wir dann den kleinen Lenovo Store. Da keiner der beiden Herren im Laden Deutsch oder Englisch konnte, war es schwierig, unser Problem zu erklären.  Mit Händen und Füssen und schlussendlich auch mit Hilfe von Google konnten wir uns dann doch irgendwie verständigen. Sie fragten uns, ob wir denn ein anderes Ladegerät probiert hätten. Klar hatten wir das – noch in Tbilisi im Hostel. Trotzdem bestanden sie darauf, es noch mit einem von ihren Ladegeräten zu versuchen. Und siehe da, es klappte tatsächlich. Problem gelöst!

Nach einem Einkauf im MMM Migros Supermarkt (unsere Cumulus-Karte hat leider nicht funktioniert) fuhren wir weiter entlang des Schwarzen Meeres Richtung Samsun. Wir kamen ganz flott voran und hofften vor Einbruch der Dunkelheit auf dem Campingplatz in Ünye anzukommen. Aber da hatten wir die Rechnung ohne unser Büssli gemacht: Etwa 40 km vor dem Campingplatz blinkte es im Armaturenbrett – Kühlwasseralarm! Sofort fuhren wir rechts ran. Die Wasserspur hinter dem Büssli bedeutete nichts Gutes. Also, Kofferraum auf und Fehlersuche. Unter dem Luftfilter wurden wir fündig: Der S-Schlauch, der schon drei Mal mit Gebastel geflickt wurde, war gerissen. Immerhin hatte das letzte Modell, das in Ulaanbaatar designt wurde, einige tausend Kilometer gehalten. Aber was nu? Wieder das Vorgängermodell einbauen und hoffen, dass es noch ein wenig hält oder uns in eine Werkstatt abschleppen lassen und hoffen, dass sie Modell Nummer 4 bauen kann? Da wir ja jetzt wieder innerhalb des TCS-Abdeckungsbereichs waren, entschieden wir uns für die Werkstatt und liessen uns von einem über den TCS organisierten Abschleppwagen abholen. Der Herr vom Abschleppdienst hatte viel Freude an uns und machte auch gleich noch ein paar Fotos von dem Schmuckstück auf seiner Ladefläche. Als Glückbringer schenkte er uns so eine typisch türkische Perlenkette, die wir um den Steuerknüppel unseres Büsslis legen sollten. In der Werkstatt warteten bereits drei junge Türken mit viel Tatendrang. Kaum war das Büssli in die Werkstatt geschoben, wollte der eine schon den Motor starten, um das Problem zu finden. Leider konnten die Jungs kein Wort Englisch oder Deutsch. Also demontierte Christian den Luftfilter selbst und zeigte ihnen, wo das Problem lag. Einer der Jungs schraubte den defekten Schlauch ab und mit einem „No Problem“ verschwand er damit. Bald darauf kam er mit einem halbwegs passenden Schlauch in den Händen zurück. Nach der Montage versuchte Christian den Jungs zu erklären, wie man einen Wasserboxer entlüftet. Nach einer Weile und mit viel Geplansche war auch das erledigt, so dass wir wieder aus eigener Kraft aus der Garage fahren konnten. Gekostet hat das Ganze nicht mal 15 CHF und das Abschleppen wird ja vom TCS übernommen. Unterdessen war es dunkel geworden und wir fuhren zum Campingplatz am Strand von Ünye.

Am nächsten Tag ging es weiter in das Landesinnere, unser Ziel war Hattuša, eine Ruinenstadt mit einer sehr langen Geschichte. Bereits 6000 Jahre vor Christus begannen sich hier die ersten Menschen niederzulassen und bauten den Ort nach und nach zu einer riesigen Stadt aus, deren Blütezeit 1700 vor Christus durch ein riesiges Feuer beendet wurde. Da wir erst spät in Boğazkale, dem kleinen Örtchen neben der Ruinenstadt, ankamen, verschoben wir den Besuch der Ruinenstadt auf den nächsten Tag und fuhren direkt auf den Campingplatz. Dort wurden wir auch gleich vom Dorfoberhaupt zu einer Hochzeit eingeladen. Das Brautpaar war gerade eingetroffen und die Band spielte zum Tanz. Wir dachten schon, das wir eine laute Nacht vor uns haben, aber nach 2 Stunden zog die Hochzeitsgesellschaft weiter und es wurde ruhig auf dem Campingplatz.

