Novosibirsk – die 3. Motor-Reparatur

 

Nachdem wir mit sehr viel Aufwand und nach sehr langer Zeit endlich unser Paket mit den Ersatzteilen erhalten haben, sind wir natürlich so schnell wie möglich zur VW-Werkstatt gefahren. Sergei, der Spezialist auf alten Fahrzeugen, hatte ab Freitag Dienst. Da er selbst Besitzer eines T3 Transporter ist, waren wir sicher, dass unser Büssli in guten Händen ist. Die Mechaniker waren begeistert von der Qualität der Ersatzteile. Vermutlich haben sie uns nicht geglaubt, dass wir die Teile wirklich auftreiben können. Während des TNT-Express-Debakels haben allerdings auch wir daran gezweifelt, jemals unsere Ersatzteile zu erhalten.

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Während der Reparatur durfte Christian die ganze Zeit anwesend sein. Er wurde schon fast zu einem richtigen Mitarbeiter von der „Avtomir“-Werkstatt („Autowelt“-Werkstatt), inklusive Mittagessen in der Kantine. Sergei, der Manager (nicht zu verwechseln mit Sergei dem Mechaniker), hat für die Reparatur einen Tag veranschlagt. Das war schon ein wenig optimistisch, aber wir hatten nichts gegen optimistische Zeitangaben. Als erstes wurde der Motor ausgebaut. Bei unserem Fahrzeug eigentlich keine grosse Sache. Da haben die VW-Ingenieure ganze Arbeit geleistet. Auspuffanlage abschrauben, Motor von Getriebe abschrauben, die Motorhalterung lösen und schon kann er unten aus dem Fahrzeug genommen werden.

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Danach ging es an die Demontage der Zylinderköpfe und den Ausbau der Zylinder. Als alles auseinandergenommen war, konnten wir die Bastelarbeit der Werkstätten in Kasachstan erkennen. Einen Stehbolzen, der bei der Montage überdehnt worden war, hatten die VW-Mechaniker in Almaty aus normalem Stahl selber neu gefertigt. Ein Wunder, dass das Ganze gehalten hat… Den O-Ring an der Unterseite vom Zylinder hatte weder der Bastler Mischa noch die VW-Werkstatt in Almaty gewechselt. Der alte O-Ring war schon fast mit dem Zylinder Eins geworden und konnte vor lauter Gummipaste zuerst gar nicht gefunden werden. Der Zylinder 3 hatte schon ziemliche Riefen und Beschädigungen. Wie vermutet, war das Wasser in diesen Zylinder eingedrungen und hatte deutliche Spuren hinterlassen.

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Während all der Arbeiten konnte Christian immer wieder ein wenig helfen. Gleichzeitig war es auch eine gute Gelegenheit, das Arbeitsverhalten in einer russischen Werkstatt zu beobachten. Einige der vor allem jungen Mechaniker lagen die meiste Zeit in der Werkstatt rum oder spielten mit ihrem Handy. Zwischendurch schraubten sie sogar noch am eigenen Fahrzeug auf dem Parkplatz rum. Vermutlich werden die Mechaniker nur für die Stunden, die sie an einem Auto arbeiten, bezahlt. Und laut eines Verkaufsangestellten in der VW-Filiale würden die Mechaniker nur so viel arbeiten wie sie müssten. Also, entweder reichen ihnen schon wenige Arbeitsstunden um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren oder es gab nicht mehr Aufträge, die sie hätten übernehmen können.

Das Mittagessen fand in der betriebseigenen Kantine in einem kleinen Raum ohne Fenster statt. Für rund 150 Rubel (knapp 4 CHF) gab es ein in der Mikrowelle aufgewärmtes Essen, das weder gut aussah noch gut schmeckte. Unser Mechaniker Sergei hat sich für die Mittagspause gerade mal 15 Minuten Zeit genommen und ist dann sofort wieder an die Arbeit zurück.

Am Abend des ersten Tages hatten wir also den Motor demontiert und alles gereinigt. Mit der Montage der neuen Zylinderköpfe wollten wir am nächsten Morgen beginnen. Alexander, der einzige deutschsprechende Mitarbeiter von Avtomir (und eine sehr grosse Hilfe beim Übersetzen), chauffierte Christian in seinem Schiguli zurück ins Hostel.

Am nächsten Morgen ging es also mit der Montage der Zylinderköpfe weiter. Von den Stehbolzen konnten wir nur den in Almaty „erneuerten“ auswechseln. Die Restlichen liessen sich nicht lösen und aus Angst, ein Gewinde im Motorenblock zu zerstören, haben wir die Bolzen drinnen gelassen. Gegen Mittag konnten wir den Motor wieder einbauen und die Schläuche und Rohre des Kühlwasserkreislaufs zusammenbauen. Einige der Kühlmittelschläuche waren schon sehr alt und es war klar, dass diese nicht mehr ewig halten würden. Dass wir aber schon sehr bald Probleme mit ihnen bekommen würden, hatten wir jedoch nicht gedacht. Aber dazu mehr im nächsten Bericht.

Gegen neun Uhr abends konnte Christian dann endlich das Büssli aus der Werkstatt fahren. Der Motor klang wie neu, war er ja teilweise auch. Nach all der praktischen Motorenschulung kann Christian die nächste Motorenrevision wohl selber durchführen ;).

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