Istanbul

Im Verkehrsstau rollten wir langsam und mit einem tollen Ausblick über den Bosporus von Asien zurück nach Europa. Istanbul ist einfach eine riesige Stadt! Und so bunt und laut und quirlig und touristisch und verwinkelt… so anders als russische Städte. So europäisch halt. Schön. Aber auch Anfang September immer noch sehr heiss.
Wir suchten nach einem Stellplatz, der im Internet beschrieben war und direkt neben einem Sportplatz südlich der Hauptsehenswürdigkeiten direkt am Ufer liegen sollte. Alles, was wir fanden, war eine grosse Baustelle… Schade… Aber direkt hinter der Baustelle wurden wir doch fündig: Ein einfacher Stellplatz, auf dem sich schon einige Urlaubsmobile aus verschiedenen europäischen Ländern tummelten. Es gab zwar lediglich ein einfaches WC und keine Dusche, aber das würde für ein paar Tage schon reichen. Wir stellten uns an das bosporusnahe Ende der Wohnwagenschlange. Schliesslich war dieses Ende weiter weg von der Strasse und sollte somit ruhiger sein. Dachten wir.
Der Fahrer eines Minibusses, der neben uns stand und Pause machte, spendierte und eine Runde türkisches Eau de Cologne zur Erfrischung. Frisch duftend machten wir uns auf zu einer spätnachmittäglichen Besichtigungsrunde. Auf dem Programm stand die Blaue Moschee und die Hagia Sophia. Bei der Blauen Moschee begnügten wir uns am ersten Tag mit der Aussenansicht, da uns die Schlange einfach zu lang war. Unser Reiseführer teilte uns mit, dass die Blaue Moschee die Moschee in Istanbul mit dem stärksten Fussgeruch sei. Das wollten wir uns eventuell für den nächsten Tag aufsparen. Weiter ging’s zur Hagia Sophia, die wir auch von innen bestaunten. Gross und beeindruckend ist sie. Von innen schöner als von aussen – was wir bei der Blauen Moschee noch bezweifelten. Auch in der Hagia Sophia gab es natürlich viele Touristen. Bei der „Weinenden Säule“, die aus angeblich unerklärlichen Gründen Wasser ausschwitzt und heilende Wirkung haben soll, bohrten die Touris einer nach dem anderen mit ihrem Daumen in einem mittlerweile schon tief geformten Loch herum – zur Heilung oder so. Wir hoffen, es hilft. …ihren Daumen…oder so.
Aus dem Nachmittag wurde Abend und unsere Mägen knurrten. Wir entschieden uns für ein Restaurant – etwas Abseits vom Haupttrubel – mit einer kleinen Dachterrasse, von der aus wir einen wahnsinnig tollen Blick über die Dächer Istanbuls auf den Bosporus und die Abendsonne hatten. Das Essen war gut. Leider gab es keine Baklava mehr und somit „nur“ Reispudding zum Dessert. Nach dem Essen rollten wir die letzten Meter (diesmal ohne Büssli) den Berg hinab zum Stellplatz.
Im Laufe des Abends füllte sich der Kai vor unserem Stellplatz. Ein Auto neben dem anderen hielt in erster Reihe am Wasser. Knutschende Paare; viele Männer, die sich über den Platz verteilten, Tee tranken, irgendwelche „Geschäfte“ miteinander machten; ein Maiskolbenverkäufer; eine Rosenverkäuferin; Kinder. Neben uns stand ein Multivan, zu dem eine türkische Familie mit einer ganzen Kinderschar zwischen 2 Monaten und 14 Jahren gehörte. Marianne, eine Deutsche, die zusammen mit ihrem Mann auf dem Weg in den Iran war, kam zu uns herüber. Marianne liess sich von einem der älteren Mädels der türkischen Grossfamilie ein paar Tanzschritte beibringen. Iris und die 14-jährige Schwester des türkischen Mädchens machten mit. Die Mädels sorgten dafür, dass die deutschen „Mädels“ sich herzlich lächerlich machten und ihre ganze Familie was zu lachen hatte :). Aber auch wir hatten unseren Spass.
Die Nacht war kurz und nicht besonders ruhig. Wir wurden von der Sonne geweckt, die unser Büssli schon früh am Morgen in einen Backofen verwandelte. Unser neuseeländischer Nachbar, der mit seiner holländischen Freundin in einem ganz ähnlichen Büssli wie unsere Blaue Rakete unterwegs war, spendierte uns einen türkischen Sesamkringel zum Frühstück. Um 9 Uhr waren wir mit Altug verabredet, einem türkischen VW-Bus-Fan, der lange Zeit in Österreich gewohnt hat, und der uns bei der Suche nach einem Ersatz-S-Schlauch helfen wollte. Er kam standesgemäss mit seinem „Österreichische Bergwacht“ T3-Büssli angebraust. Wir plauderten eine Weile und verabredeten uns für den Abend zusammen mit dem neuseeländisch-holländisch Pärchen auf dem Meydan.
Danach war es Zeit für die zweite Besichtigungsrunde. Wir starteten bei den alten Zisternen. „1001 Zisterne“ hiess der Ort. Wie wir dort feststellten, war es nur die zweitgrösste Zisterne Istanbuls (und ehrlich gesagt auch nicht sonderlich spannend – viele, hohe Säulen in einem feuchten, modrigen Raum). Also gingen wir direkt im Anschluss zum grössten ehemaligen Wasserspeicher Istanbuls: der Yerebatan-Zisterne aus dem 6. Jahrhundert. Die Zisterne mit 8 Meter hohen Säulen, 336 an der Zahl, fasste 80.000 Kubikmeter. Heute ist die Zisterne hübsch für die Besucher zurechtgemacht: Auf Stegen läuft man im Halbdunkel zwischen den mystisch beleuchteten Säulen entlang, während im Hintergrund eine leise Musik die Atmosphäre noch eindrücklicher macht. In das etwa einen halben Meter tiefe Wasser unter einem, wurden für die Optik einige dicke Fische gesetzt.
Zurück im Tageslicht spazierten wir Richtung Norden zum Basar. Einmal quer hindurch und zurück. Der Basar zieht sich über einen riesigen Bereich und wahrscheinlich findet man alles – wenn man nur weiss, wo. Die Chance etwas zu finden, ist jedoch um einiges höher als auf einem Basar in Zentralasien, da alles etwas mehr nach Themen geordnet scheint. Wir kauften ein paar Kleinigkeiten und wanderten anschliessend zurück zum Ausgangspunkt. Danach waren unsere Füsse platt, unsere Sinne überreizt und die Nachmittagssonne brannte.
Nach einer Verschnaufpause machten wir uns auf zum Meydan, um Altug und die anderen zu treffen. Altug hatte es tatsächlich geschafft, uns in den wenigen Stunden einen S-Schlauch zu organisieren! Kein Original, aber immerhin ein guter Ersatz. Vielen, vielen Dank! Altug führte uns zu einem türkischen Restaurant, wo wir super leckeres türkisches Essen bekamen. Anschliessend gab es noch eine kleine Stadtführung durch das Istanbuler Ausgangsviertel und ein Betthupfel-Bierchen, bevor wir zurück zum Stellplatz fuhren und in die Federn sanken.
Auch die zweite Nacht war sehr unruhig, der Morgen heiss, Privatsphäre minimal und so beschlossen wir trotz der noch auf uns wartenden Sehenswürdigkeiten aus Istanbul hinauszufahren und uns ein ruhiges Plätzchen am Meer zu suchen.

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