Die Ruinenstadt selbst war sehr beeindruckend. Vor allem die Dimensionen: Eine Umrundung der Stadtmauer dauert zu Fuss mehr als 5 Stunden! Zum Glück gibt es eine gut ausgebaute Strasse, die durch die ganze Anlage führt und befahren werden darf. Leider ist nicht mehr allzu viel von der damaligen Stadt erhalten. Nur die aus Stein gemauerten Grundfundamente der zahlreichen Tempel sowie ein Teil des imposanten Befestigungswalls sind noch vorhanden.

Nach der Besichtigung fuhren wir weiter Richtung Ankara, wo wir einen längst fälligen Ölwechsel durchführen wollten. Nach einer Nacht auf dem Parkplatz eines Hotels in der Nähe des Flughafens von Ankara fuhren wir in die Stadt zu einer Volkswagen-Niederlassung. Anfänglich verstand uns so ziemlich keiner. Niemand konnte Englisch oder Deutsch. Nachdem sie anfingen, uns Prospekte von neuen Autos vorzulegen, erklärten wir dann mit Hilfe von Google, dass wir nicht das ganze Auto, sondern lediglich das Öl tauschen wollten :-).
Irgendwann stellten wir fest, dass einer der Angestellten perfekt Französisch sprach und das Ganze wurde ein wenig einfacher. Zuerst erhielten wir eine Absage, sie hätten die Werkstatt voll und frühestens am nächsten Tag Zeit. So lange wollten wir nicht warten und wären schon fast aufgestanden, um zu gehen, als dann doch ganz plötzlich ein Hebebühnchen in der Werkstatt frei wurde. Sie nutzten einfach die Mittagspause, um bei unserem Büssli kurz das Öl zu wechseln. Nach dann doch gut zwei Stunden – inklusive Wartezeit – waren wir wieder auf der Autobahn und die Blaue Rakete zeigte seine Freude über das frische Öl mit einem seidenweichen Schnurren des Motors. Mit voller Fahrt fuhren wir Richtung Istanbul. Und dann plötzlich… haben wir ihn gesehen – einen wilden Bären!!! Nicht in den unbewohnten Weiten Russlands, nein, …in der Türkei, wo wir überhaupt keine Bären erwartet haben. Und dann auch noch auf einem Hang direkt neben der Autobahn nicht weit hinter Ankara! Ein braunes Bärchen. Leider waren wir zu schnell unterwegs, um ein Foto zu machen. Aber gesehen ist gesehen 🙂

 

Die erste Palme

In weniger als vier Tagen sind wir von Tolyatti entlang der Wolga bis an den Fuss des Kaukasus gefahren. Wir waren ein wenig eingeschüchtert von den Reisewarnungen, die über den russischen Teil des Kaukasus auf den Internetseiten der auswärtigen Ämter zu finden waren. Doch aufgrund der vielen positiven Berichte von anderen Reisenden haben wir uns dann doch für eine zügige Fahrt durch den Kaukasus nach Georgien entschieden. Eine gute Entscheidung, wie sich später zeigte. Von Vladikavkas aus ging es über die alte Heerstrasse bergauf Richtung georgische Grenze. Schnell hatten wir die Grenze erreicht und erlebten die bis jetzt zügigste Ausreise aus Russland. Die Einreise nach Georgien verlief auch sehr unkompliziert und die Grenzbeamten waren äusserst freundlich. Sie drückten sogar beide Augen zu und liessen uns das Benzin in unseren Reservekanistern einführen, obwohl es eigentlich nicht erlaubt war.

