Oral – Aktobe – Aral

Die Wüste lag hinter uns und vor uns wieder die bis an den Horizont reichende Steppe. Kein Hügel, kein Baum. Aber dann – doch: Auf dem Weg von Atyrau in den Norden wurde es immer grüner, denn dort schlängelt sich der Fluss Ural von Russland kommend bis ins Kaspische Meer bei Atyrau. Sogar ein paar Bäume wuchsen entlang des Flusses und bunt-schillernde Vögel flogen um unseren Übernachtungsplatz am Fluss. Ein paar Pferde badeten ein paar Meter weiter. Die perfekte Idylle – wären da nicht all die Mücken!

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Am darauffolgenden Tag fuhren wir bis hinter Oral, wo es laut Reiseführer einen Campingplatz (!) geben sollte. Er entpuppte sich als „russischer“ Campingplatz, wo man nur in Hütten, aber nicht im Büssli übernachten konnte; Duschen gab es auch nicht. Da wir von der Hitze und der langen Fahrt recht erschlagen waren, haben wir uns nach einer Dusche (unserer Dachdusche) gesehnt und brauchten dafür nur noch eine hübschen, ungestörten Ort. Den fanden wir an der nächsten Schlaufe des Urals, wenn auch wieder mit Schwärmen von Mücken.

Nach einer kühlen Nacht und etwa 30 Mückenstichen mehr pro Person ging die Reise weiter nach Aktobe. Dort gönnten wir uns ein Hotel mit sowjetischem Ambiente. Die Zimmer waren günstig, dafür gab’s aber nur Einzelbetten und keine Klimaanlage. Egal, Hauptsache keine Mücken. So schmorrten wir den Rest des Nachmittags im Hotelzimmer vor uns hin und planten unsere Weiterreise. Die Stadt Aktobe erkundeten wir am Abend und am nächsten Tag. Aktobe ist recht übersichtlich in seiner Grösse, entlang der Hauptstrasse aber sehr lebhaft. Direkt neben unserem Hotel gab es ein Shopping Center inklusive Mini-Zoo vor der Tür und Moschee hinten dran. Ein Shopping Center in Kasachstan ist etwas anders aufgebaut als man es in Europa kennt. Die Läden, die alle eine Hausnummer haben, sind sehr klein und haben somit ein sehr beschränktes Sortiment. Der eine Laden verkauft Pelzmäntel, der nächste Abendkleider, der nächste Sommerkleider, etc. Von den meisten Teilen gibt es nur eine Grösse und Männerkleidung findet man selten. Eigentlich ist es wie ein überdachter, mehrstöckiger Bazar.
In der ersten Nacht in Aktobe zogen nach dem schwül-heissen Tag Gewitterwolken auf. Das Gewitter näherte sich nicht langsam, sondern begann mit einem laut krachendem Einschlag in eines der nebenstehenden Häuser. Daraufhin begannen etwa 20 Autoalarmanlagen auf dem Parkplatz im Hinterhof zu heulen. Kurz nachdem der Alarm wieder gestoppt hatte, kam ein neuer Blitz und Donner und das Geheul fing von vorne an. Starker Regen platzte aus den Wolken. Es dauerte allerdings nicht lange und das Gewitter war vorbeigezogen. Aber es hat gereicht: Endlich Abkühlung!

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Von Aktobe aus fuhren wir weiter süd-östlich nach Aral (bzw. Aralsk). Entlang der Strasse sollte laut Reiseführer und Internetrecherche ein ca. 1 Mio. Jahre alter Meteoritenkrater (Zhamanschin) mit ca. 14 km Durchmesser und 700 m Tiefe liegen. Auf eigene Faust fanden wir lediglich Steine, die aussahen, wie sprödes Glas. Dies sollte beim Aufprall des Meteoriten durch die hohe Hitze und den Druck entstanden sein. Um zum Krater zu kommen, fragten wir bei mehreren kleinen „Raststätten“ entlang der Strasse nach, aber keiner wusste irgendwas oder wenn doch, dann nichts Genaues. Den Krater haben wir somit leider nicht gefunden, aber ein paar schöne Einblicke in die kasachischen Einkehrmöglichkeiten entlang der Hauptstrasse.

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Manchmal sah es so aus, als liege der Aralsee direkt vor uns. Aber wir sind nicht auf die zahlreichen Fatamorganas reingefallen und immer schön auf der Strasse geblieben.

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In Aral machten wir uns auf die Suche nach dem Aralsee. Der nördliche Aralsee sollte ja aufgrund des gebauten Damms schon wieder angewachsen sein. Wir fuhren die einzige Strasse (Schotterpiste), die in Richtung der Aralsee-Küste führte, und kamen bis zu einem Dorf (Zhalangash), wo laut Reiseführer Schiffswracks zu sehen sein sollten. Diese sind aber wohl mittlerweile von Schrotthändlern zerlegt und verscherbelt worden. Der weitere Weg zum See bestand aus einer sandigen Fahrrinne. Unschlüssig, was wir nun machen sollten, standen wir am Rand des Dorfes zwischen blökenden Kamelen. Nach und nach scharrten sich immer mehr Kinder (Jungs) um uns herum. Der Mutigste fragte uns, wie wir heissen und sagte seinen Namen, währendem der Frechste heimlich die Ventilkappen von unseren Reifen schraubte!
Wir beschlossen, keine weiteren 30 km über eine Sandpiste mit ungewissem Ziel zu fahren und kehrten um, zurück nach Aral. Dort durchquerten wir das ehemalige Hafenbecken (jetzt teilweise Müllkippe) und stellten uns einfach vor, im Aralsee zu schwimmen.

Während in Zürich noch über einen unnützen Hafenkran diskutiert wird, hat Aral (unfreiwillig) bereits zwei davon…

 

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2 Gedanken zu “Oral – Aktobe – Aral

  1. Lieber Christian
    Ich verfolge eure Reise mit Interesse und wünsche eine unfall- und mückenfreie weiterfahrt.

    Viele Grüsse vcom Bodensee

    Gust

    • Salü Gust

      Vielen Dank für die Grüsse vom Bodensee. Unfällen konnten wir zum Glück bis jetzt entgehen, aber bei den Mücken machen wir uns keine zu grossen Hoffnungen.

      Grüsse aus Türkistan

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