Die erste Palme

In weniger als vier Tagen sind wir von Tolyatti entlang der Wolga bis an den Fuss des Kaukasus gefahren. Wir waren ein wenig eingeschüchtert von den Reisewarnungen, die über den russischen Teil des Kaukasus auf den Internetseiten der auswärtigen Ämter zu finden waren. Doch aufgrund der vielen positiven Berichte von anderen Reisenden haben wir uns dann doch für eine zügige Fahrt durch den Kaukasus nach Georgien entschieden. Eine gute Entscheidung, wie sich später zeigte. Von Vladikavkas aus ging es über die alte Heerstrasse bergauf Richtung georgische Grenze. Schnell hatten wir die Grenze erreicht und erlebten die bis jetzt zügigste Ausreise aus Russland. Die Einreise nach Georgien verlief auch sehr unkompliziert und die Grenzbeamten waren äusserst freundlich. Sie drückten sogar beide Augen zu und liessen uns das Benzin in unseren Reservekanistern einführen, obwohl es eigentlich nicht erlaubt war.

Durch enge, spektakuläre Schluchten, dunkle Tunnels und Galerien, durch malerische Dörfer und über grüne Hügel fuhren wir zum Kreuz-Pass und weiter durch ebenso enge Täler Richtung Tbilisi. Alte Kirchen und Burgen am Strassenrand erzählen von der strategischen Bedeutung dieser Region in der Vergangenheit.

Nach den heissen Tagen entlang der Wolga genossen wir das kühlere Gebirgsklima und freuten uns auf einen mückenfreien Abend, an dem wir mit weit geöffneten Türen unser Büssli auskühlen lassen könnten. Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz trafen wir auf zwei amerikanische Radfahrer, die ihr Zelt an einem sehr hübschen Ort am Bach aufgestellt hatten. Leider war die Zufahrt für unser Büssli nicht geeignet und wir mussten uns talabwärts ein anderes Plätzchen am Bach suchen. Die Radfahrer haben wir am nächsten Tag im Hostel in Tbilisi wieder getroffen.

In Tbilisi verbrachten wir zwei Nächte im Hostel „Why not“, um unseren unterwegs angewachsenen Wäschehaufen abzubauen und uns die Stadt anzusehen. Tbilisi ist eine sehr spannende Stadt, in der es viel zu entdecken gibt (vor allem im Vergleich zu den eher eintönigen russischen Städten). Das südliche Flair – inklusive Palmen! – ist hier deutlich spürbar. Wir fuhren mit der Seilbahn zur Festung Nerikala und genossen die wunderschöne Aussicht auf die Altstadt von Tbilisi. Am zweiten Abend nahmen wir ein Taxi für eine Fahrt auf den Mtazminda Berg. Der Taxifahrer entpuppte sich leider als leidenschaftlicher Rennfahrer, bei dessen wahnsinnigen Überholmanövern und quietschenden Kurvenfahrten uns fast schlecht wurde (vor allem, weil die Sicherheitsgurte nicht funktionierten). Auf unsere ziemlich harschen Worte hin zügelte er dann zumindest die letzten paar Meter der Fahrt seine Pferdchen und fuhr uns gesittet an unser Ziel: Der Vergnügungs- und Erholungspark Mtazminda. In dem grossen Park mit Achterbahn, Riesenrad, Geisterbahn und viel Grün gab es fast mehr Sicherheitskräfte als Besucher. Insgesamt wirkte der Park recht ausgestorben, so dass viele Karussells stillstanden und gelangweilt vor sich hin blinkten. Das Ganze wirkte eher surreal. Es gab jedoch noch ein sehr hübsches Restaurant, auf dessen Terrasse wir mit einem unglaublich schönen Ausblick über die in der Dämmerung liegende Altstadt von Tbilisi gegessen haben. Gleich neben dem Restaurant konnten wir in die Standseilbahn einsteigen, die uns wieder zurück in die Stadt brachte.

In Tbilisi war es extrem heiss und wir wollten weiter ans Meer. Wir fuhren entlang der Hauptverkehrsachse Richtung Westen nach Poti. Unterwegs schauten wir uns noch eins der unzähligen Kloster und eine alte Höhlensiedlung an. Am Schwarzen Meer angekommen, erwarteten uns leider keine Traumstrände, sondern Müllberge. Ähnliches kannten wir schon von einer früheren Reise an die rumänischen Stränden an der Westküste des Schwarzen Meers . Wir hielten uns also nicht lange auf und fuhren weiter nach Süden in Richtung türkische Grenze. Hier zeigte Georgien seine wilde Naturschönheit mit urwaldähnlichen Gebieten, Eukalyptusbäumen und Bambus.

Eigentlich hat uns Georgien sehr gut gefallen. Der erste Eindruck im Kaukasus war atemberaubend schön und Tbilisi ein bunter, fröhlicher Kontrast zu den vorigen Städten auf unserer Reise. Es gab jedoch ein paar Dinge, die unserer Georgien-Erfahrung einen schlechten Beigeschmack gegeben haben: Uns wurden uns in Tbilisi die Sandbleche vom Dach weg geklaut – und das nicht gerade sanft – und an einer Tankstelle haben sie uns einen falschen und um einiges höheren Betrag untergejubelt (die Anzeige der getankten Liter war zuuufällig schon gelöscht und es stand nur noch ein utopischer zu zahlender Betrag angeschrieben). So etwas in der Art ist uns In keinem der anderen Länder passiert.

4 Gedanken zu “Die erste Palme

  1. Großartig! Ich bin sooo neidisch. Ich will schon lange nach Georgien, trau mich aber allein nicht und finde andererseits keinen Begleiter. Klasse Fotos!

  2. Hallo ihr zwei,
    wir haben Eure Karte bekommen 🙂 vielen vielen Dank – haben uns sehr gefreut. Wir verfolgen gespannt Eure Reise und wünschen Euch noch gaaaanz viel Spaß. Viele Grüße aus Brisbane Inga & Markus

  3. Haben uns gerade in Istanbul kennengelernt – war ein Abend der besonderen Art mit türkischen Kindern, die uns zu Tanz animierten und so übermütig sind. – ob alle 12 im Auto neben euch schlafen werden? Der Vollmond wird auf jeden Fall über uns wachen – Gute Nacht! Mit Blick über den Bosborus Marianne und Uli

Wir freuen uns auf deine Kommentare

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s