Durch enge, spektakuläre Schluchten, dunkle Tunnels und Galerien, durch malerische Dörfer und über grüne Hügel fuhren wir zum Kreuz-Pass und weiter durch ebenso enge Täler Richtung Tbilisi. Alte Kirchen und Burgen am Strassenrand erzählen von der strategischen Bedeutung dieser Region in der Vergangenheit.

Nach den heissen Tagen entlang der Wolga genossen wir das kühlere Gebirgsklima und freuten uns auf einen mückenfreien Abend, an dem wir mit weit geöffneten Türen unser Büssli auskühlen lassen könnten. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz trafen wir auf zwei amerikanische Radfahrer, die ihr Zelt an einem sehr hübschen Ort am Bach aufgestellt hatten. Leider war die Zufahrt für unser Büssli nicht geeignet und wir mussten uns talabwärts ein anderes Plätzchen am Bach suchen. Die Radfahrer haben wir am nächsten Tag im Hostel in Tbilisi wieder getroffen.

In Tbilisi verbrachten wir zwei Nächte im Hostel „Why not“, um unseren unterwegs angewachsenen Wäschehaufen abzubauen und uns die Stadt anzusehen. Tbilisi ist eine sehr spannende Stadt, in der es viel zu entdecken gibt (vor allem im Vergleich zu den eher eintönigen russischen Städten). Das südliche Flair – inklusive Palmen! – ist hier deutlich spürbar. Wir fuhren mit der Seilbahn zur Festung Nerikala und genossen die wunderschöne Aussicht auf die Altstadt von Tbilisi. Am zweiten Abend nahmen wir ein Taxi für eine Fahrt auf den Mtazminda Berg. Der Taxifahrer entpuppte sich leider als leidenschaftlicher Rennfahrer, bei dessen wahnsinnigen Überholmanövern und quietschenden Kurvenfahrten uns fast schlecht wurde (vor allem, weil die Sicherheitsgurte nicht funktionierten). Auf unsere ziemlich harschen Worte hin zügelte er dann zumindest die letzten paar Meter der Fahrt seine Pferdchen und fuhr uns gesittet an unser Ziel: Der Vergnügungs- und Erholungspark Mtazminda. In dem grossen Park mit Achterbahn, Riesenrad, Geisterbahn und viel Grün gab es fast mehr Sicherheitskräfte als Besucher. Insgesamt wirkte der Park recht ausgestorben, so dass viele Karussells stillstanden und gelangweilt vor sich hin blinkten. Das Ganze wirkte eher surreal. Es gab jedoch noch ein sehr hübsches Restaurant, auf dessen Terrasse wir mit einem unglaublich schönen Ausblick über die in der Dämmerung liegende Altstadt von Tbilisi gegessen haben. Gleich neben dem Restaurant konnten wir in die Standseilbahn einsteigen, die uns wieder zurück in die Stadt brachte.

In Tbilisi war es extrem heiss und wir wollten weiter ans Meer. Wir fuhren entlang der Hauptverkehrsachse Richtung Westen nach Poti. Unterwegs schauten wir uns noch eins der unzähligen Kloster und eine alte Höhlensiedlung an. Am Schwarzen Meer angekommen, erwarteten uns leider keine Traumstrände, sondern Müllberge. Ähnliches kannten wir schon von einer früheren Reise an die rumänischen Stränden an der Westküste des Schwarzen Meers . Wir hielten uns also nicht lange auf und fuhren weiter nach Süden in Richtung türkische Grenze. Hier zeigte Georgien seine wilde Naturschönheit mit urwaldähnlichen Gebieten, Eukalyptusbäumen und Bambus.

Eigentlich hat uns Georgien sehr gut gefallen. Der erste Eindruck im Kaukasus war atemberaubend schön und Tbilisi ein bunter, fröhlicher Kontrast zu den vorigen Städten auf unserer Reise. Es gab jedoch ein paar Dinge, die unserer Georgien-Erfahrung einen schlechten Beigeschmack gegeben haben: Uns wurden uns in Tbilisi die Sandbleche vom Dach weg geklaut – und das nicht gerade sanft – und an einer Tankstelle haben sie uns einen falschen und um einiges höheren Betrag untergejubelt (die Anzeige der getankten Liter war zuuufällig schon gelöscht und es stand nur noch ein utopischer zu zahlender Betrag angeschrieben). So etwas in der Art ist uns In keinem der anderen Länder passiert.

Über den Ural

Vom Ural hat jeder schon gehört: „Grenze zwischen Europa und Asien“, „das Tor zu Sibirien“ und „dahinter endet die Zivilisation“. Nun, dass Letzteres nicht ganz stimmt, haben wir schon festgestellt. Aber jetzt waren wir gespannt, wie es sein würde, diese magische Grenze zu überqueren und wieder – zumindest für kurze Zeit – auf europäischem Boden unterwegs zu sein.

Sanft beginnt er, der Ural, und wenn man nicht aufpasst, ist man schon durch, bevor man es gemerkt hat. Für einen Schweizer sind die sanften Hügel des Urals sicherlich kein Gebirge. Aber wenn man zuvor durch die westsibirische Tiefebene gefahren ist, freut man sich über ein wenig hügelige Abwechslung.

Unser Ziel im Ural war der Zyratkul National Park. Ein Naturpark rund um einen See welcher besonders schön sein sollte. Am See gibt es eine Art „Campingplatz“, auf dem wir die Nacht verbringen wollten. Nach kurzer Fahrt von der Hauptstrasse weg gelangten wir auch schon an den Parkeingang, wo wir den Eintritt von umgerechnet 1 CHF pro Person und Fahrzeug bezahlten. Im Park selbst gab es die nur Pisten. Also holperten wir rund 30 Minuten durch dichten Wald bergauf bis wir an den See gelangten. Auf der Suche nach einem guten Standplatz versenkten wir einmal mehr unser Büssli. Diesmal in der nassen und sumpfigen Wiese, aus der der Campingplatz hauptsächlich bestand. Nach einer kurzen Betrachtung unserer Versenkungskünste war klar, dass wir unsere Arbeit gut gemacht hatten und nicht so schnell wieder herauskommen würden. Unglücklich am Hang stehend, abwärts noch tieferer Schlamm, aufwärts auch mit Sperre kein Gripp, vom Reifenprofil dank Matsch nichts mehr zu sehen. Wir versuchten es mit Kies, Steinen und Ästen. Aber es half alles nicht. Also ein guter Zeitpunkt um unseren Hi-Lift-Seilzug auszuprobieren. Nachdem wir alle seine Bestandteile, die im ganzen Büssli verteilt verstaut waren, zusammengesucht hatten, bauten wir den Seilzug mehr oder weniger gemäss Anleitung zusammen. Doch irgendwie wollte es nicht klappen. Die Konstellation aus den zur Verfügung stehenden Bäumen und Seilen ging einfach nicht auf (wenn ihr uns fragt, funktioniert das eh nur im Hi-Lift-Werbevideo). Also packten wir den Hi-Lift wieder ein und setzten auf humane Hilfe: Wir fragten ein paar russische Camper, ob sie schieben helfen könnten. Mit vereinten Kräften hat die Blaue Rakete es wieder auf festen Boden geschafft und wir hatten eine neue russische Bekanntschaft gewonnen. Wir sollten doch noch auf ein Bier bei ihnen vorbeikommen. Natürlich haben wir die Einladung angenommen und sind, nachdem wir uns an einem trockenen und festen Plätzen eingerichtet hatten, mit ein Paar Büchsen deutschem Bier und Schokolade bewaffnet zu unseren Zeltnachbarn. Es waren zwei befreundete Pärchen (eins mit Sohn) in unserem Alter. Die beiden Männer hatten vermutlich schon einige Flaschen Bier getrunken und entsprechend heiter war die Stimmung. Es war recht lustig und wir wurden mit Kartoffelsuppe und Wassermelone abgefüllt. Nach den üblichen Themen driftete das Gespräch später dann immer mehr Richtung Politik ab. Keine gute Idee, vor allem nicht nach mehreren Litern Bier. Die Freundschaft kann bei diesem Thema sehr schnell aufhören und somit haben wir uns herzlich für Speis und Trank bedankt und uns in unser Büssli zurückgezogen.

Es war unsere erste Nacht zurück auf europäischem Boden.

Am nächsten Tag ging es weiter Richtung Samara und vor allem Tolyatti, der Heimat DES russischen Autos schlechthin, dem LADA. Gegenüber vom grossen Lada-Werk gibt es das Technische Museum, das wir besichtigen wollten. Für 200 Rubel (~5 CHF) gab es für uns beide ein Atom-U-Boot (wie auch immer sie den Koloss da hingebracht haben) und viele verschiedenste Militärfahrzeuge aus dem 2. Weltkrieg und dem Kalten Krieg zu sehen. Sogar eine richtige Tanja in Uniform konnten wir bewundern (Insider für die alten „Haasen“).

Besonders beeindruckt haben uns die riesigen, manchmal bis zu 10-achsigen Monsterlastwagen. Wir haben uns schon überlegt, wie man einen Campingausbau darauf bauen könnte. Mit so einem Ding müssten wir nie mehr auf schlechten Strassen fahren :-). Aber vermutlich wäre das Reisebudget nach einer Tankfüllung aufgebraucht…

Nach dem Museum machten wir uns auf Richtung Supermarkt. Unsere Vorräte mussten dringend wieder mal aufgefüllt werden. Was wir fanden war überwältigend: Ein richtiger, europäischer Supermarkt! Gestelle soweit das Auge reicht und vor allem die Auswahl… es überkam uns ein richtiger Kaufrausch und beim Einladen musste jeder Hohlraum der Blauen Rakete gefüllt werden, damit wir alles verstauen konnten.

Voll ausgerüstet ging es weiter und unser Kurs schwenkte von West nach Südwest, an der Wolga entlang Richtung Wolgograd. Bald heisst es „Bye bye, Russland!“.

 

Durch Russlands wilden Osten

Nachdem wir uns entschieden haben, nicht nach Wladiwostok, sondern über den Süden zurück in die Schweiz zu fahren, haben wir beim Büssli den 5. Gang eingelegt und sind über Irkutsk, Novosibirsk und Omsk im Eilzugtempo bis zum Ural gefahren. Die Landschaft war nicht allzu abwechslungsreich und uns schon bestens bekannt. Natürlich machten wir in Irkutsk noch einen Besuch bei Galina und in Novosibirsk schauten wir auch noch bei Vera vorbei.

Da es über diesen Abschnitt nicht viel zu berichten gibt, haben wir euch einfach ein paar Bilder zusammengestellt. Bilder von Russland, welche nicht gerade postkartentauglich sind aber dem entsprechen, was wir nebst den Touristenattraktionen halt täglich sehen. Die russische Seele 😉

 

Mongolei

Wir hatten ein lässiges Wochenende im Oasis in Ulaanbaatar mit den anderen Schweizern. Der Kühlwasserschlauch war repariert und der Reifendruck gecheckt – wir waren parat für ein paar mongolische Sehenswürdigkeiten. Zuerst sind wir die Strasse in Richtung Osten gefahren, die uns zum riesigen, silbrigen Chingis-Khan-Denkmal führte. Im Inneren konnten wir bis zum Kopf von Chingis‘ Pferd hinaufsteigen, dem Chingis in die Augen schauen und die Aussicht geniessen. Im Sockel des Denkmals war ein kleines Museum mit Fundstücken aus der Bronzezeit und der Zeit von Chingis Khan (13. Jahrhundert) untergebracht. Vor dem Denkmal durften wir Touri-Adler und -Geier bestaunen – sogar von ganz nah.

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Nach einer Nacht in den Hügeln in der Nähe von Ulaanbaatar haben wir uns in den Norden aufgemacht, wo wir das buddhistische Kloster Amarbayasgalant anschauen wollten. Unterwegs kamen wir an einem der vielen Ovo’s vorbei. Um das Schicksal auf unserer Seite zu haben, haben wir gemäss der buddhistischen Tradition etwas Kleines am Ovo abgelegt, sind ein paar Mal darum herum gelaufen und haben uns was gewünscht. Hoffentlich geht unser Wunsch auch in Erfüllung 😉 Ganz gut haben uns die solarbetriebene Gebetsmühlen gefallen, die als Gabe auf den Ovo gelegt wurden.

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Sobald wir von der Strasse, die nach Erdenet führte, abgebogen waren, fuhren wir über die wahren mongolischen Pisten. So in der Art würde wohl der Weg durch die Mongolei aussehen, dachten wir uns. Solange der Weg über flache Wiesen führte, war es kein Problem und wir kamen mit etwa 35 km/h gut voran. Es gab aber auch ein paar Passagen auf dem Weg, in denen das Büssli sich durch tiefe Löcher, Querrinnen und über steile Anstiege quälen musste. Hätte es vorher ein paar Tage geregnet, hätten wir wohl teilweise echt Probleme bekommen. Aber so war es noch okay und wir haben es bis zum Kloster geschafft. Lediglich der Auspuff ist einmal zu fest aufgestossen und ist jetzt herzförmig. Naja, das ist ja auch ganz hübsch J. Ach ja, und den Keilriemen hat’s zerlegt. Glücklicherweise hatten wir aber Ersatz dabei und konnten ihn schnell ersetzen.

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Auf einem Hügel mit Blick auf das Kloster haben wir die Nacht verbracht. Das Kloster liegt in einem riesigen, flachen Tal, umgeben von „englischem“ Rasen soweit das Auge reicht. Mit vielen Rasenmäääähern und einigen im Tal verstreuten Jurten.

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Am nächsten Morgen haben wir das Kloster besichtigt. Es kam uns ziemlich ausgestorben vor. Wir haben bloss fünf etwa 10jährige Kloster-Schüler in roten Gewändern beim Singen angetroffen – ansonsten war das Kloster, abgesehen von noch ein paar anderen Touristen, leer. Das Kloster ist knapp 300 Jahre alt und hat die Zerstörungen der 1930er Jahre teilweise überstanden. Leider war es in keinem guten Zustand, aber trotzdem war die Architektur beeindruckend und die Atmosphäre besonders.

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Zusammen mit einem tschechischen Pärchen, dem wir den Fussmarsch zurück zur Hauptstrasse ersparen wollten, sind wir wieder zurückgeholpert. Dieses Mal wollten wir die üblen Passagen umfahren und haben einen anderen Weg genommen (es gibt in der Mongolei ja 1000 Wege zum gleichen Ziel). Er war einiges länger und nicht wirklich besser, aber wir haben es zurückgeschafft. Das war wohl die letzte Sandpiste auf unserer Reise (sieht man mal von ein paar Baustellenumfahrungen ab). So haben wir immerhin einen Eindruck bekommen, wie die Fahrt durch die Mongolei in etwas ausgesehen hätte. Ausserdem war es auch unser letzter Ausflug in der Mongolei, denn jetzt ging es wieder in Richtung russische Grenze. Noch eine Nacht an einem Fluss, wo wir ein französisches Rentnerpärchen im Wohnmobil getroffen haben, und dann fuhren wir auch schon auf die Grenze zu. Der Grenzübergang dauerte glücklicherweise nicht so lange wie befürchtet, wenn auch der mongolische Zoll wieder das reinste Chaos war – sehr lustig!